Monat: November 2014

Schuldgefühle

Ich las heute einen Text von @heikeschmidt. Es ging um Verzicht und es ging um das Enttäuschen anderer Menschen, gerade der Menschen die man am meisten liebt. Es ging darum, dass andere Menschen unter der eignen Situation mit leiden müssen. Ich glaube es ging um das Gefühl von Schuld, auch wenn einen keine Schuld trifft.

Vorweg: Was Frau Schnips da durchmacht ist natürlich nochmal um Längen härter als meine Situation gerade. Die Angst, die Anstrengung. Aber ich denke dieses Gefühl des… „zur Last werdens“ und das Gefühl des Enttäuschens der Anderen – das wohnt vielen Stress- bis hin zu Extremsituationen inne.

Wir wollen keine Last sein, wir wollen keine Extrawürste, wir wollen alles selbst irgendwie perfekt hinbekommen. Andererseits geht das eben oft nicht. Das wissen wir auch. Wir können nicht jeden zufrieden stellen, wir können nicht für jeden immer da sein.

Ich habe mal gesagt: „Ich glaube nicht an das Gute im Menschen. Ich glaube an seine Fehlerhaftigkeit. Und an Vergebung.“

Doof nur, dass ich mir selbst diese Fehlerhaftigkeit nicht zugestehe.

T-20

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Rapunzel

Nach dem Rant gestern – und dem recht tiefen Einblick in meine Seele – heute mal ein Thema was einfach Seelennahrung ist.

Ich wurde gefragt weshalb ich lange Haare habe, wenn ich sie doch eh immer hochgesteckt trage.

Im Uni- und später im Laboralltag waren hochgesteckte Haare einfach nötig und da machte es keinen Sinn sich zwischendurch noch einmal umzufrisieren. Auch wenn Alltagsfrisuren bei mir nicht mehr als eine Minute dauern dürfen und normalerweise nur zehn Sekunden dauern. Das hat sich alles mit der Entdeckung von Haarstäben, Forken, Flexis und speziell-für-lange-Haare-Haarspangen ergeben. Das gibt es leider nicht in der Drogerie um die Ecke zu kaufen und auch die meisten anderen Läden bieten nur Mist an, der für einen Meter mit 10 cm Umfang an der Zopfbasis einfach zu klein ist.

Die meisten Haarsachen habe ich im Internet bestellt oder auf Mittelaltermärkten gekauft. Holz muss es sein oder Metal. Manchmal auch Knochen. Plastik gibt früher oder später nach. Ich habe eine ganze Kiste voller Kram und ich bin mir sicher wenn ich mal aufräume finde ich an diversen Orten noch mehr.

Das zum Frisieraufwand. Ich kann natürlich auch aufwendigen Kram. Das ist dann aber was besonderes.

Bei der Pflege sind lange Haare natürlich etwas anders. Ich versuche selten zu waschen. Momentan wasche ich alle 5-6 Tage, dann ist es aber auch bitter nötig. Im Sommer wasche ich auch mal jeden zweiten Tag. Früher habe ich jeden Tag gewaschen, bei vergleichbarer Länge. Da war das auch immer bitter nötig. Der Grund war, dass ich viel Geld für teures Shampoo bezahlt habe. Was der letzte Rotz ist. Denn die wollen einfach dass das Haar am nächsten morgen scheiße aussieht damit sie mehr verkaufen.

Teure Shampoos sind Müll. Allesamt. Manche sind vielleicht okay, aber dann sind sie zu teuer. Nehmt euch ein einfaches billiges Shampoo ohne Schnickschnack. Sensitiv Shampoos sind da ganz gut. Ich werde hier nichts zu den Inhaltsstoffen sagen, nur soviel: je weniger desto besser. Ihr wollt Wasser, Tenside, Rückfetter und ein bisschen Salz. Und das Shampoo brauch nur auf die Kopfhaut. Deshalb verbrauche ich vielleicht eine Flasche Shampoo alle vier bis sechs Monate.

