Monat: Dezember 2014

Was man tun kann.

Eines der schwierigsten Dinge, die man in einer Stressphase meistern muss ist, wie man mit Menschen umgeht die es gut meinen.
Das Gegenteil von gut gemacht ist gutgemeint. Das sagt mein Vater immer. Ich weiß nicht woher er das hat, aber er hat recht.
Aber das ist auch unfair. Denn wie geht man dann damit um wenn ein Mensch, der einem am Herzen liegt durch eine schwere Zeit muss? Man möchte ja wirklich nur das Beste für ihn.

Ich habe einen guten Podcast abonniert, indem es eigentlich um Persönlichkeitsentwicklung und Personalführung geht. Dieser stellt eine These zu Motivation auf, die mir schlüssig erscheint und die ich gerne auf diese Situationen anwenden möchte. Er sagt, man kann nicht motivieren, denn Menschen sind bereits motiviert. Man kann nur aufhören sie zu demotivieren. In gewisser Weise also ihrer Motivation freien Lauf lassen.

So ist es auch mit Schweren Zeiten. Bei allem was kein konkretes Problem ist, alles was mit dem Umgang mit der Belastung zu tun hat, bei all diesem ist weniger oft mehr.
Da sind zum Beispiel gut gemeinte Ratschläge wie: „Ruh dich doch Mal aus.“ Ja, man würde sich gerne ausruhen. Aber gerade geht das eben nicht. Dieser Ratschlag reibt es einem nochmal unter die Nase. Hatte man nicht eben erst diese Gedanken verdrängt, dass man lieber schlafen würde als zu ackern? Hatte man sich nicht erst mit dem Schicksal angefreundet, dass Ruhe gerade nicht möglich ist?
Ein ähnlicher Hilfeversuch ist: „Komm wir machen was Schönes, du brauchst etwas Ablenkung.“ Ja! Nein! Da ist man gerade schön fokussiert und da soll man sich ablenken? All diese Disziplin wird nochmal getestet, dabei steht sie doch eh auf wackeligen Beinen. Das kostet Kraft.
Bei mir kamst erschwerend hinzu, dass ich gerne für Menschen da bin und das ich ungern ‚Nein‘ sage. Nochmal Kraftaufwand.

Wichtig ist vor allem Verständnis für die Situation. Wieso fällt jemandem diese Zeit so schwer? Wann ist das Problem eigentlich entstanden? Und Warum? Das sind keine einfachen Fragen. Wenn man sie stellt dann muss man zuhören. Man kann hier eventuelle Knackpunkte herausbekommen, aber dann muss man auch willens sein, diese durchzugehen. Das. Ist. Nicht. Einfach. Und der „Gestresste“ ist normalerweise auch nicht böse wenn man diese Fragen gar nicht erst stellt. Zum Einen sind sie unglaublich intim und erfordern deshalb schon einiges an vorhergehender Bindung; zum Anderen sind sie gerade für den Gestressten nicht einfach zu beantworten. Das kann sehr emotional sein.

Nein, viel bleibt da nicht. Das Wichtigste ist glaube ich, das Gefühl zu geben, dass man auf dem anderen wartet, ganz ohne Druck. Entspannt, mit Vorfreude, jemanden an Verstehen geben, dass er immer Willkommen ist.

Das ist ein bisschen wie: „Wir warten auf’s Christkind.“

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Aufräumen

Gestern wäre ein schöner Tag gewesen um einen „Geschafft“ Beitrag zu schreiben. Und eigentlich hatte ich das auch vor. Aber ich hatte ein bisschen Freiheit wiedergwonnen und wollte das nutzen. Das bedeutet ich hab einen Abend damit verbracht, mit meinem neuen Tablet zu daddeln. Aber der Reihe nach.

Samstag morgens war wie immer Rudern. Das war wirklich angenehm weil wir nicht so viele waren. Dann habe ich mir meinen Traditions-Samstags-Döner geholt, bin auf die Arbeit gefahren, habe ihn dort gefuttert und dann meinen Platz aufgeräumt. Ich habe ja bereits geschrieben wie wichtig so eine Bench im Alltag ist. Sie ist auch sehr personalisiert. Meistens hängen da Comics, auch mal Fotos oder kleine Helferlein. Von diversen Lösungen die man immer wieder braucht hat man eine kleine Abfüllung (ein Aliquot) rumstehen.

Genau diese Lösungen habe ich gestern aussortiert. Was unwichtig und billig war habe ich entsorgt (Wasser, Blot- und SDS-Puffer). Was unwichtig und teurer war habe ich meinen Kolleginnen hingestellt, immer jenen von denen ich meinte sie könnten es am ehesten gebrauchen. Was wichtig und wirklich teuer war kam wieder zurück an den Ursprungsort – das sind meistens Antikörper, Inhibitoren und andere Chemikalien die wir für unsere Versuche brauchen. Das alleine hat eine Stunde gedauert. Dann habe ich grob einige Proben weggeworfen, die ich gewiss nicht mehr brauchen werde. Ein paar Antibiotikatests zum Beispiel.

Ich habe auch die Comics und Fotos entfernt. Alle. Und meine Helferlein habe ich vererbt.

