Fahrradkorbterroristen oder das Bekenntnis zur STVO

Man kommt nach Heidelberg um zu studieren und benötigt dazu ein Rad. Das Uniticket kostet mittlerweile 170 Euro oder so, ein gebrauchtes Rad bei Madame Velo vielleicht 40. Dieses Rad wird in einem den Verkehrsregeln entsprechenden Zustand gekauft. Man investiert vielleicht noch hie und da in eine lustige Gummi-Hupe oder ein paar Blümchensticker. Wichtigstes Add-On ist allerdings der Fahrradkorb, in den vor allem Damen dann ihre Tasche und/oder diverse Einkäufe abstellen können. Diese Fahrradkörbe hängen, mit ausgeleierten Kabelbindern befestigt, so sehr auf halb Acht, dass sie regelmäßig Inhalt verlieren. Was nicht mein Problem ist, mein Problem ist dass beim Anschließen des eigenen, geparkten Fahrrads die Fahrradkörbe IMMER im Weg sind.

Liebevoll habe ich diese Radfahrer mittlerweile „Fahrradkorbterroristen“ genannt. Mich stören nicht nur die Körbchen. Aber das Körbchen ist ein Indikator für die Fahrweise. Da habe ich diese Menschen mit ihrer schlängelnden Fahrweise auf dem zu engen Radweg mühevoll überholt und halte, gesetzeskonform, an der roten Ampel und ärgere mich mal wieder an der fünften roten Ampel des morgens zu halten ohne dass auch nur ein Auto diese Straße queren würde. Dann radelt fröhlich der Fahrradkorbterrorist vorbei, über rot, in seinem Schneckentempo. Innerlich knurre ich dann. Ich werde ihn erneut überholen müssen, womöglich an einer noch engeren Stelle. Es kann aber auch passieren, dass diese Radfahrer einem entgegen kommen, weil auf der falschen Seite zu fahren in Heidelberg manchmal mehrere Minuten Zeitersparnis bedeutet. Da knurre ich noch viel mehr, weil ich als braver Bürger den Umweg in Kauf nehme.

Aber mit den Drahteseln muss man doch irgendwie Mitleid haben. Wirkliche Pflege wird ihnen nie zu Teil. Irgendwann sind die Bremsen ausgelutscht, aber vor Ampeln gibt es ja genug Laternenpfähle an denen man sich festhalten kann. Das Licht geht irgendwann kaputt, aber die Seminare sind ja meistens eh nicht so spät das man Licht bräuchte und nach dem Kneipenbesuch findet das Fahrrad den Weg auch von alleine. Schließlich gibt ein Schlauch auf oder die Felge eiert so stark, dass es unbrauchbar wird. Neuer Schlauch, neuer Reifen… da kommt man in Heidelberg schon schnell auf 20 Euro. Für 40 bekommt man wieder ein neues gebrauchtes Rad…

Und so landet das unbrauchbare Klappergestell an irgendeinem Fahrradständer. Und rostet.

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Ein Kommentar

  1. Derartige Räder füllen bei uns immer langsam den Hinterhof auf. Bis der Hausmeister irgendwann eine große Fuhre abfährt, nachdem die Studenten-WGs dreimal durchgewechselt haben und die Ex-Besitzer auch längst Ex-Bewohner sind.

    Es wäre mal wieder nötig …

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