Der Vorteil ist, das die Haare mit den, meistens silikonfreien, billigen Shampoos schneller trocknen, auch ohne Fön und sich weniger Frizz bildet. Das Silikon verklebt dann auch nicht die Kopfhaut und sie fettet nicht so schnell nach. Das Problem ist, dass dann jegliche Haarschäden sichtbar werden. Dafür ist es nämlich da. Es verklebt die Haare damit sie gesund aussehen. Wer durch diese Realität nicht durch will kann für die Längen (nur. für. die. Längen.) einen Conditioner mit Silikonen verwenden. Ich benutze aber seit Jahren proteinbasierte Spülungen. Hier funktionieren aber auch die billigen. Die Proteine erfüllen den selben Zweck, aber weniger stark und sie lassen sich einfacher auswaschen. Sie sind auch keine Filmbildner und das Wasser kann so auch aus den Haaren leichter wieder raus.

Warum erzähle ich euch das? Weil es heißt, dass meine Haarpflege unglaublich unkompliziert ist. Ich wasche die Kopfhaut, ich schmeiße eine Spülung in die Längen, dann spüle ich alles aus, lasse sie für eine Weile im Handtuch und lege mich dann mit einem locker geflochtenen Zopf schlafen. Sie sind dann am nächsten Morgen ganz leicht kämmbar, trocken und fluffig.

Ich kenne eigentlich niemanden der/die so wenig Zeit in die Haare investiert und der keine Glatze hat.

Wenn ihr darüber mehr wissen wollt sagt Bescheid, ich kann da stundenlang erzählen. 😉

T-21

Giving Thanks

Heute ist in Amerika Thanksgiving. Ich habe zwei Mal Thankgiving in den Staaten gefeiert und seit Jahren will ich das mal hier in Deutschland feiern. Letztes Jahr habe ich es immerhin geschafft, jemanden zum Truthahnessen einzulagen, auch wenn es nur eine Keule war.

An Thanksgiving feiert man in Amerika relativ unreflektiert die Ankunft der Founding Fathers feiert, die eigentlich eine komplette Katastrophe war und eiiiiniges über die amerikanische Mentalität erklärt. Doch einige nutzen den Tag auch zur Besinnung. Es ist ein Familienfest und es geht darum, dankbar zu sein.

Für was bin ich eigentlich dankbar?

  •  Meine Eltern, die mich von Anfang an unterstützt haben. Die Maxime war immer, wenn man investieren kann, dann in die Köpfe. Daher war es nie eine Frage ob ich studieren würde oder ob sich ein Auslandsaufenthalt lohnen würde.
  • Und meine Schwestern. Die einfach toll sind.
  • Meinen Freunden, die es nicht übel nehmen, dass ich mich mal Ewigkeiten nicht melde. Die aber mit mir leiden und sich mit mir freuen.
  • Die paar Menschen, die ich gerade dauerhaft ertrage, die mir zuhören, auch wenn sie es satt haben.
  • Meine Kollegen, die mir in den letzten Jahren einiges erleichtert haben.
  • Die vielen inspirierenden Gesprächspartner der letzten Wochen. Gerade heute oder letztes Wochenende.
  • Diese komische Twitter- und weitere Internetcommunityrasselbande, die da meinen ein oder anderen Rant erträgt. Und der eine, der mir sogar Durchhaltegeschenke geschickt hat. 🙂
  • Meine Wohnung, zusammen mit meinen nicht immer einfachen aber doch lieben Mitbewohnern
  • mein treues Fahrrad und seine Hydraulikbremen, denen ich und andere ihr Leben verdanken
  • Meine vielen Erfahrungen im Ausland
  • Diversen Buchautoren wie Erich Kästner, Terry Pratchett und Sergej Lukianenko
  • Diversen Musikern, die es schaffen mich aufzumuntern
  • Den Podcastern, die Zeit und Muße investieren damit das pipettieren nicht so langweilig ist
  • Und schließlich allen die das hier lesen. Dass es jemanden interessiert was ich hier schreibe, das ist echt toll.

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T-23

Heute wieder ein Lied, diesmal eins was noch nicht lange auf meinem iPod ist. Aber es ist toll.

Sischer dat!

