Wunschpunsch

In 9:15

Heute ging ein Hashtag rum, #1satz1buch. Dann starb auch noch ein Autor der wohl als einer der wichtigsten Nachkriegsautoren galt. Wir diskutierten beim Mittagessen darüber. Ich fand, wahre Literatur findet man häufig an unverhofften Orten, vor allem aber in der Kinder- und Jugendliteratur. Ich sinnierte ein wenig darüber nach. Was habe ich aus Frau Jenny Treibel mitgenommen? Das ein Satz mehr als eine Seite lang sein kann. Was hat mich Iphigenie auf Tauris gelehrt? Ein wenig griechische Mythologie. Homo Faber hat mir immerhin beigebracht, aus Andeutungen Schlüsse zu ziehen (was ich als Wissenschaftlerin aber niemals tun würde). Schillers Räuber wagen zumindest noch Tabus zu brechen. Shakespeare ist lyrisch und dramaturgisch genial… Aber beeinflusst hat mich nichts davon. Selten haben mich Sätze daraus begleitet, die Themen haben in mir nichts bewegt.

Mein Vater sagt häufig, wir seien Opfer der Schundliteratur. Er meint das scherzhaft, denn er meint genau die Bücher, die er uns damals vorgelesen hat. Ich habe abends vorm Einschlafen Grimms Märchen vorgelesen bekommen. Oder Anstrid Lindgren, Erich Kästner, Max Kruse, Desi Ruge… Oder Michael Ende. Ich könnte zig weitere Beispiele nennen, aber an dem letztem blieb ich irgendwie hängen.

Ende erzählt zum Beispiel die Geschichte von Jim Knopf, auf der Insel Lummerland. Auf der Insel Lummerland gibt es einen Einwohner, der heißt Herr Ärmel. Er wird so beschrieben: „Herr Ärmel war einfach da und wurde regiert.“ Sieht Ende da schon den politikverdrossenen Kleinbürger voraus? Im Gegensatz dazu treffen Lukas und Jim auf einen chinesischen Wächter. Dieser sagt: „Gehorchen ist mein Beruf!“

Lukas entgegnet unbeeindruckt: „Meiner leider nicht.“

Oder nehmen wir Momo. Eine Geschichte, in der es, aus der Ferne betrachtet, um eine Konsumgesellschaft geht in der die Leute vergessen dass sie das Wertvollste im Leben schon längst besitzen: Zeit. Und sie werden zur Eile gedrängt, sie sollen Zeit sparen! Doch die Zeit löst sich in Rauch auf, in den Zigarren der grauen Herren.

Dann wäre da noch Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. Ein Zaubertrank, mit dem man die Welt ins Unglück stürzen kann. Ein Rabe und ein Kater sollen das verhindern, müssen aber erst ihre eigenen Fehler eingestehen. Mir fiel eine „Zutat“ ein, die wichtig für den Zaubertrank ist:

Keine Fragen zu stellen.

Out: 19:40

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3 Kommentare

  1. Moin,
    mal wieder sehr schön geschrieben. Michael Ende les ich auch immer noch gerne und empfehl ihn auch Leuten, die Deutsch als Fremdsprache lernen und gerne lesen.
    Und irgendwie fehlt hier der flattr- Knopf…

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  2. Sie hat doch geschrieben siehe unter „Generelles“: „Wenn mich jemand mit Worten oder Gesten unterstützen will sollte man auf mein anderes Blog gehen.“
    Könnte man doch übersetzen mit: Kommentare unerwünscht!

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