@leitmedium

In: 9:30

Der Herr Mierau sagt, wir sollen mehr über Hass und Gewaltandrohungen im Netz reden. Er sagt:

Es handelt sich hier nicht um Einzelfälle, sondern ein gesellschaftliches Problem, dass sich im Netz abspielt.

Ja, es ist ein gesellschaftliches Problem. Ja es spielt sich im Netz ab. Es spielt sich aber nicht nur im Netz ab. Es schwappt von der Welt abseits der Tastatur in die dahinter. Anonymisierungsdienste vereinfachen es im Netz, konsequenzenlos Menschen zu brandmarken, auszugrenzen, zu beschimpfen, in den schlimmsten Fällen ihnen zu drohen. Das geht leichter, nur ist es nichts anderes als eine Übertragung dessen, was wir schon lange als Menschen praktizieren.

Manche Freunde sagen mir, sie haben eine Schere im Kopf, weil sie im Netz nicht mehr das schreiben können was sie denken. Zum einen ist da die Überwachung der NSA, zum anderen ist da die Überwachung der „anderen“. Kaum äußert man seine Meinung zu etwas wird man diesbezüglich angegriffen. Dieses Internet, was einst zur Verbreitung von Ideen gedacht war versetzt nun die Denker in Angst. Die digitale Revolution frisst ihre Kinder.

Das Netz gibt uns die Freiheit unsere Ansichten einer großen Masse mitzuteilen. In dieser Masse wird es immer welche geben die Kritik üben. Und ich finde es nicht verwunderlich, dass es darunter eben solche gibt, die diese Kritik nicht formulieren können sondern gleich in diese sogenannte Hatespeech verfallen.

Da haben wir so einen Begriff. Hater die Hatespeech üben. Diese Hasser – ich bezeichne damit jene, die nicht die Idee sondern die Person an sich angreifen – sie sind allgegenwärtig. Nicht selten werden die Hasser auch Opfer des Hasses. Vielleicht sind sie außerhalb des Netzes die Außenseiter. Denn dieser Hass, er dient ja nicht dazu, Ideen zu tauschen. Dieser Hass dient allein dazu, den anderen einzuschüchtern, zu verletzten, sich dadurch stärker zu fühlen und aufzuwerten.

Ich schrieb bereits, dass man sein eigenes Selbstbewusstsein am einfachsten aufpoliert, wenn man andere niedermacht. Es ist on- und offline ein einfaches Konzept. Es ist online noch einfacher, weil ich mich in jede Diskussion einmischen kann und weil mich dort auch niemand kennt wenn ich das nicht möchte.
Ich sehe, wie Menschen inner- und außerhalb des Netzes angegriffen werden. Doch – zumindest in meiner Wahrnehmung – neigen die Angegriffenen im Netz häufiger zum Rundumschlag, da werden Hassende mit Kritikern über einen Kamm geschert. Man kann es den Opfern kaum vorhalten, sich zu schützen. Aber man kann es als Phänomen notieren. Machen vielleicht die Hassenden ihre Opfer ebenso zu Hassern? Wie geht man damit um? Der Hass im Netz hat einen Vorteil: Man kann den PC, das Handy etc ausschalten. Solange man kein Impressum besitzt ist das ausreichend. Es ist aber keine Abwehr oder Unterbindung sondern ein Ausweichen.

Ich war solcherlei Hass noch nie ausgesetzt. Ich hoffe es werde es nie sein. Ich habe einen starken sozialen Unterbau. Ich bin in jedweder Situation noch immer aufgefangen worden. Ich lebe nicht im Netz, es ist „nur“ ein Teil meiner Kommunikation. Vielleicht ist Hass im Netz noch schlimmer wenn das Netz der einzige Raum ist, in dem man sich frei fühlt. Es ist sicherlich nur ein Denkansatz, keine Lösung. Denn wie „löst“ man es, wenn Menschen denen – wie auch immer – Gewalt angedroht wurde?Aber von Netzkultur hab ich ja auch eigentlich keine Ahnung. 😀

Out: 19:43

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