Es ist glaube ich schon ein Jahr, da wurden die Schutzkittel im Lager ersetzt durch neue Modelle. Früher gab es Herren- und Damenkittel getrennt. Die Damenkittel waren tailliert, hatten kürzere Ärmel und waren aus irgendeinem Grund auch etwas länger. Beide Kittel hatten normale Plastikknöpfe, bei denen sich zuerst der Knopf auf Hüfthöhe, dann der am Bauchnabel verabschiedete. Nach der ersten Wäsche hatte man Farbflecken und auch gerne mal ein paar Löcher. Es geht so weit, dass der rechte Ärmel einer meiner Kittel am Ellenbogen fast komplett gerissen ist.

Jetzt gibt es Unisex-Kittel. Sie haben Druckknöpfe statt normaler Knöpfe. Was eventuell als Zuwachs von Sicherheit gemeint war ist jetzt eigentlich ein neues Risiko. Vielleicht hat man es sich so vorgestellt, dass man den Kittel im Falle des Falles wie Superman vom Leib reißen könne (was bei den alten Kitteln auch möglich gewesen wäre, nur sind dann eben die Knöpfe ab). Leider springt der Kittel auch von alleine auf. Zusätzlich sind die Ärmel für Frauen zu lang und zu weit. Sie schlackern so sehr, dass einige sie sich mit Tape festkleben müssen, damit er nicht sofort überall drin hängt. Sowieso ist der Kittel an der Brust zu weit und hängt einfach nur wie ein Sack. Bei Männern wie Frauen.

Ich mag ja eigentlich Kittel. Ich muss im S2 Bereich einen tragen. In der S1- Forschung muss der Kittel nur „griffbereit“ sein. Der Kittel hat viele Taschen – auch wenn die Brusttasche bei der großbusigen Fraktion nicht für Stifte geeinget sind, denn sie ist dann beim Vornüberbeugen eine Rutschbahn. Aber Taschen sind gut. Ich habe immer ein paar frische Handschuhe einstecken, Stifte, manchmal Taschenrechner, Zettel. Auch Schlüssel, Handy und iPod wollen verstaut werden.

Jetzt kam eine weitere Neuerung dazu. Weil Latexhandschuhe zu unsicher sind – sie lassen einige Chemikalien durch – wird jetzt auf Nitril umgestellt. Ich mag Nitrilhandschuhe, sie geben ein angenehmeres Gefühl. Aber sie sind weniger elastisch und viel teurer. Meine Lieblingshandschuhe wurden abgeschafft. Die sind mit Aloe Vera und Vitamin E versehen und haben meine Hände immer so unglaublich gepflegt dass ich weder beim Klettern noch beim Rudern ordentlich Hornhaut ansetzen konnte. Meine Hände sind dafür wirklich sehr weich. Stattdessen gibt es nur noch ein Latexhandschuhmodell. Auf das jetzt alle zurückgreifen werden. Denn in den meisten Fällen der biologischen Arbeit schützt man eher die Proben vor den eigenen Pfoten als die Pfoten vor bösen Chemikalien. Diese Handschuhe sind so glatt, dass mir beinhae die Pipette aus der Hand gefallen wäre. Ich konnte keine Eppis mehr schließen, weil ich abrutschte.

Ich werde dann halt jetzt für die verbleibenden Tage Nitrilhandschuhe tragen. Die sind wenigstens schön blau.

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T-24

Im Rahmen meines Adventkalender gibt es von nun an – wenn ich es nicht vergesse – ihr einen musikalischen Countdown mit Liedern die auf meinem iPod sind. Es bezieht nicht unbedingt auf den Text, noch unbedingt auf aktuelle Ereignisse.

Denn wir beide leben in zwei Welten…

Vorweg: Dies ist kein Anprangern. Nur ein Gedankengang.

Ich war heute ziemlich fertig. Das Wochenende war schön aber anstrengend und so langsam fordern die letzten Wochen ihren Tribut. Es wäre, denke ich, alles nicht so schlimm, wäre ich vorher nicht schon 2 Jahre auf Verschleiß gefahren. Das erste Jahr der Doktorarbeit war zwar noch ziemlich locker, aber bei Master und Bachelor hab ich nicht gerade gefaulenzt. Vielmehr hat spätestens die Masterarbeit mich an den Rand des BurnOuts gebracht. Das sind jetzt 9 Jahre seit dem Abi von denen ich mindestens 6 geheizt bin.

Ich war am Sonntag bei einer Freundin. Sie hat mich einen Großteil dieser 9 Jahre begleitet. Wir sind aber sehr unterschiedliche Wege gegangen. Ich strebte nach der Wissenschaft, sie nach einem Familienleben. Es ist trotzdem eine solide Freundschaft. Eine, bei der es okay ist wenn man sich nicht dauernd meldet. Eine, bei der es okay ist, das Telefonate mit „Nicht die Katze aus dem Fenster schmeißen!“ und ähnlichen Kommentaren unterbrochen werden. Ja, die Zeit meiner Doktorarbeit hat sie für zwei Kinder genutzt. Und ich liebe ihre Kinder total und ich glaube sie haben mich auch ganz gern.

Ein bisschen ist eine Doktorarbeit ein Kind. Sie hält einen nachts wach und man macht sich dauernd Sorgen darum.

Aber so richtig kann man es nicht gleichsetzen. Eine Doktorarbeit kreischt nicht die ganze Nacht durch. Eine Doktorarbeit kackt nicht die Windeln voll. Eine Doktorarbeit kotzt dir nicht ins Bett. Sie wird nicht krank, sie schmeißt keine Dinge vom Hochstuhl, sie macht vorm Schlafengehen kein Gehampel, quengelt nicht rum, pinkelt sich in die Hose oder bemalt die Wand.

Aber eine Doktorarbeit lacht auch nicht. Sie quietscht nicht vor Vergnügen, wenn man ihr einen Brumselkuss auf den Bauch gibt. Sie ruft nicht „Nochmal, nochmal!“ wenn man mit ihr Hubschrauber gespielt hat. Sie kommt nicht morgens um 4 in dein Bett um zu kuscheln. Sie malt dir keine Bilder, sie sieht nicht niedlich aus wenn sie schläft. Sie gibt dir keinen Gute Nacht Kuss.

Doktorarbeiten sind undankbar, nervig und stressen. Das tun Kinder auch, aber nicht immer. Während Gebären, Stillen und niedliche Kindergesichter Glückshormone verursachen macht dir eine Doktorarbeit nur hohe Cortisonlevel.

Ich habe nie eine Forschungsarbeit als ein Baby angesehen. Ich will das auch gar nicht erst anfangen.

Äpfel und Birnen sollte man essen und nicht vergleichen.

#Shirtstorm reloaded

Es gibt zu dem Artikel zuletzt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Auch zu dem Hemd nicht. Aber die Reaktionen haben sich in letzter Zeit aufgeschaukelt. Ich lesen immer wieder Posts, in dem Matt Taylor als Held gefeiert wird. Ich lese immer wieder Posts, wo überkritische Feministinnen abgewatscht werden.

Wenn dies der Beginn sein soll, da wir aufhören, Menschen aufgrund ihrer Kleidung zu verurteilen – egal welchen Geschlechts – dann ist alles gut. Ich befürchte aber, der Punkt ist nicht ganz rübergekommen.

Kleidung ist, vor allem im Beruf, kein einfaches Thema. Kleidung sendet immer eine Message. Und gerade für Frauen scheint es doch nicht so leicht zu sein, die „richtige“ Kleidung zu tragen. Hinter dem Rücken von Frauen wird doch eher über den zu engen Rock geredet, als über das zu enge Hemd eines Mannes. Ich finde wir sollten lernen das zu lassen.

Ich glaube was es schwierig macht, ist das Männer mit einem Anzug einfach immer gut fahren, egal was der Anlass ist. Die Frau hat es da schwerer. Ein Hosenanzug? Mannsweib! Ein Kostüm? Zu weiblich! Ein Kleid? Um Himmels Willen, ist doch keine Party hier!

Übertreibe ich? Möglich. Ich persönlich komme selten in den Genuss solcher Kritik. Nur einmal, da ging es eigentlich gar nicht um Kleidung: Ich trage meine langen Haare immer im Dutt (nicht diese Teletubby-Dödel auf dem Kopf, sondern elegante Knoten). Mit langen Haaren meine ich nicht Schulter-, oder vielleicht Brustlänge, ich meine einen ganzen Meter Haare. Ein Dutt ist praktisch, verteilt das Gewicht gut und sieht schick aus. Offene Haare trage ich quasi nie. Aber sie geben mir manchmal ein Gefühl von Sicherheit, wenn sie so auf dem Rücken liegen. Die Verteidigung meiner Masterarbeit wollte ich daher mit offenen Haaren machen. Meine Freundinnen schrien auf. „Nein, nein, das wirkt doch total unprofessionell!“ „Aber du hattest doch auch offene Haare bei deiner Verteidigung?“ „Na, bei mir ist das was anderes!“

Vielleicht hätte ich das damals machen sollen. Vielleicht hätte ich es auch lassen sollen. Vielleicht hätte ich einfach tun sollen was auch immer ich wollte. Mich nicht drum scheren sollen, was andere sagen, denn erst wenn es uns am Arsch vorbei geht wird man damit aufhören. Und einfach mal lernen, auf die Person zu achten.

Was mich ein bisschen gütlich stimmt? Nachdem eine Dame namens Kim Kardashian mit ihrem durchoperierten Körper ganz ohne Kleidung versuchte, das Internet zu zerstören, begannen diverse Leute, es zu reparieren. Und sie posteten Bilder von Frauen, die durch Intelligenz, Mut, Talent und Nächstenliebe die Welt verändert haben. Besonders berührt hat mich dieses hier

Eine Nase voraus

Manchmal frage ich mich, ob es Menschen gibt die keinen Geruchssinn besitzen. Ich frage mich auch, ob Hygiene und Sauberkeit nicht ein Schulfach sein sollten. Und weshalb es Menschen gibt die ihren Körper in fremde Gerüche einhüllen müssen.

Als ich einst in Amerika war, sagte ein Junge im Schulbus zu mir: „Du riechst nach gar nichts. Das ist irgendwie cool. Alle Mädchen riechen immer nach Vanille oder Erdbeere, aber du… riechst überhaupt nicht.“

Das kommt daher, dass ich nur sehr, sehr selten Parfüm benutze. Und dass die in Amerika beliebten „Body Sprays“ einfach für meine europäische Nase zu süßlich-penetrant waren. Ich benutze auch nur wenige Produkte die einen Eigengeruch haben, weil ich es nicht mag, „fremd“ zu riechen.

Gerade dann muss man auch darauf achten, dass man nicht stinkt. Denn das Back-Up-System, einfach zu übertünchen, greift ja nicht. Also muss Kleidung gut gewaschen, getrocknet oder gelüftet werden. Also müssen lange Haare ordentlich weggesteckt werden, damit sie keinen Geruch annehmen.

Gerüche sind ganz generell und für mich insbesondere ein Tor zu Erinnerungen. Es gibt Gerüche, die erinnern mich an meine Zeit in Schottland (der Geruch von sanftem Nieselregen), andere an meine Zeit in Indiana (Pferde, Kaminfeuer) oder in Boston (Antikgeruch von dem quasi-viktorianischem Haus in dem ich wohnte). Ich kann diesem Geruch nicht entkommen, die Erinnerungen sind dann präsent. Das kann von Vorteil sein, es kann aber auch von Nachteil sein – wenn du etwas vergessen, ignorieren willst.

Zwei Kollegen von mir konnte ich immer sehr gut ignorieren. Sie mochte mich nicht besonders und er mochte eigentlich niemandem. Ich fand das doof, aber ich konnte es nicht ändern und habe daher versucht ihnen soweit als auch möglich aus dem Weg zu gehen.

Jetzt möchte, muss ich eigentlich, jemanden soweit es geht ignorieren. Es geht dabei um mein Seelenheil. Aber der süßlich-verwesende After Shave Geruch macht es mir unmöglich. Er ist immer da, auch wenn der Verursacher schon lange weg ist. Er ist so penetrant und intensiv, dass ich es noch Minuten später rieche wenn er den Raum verlassen hat.

Ich hoffe derzeit auf eine Erkältung, aber ich befürchte mein körpereigenes Cortison verhindert das gerade.

Es bleibt nur: Aushalten.

Oder eine Wäscheklammer.

Hinter dem Türchen

Wenn ich gefragt werde, wie es denn so mit meiner Mitbewohnerin läuft sage ich meistens: „Hervorragend. Wir sehen uns kaum.“

Natürlich generiere ich absichtlich den Anschein eines Kausalzusammenhangs. Dem ist aber eigentlich nicht so.

Wir haben uns von Anfang an verstanden. Vielleicht, weil sie einfach sehr klare Ansagen geben kann, ohne dass sie dabei grantig wirkt. Wenn ich Dinge klar und unmissverständlich sagen will, klinge ich meistens zickig. Wenn ich es freundlicher sagen will, nimmt man das oft nicht so ernst.

Meine Mitbewohnerin nimmt man sofort ernst. Sie ist auf jeden Fall ein fröhlicher Mensch, aber sie strahlt  Souveränität aus. Und das noch ohne arrogant zu wirken.

Wir sitzen gerne abends zusammen und trinken Wein, wenn sie am Wochenende hier ist. Wir schauen Frauenfilme wie Expendables. Sie hat mich mit zu ihrem Sport genommen, ich habe ihr Podcasts aufs Handy geladen.

Sie weiß viel von dem, was auf meiner Arbeit passiert. Eigentlich alles, auch wenn manche Sachen halt nur nachvollziehbar sind, wenn man selbst sowas mal durchgemacht hat.

Heute hat sie mir einen Adventskalender geschenkt. Sie hat die Türchen so umbeschriftet, dass das große Türchen am 20.12. zu öffnen ist.

Wenn der Laborspuk vorbei ist.

Punkt

Dieses Wochenende ist aus vielerlei Gründen kompliziert. Ich mag das nicht, ich werde dann unentspannt. Das heißt nicht, dass ich mich über die einzelnen Eckpunkte nicht freue, aber das dazwischen wird wieder ein Heckmeck.
Ich bin generell unentspannt und unspontan. Ich habe die Dinge gerne unter Kontrolle. Wenn ich unter Stress stehe bin ich aber noch ne Ecke extra unentspannt. Denn dann ist ja nichts unter Kontrolle.

Ich merke aber auch, dass ich um längen kratzbürstiger bin. Das wäre nicht so schlimm, weil ich gerne mal fiese Fragen frage. Aber unter normalen Umständen kann ich dann das Echo besser ab. Jetzt überhaupt nicht. Und das ist eigentlich einer der größten Kritikpunkte die ich an anderen Menschen oft habe. Jetzt werde ich also nichtmal meinen eigenen Ansprüchen gerecht.Und ich werde zunehmend unkonzentriert. Mir passieren Flüchtigkeitsfehler.

Ich habe eben eine Bahncard gebucht, die erst ab 24.11. gilt. Ich benötige sie aber schon ab 23.11. Nur dann lohnt sich das Ding. Ich hoffe inständig das kann man morgen an der Hotline klären. Wenn ich da nicht dann eh mehr Geld für die Hotline zahle als für die Bahncard.

Ähnliche Dinge leiste ich mir auch auf der Arbeit. Zu wenig APS ins SDS-Gel? Reihenfolge der aufgetragenen Proteine nicht notiert? Lauter so Kleinmist.

Und im Sport ist es noch furchtbarer. Ich hätte gestern beinahe geheult, weil ich eine Asana nicht hinbekommen habe. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten, selbst beruhigen, dass das ja kein Weltuntergang ist.

Ja. So ist das halt. Es ist alles eigentlich nicht so schlimm. Aber wenn ein ganz bestimmter Punkt in deinem Leben gerade furchtbar läuft und du absolut gar nichts dagegen tun kannst, dann regt man sich halt über andere Dinge auf, arbeitet sich an denen ab.

Bringt aber nix.