Die Postdoc hat die Antikörper-Tabelle bekommen (von welchem Tier, wieviel, in welcher Lösung…) auf die sie eh häufiger als ich geschaut hat,

Die neue Kollegin bekam meine Gel-Tabelle. Wie man verschieden-prozentige Gele gießt. Denn sie war die einzige die mein System verstand. Meine Codonsonne bekam sie ebenfalls.

Die Azubi bekommt die Markertabelle. Weil sie sich einfach den Marker nicht merken kann.

Eine weitere Kollegin bekommt meine Kristallviolett-Lösungen.

Die Herren gingen derweil leer aus, ich habe einfach nichts was die gebrauchen könnten.

Außerdem habe ich endlich alle meine Aktenordner ins Office gebracht. Da werde ich im neuen Jahr noch aussortieren müssen.

Aber an meiner Bench habe ich die meisten meiner Spuren beseitigt.

Ich habe sie verteilt.

Es fühlt sich gut an.

Zu hause bin ich dann mit Tablet, The Cave und Whisky versackt.

T=0

Was mir fehlen wird

Morgen ist der letzte reguläre Tag, den ich im Labor verbringen werde. Ich muss Samstag nochmal rein, wahrscheinlich werde ich doch nochmal etwas arbeiten müssen, aber das ist okay, denn am abend werde ich dann meinen Platz aufräumen, alles was ich ganz sicher nicht mehr braucht wegschmeißen, dann die Tür schließen und gehen.

Es führt leider kein Weg daran vorbei, dass ich nächstes Jahr noch ein paar Dinge machen muss, aber ich mache keine neuen Versuche, ich werte sie nur (nochmal) aus.

Und dann war es das. Und viele Sachen werde ich ganz glücklich hinter mir lassen. Den Druck, die Kommentare meines Chefs, die schwergängigen Pipetten, die lauten Geräte, die furchtbaren Farben der neunziger Jahr, den chronischen Platzmangel, das Kantinenessen mit der Extraportion Öl, die 7 Jahre alten Computer…

Aber ich werde auch Dinge vermissen.

Meinen Laborarbeitsplatz zum Beispiel. Meine Bench. Eine Bench ist immer ein bisschen individuell. Als ich not Platz unter der Bench hatte für die Beine war sie noch cooler, jetzt sitze ich fast im Spagat auf meinem Hocker vor der Bench, wenn ich mal länger was arbeiten muss. Ich hatte den Kühlschrank mit den wichtigsten Materialien direkt unter der Bench, das war praktisch. Ich habe aus Heftklemmen Haltungen für Dispenserspitzen und Pinzetten gebaut und aus Kabeln eine für die Scheren. Ich habe erst Anfang diesen Jahres endlich eine eigene Absaugpumpe bekommen und eine Minizentrifuge. Überhaupt sind Zentrifugen direkt am Platz das Geilste.

Parafilm werde ich vermissen. Parafilm ist eine bessere Art von Frischhaltefolie, isr aber dehnbar und passt sich an die Oberflächen an. So ist es wirklich dicht. Ich frage mich, weshalb wir sowas nicht in der Küche haben. Hmm..

Die Aloe Vera Handschuhe. Seitdem sie jetzt die Handschuhe gewechselt haben muss ich meine Hände öfter eincremen. Durch die vielen Desinfizierungen sind die natürlich immer angegriffen. Wir hatten ehemals Handschuhe die die Hände gepflegt haben, aber die haben angeblich zu viel Latex.

Den Laborkittel. Ich muss sagen es ist eine Hassliebe. Der Laborkittel schränkt einen in der Kleidungsauswahl schnell ein. Pullis oder gar Sweatshirts darunter sind ganz unangenehm. Röcke können sich hinten am Laborkittel hochschieben. Genau so ist es mit T-Shirts. Wenn man mal ein etwas kürzeres anhat und nicht aufpasst steht man plötzlich bauchfrei da. Und häufig kommen Kittel löchriger und bunter zurück aus der Wäsche als vorher. Dafür habe ich Taschen für alles. Ich habe immer ein paar Handschuhe dabei, Stifte, Zettel, Taschenrechner…

Zellkultur. Zellen hegen und pflegen macht Spaß. Es ist ein bisschen wie ein Haustier was man bei Bedarf wegfrieren kann.

Nukularzeug. Ich habe nicht so viel radioaktiv gearbeitet. Ich habe in Amerika mal ein bisschen mit Tritium rumgespielt und jetzt durfte ich halt meine Zellen bestrahlen. Aber es ist irgendwie cool.

Immunfluoreszenzen. Genau damit werde ich noch eine Weile spielen dürfen. Aber es ist einfach unglaublich cool, direkt zu sehen was in einer Zelle passiert. Wir Biologen messen ja meistens eher abstrakt. Immunfluoreszenzen sind und Farbe und leuchten bunt.

T-2

Schenken und Beschenkt werden

Weihnachten ist die Zeit des Schenkens. Ich schenke gerne. Ich mach mir Gedanken über etwas, was meine Familie oder auch mal gute Freunde, gerne hätten. Ich denke mir eigentlich immer was dabei und ich mag es, dass man mit Weihnachten eine Gelegenheit hat, zu schenken. Ja, man könnte immer mal wieder was schenken. Aber tut man es? Ich kann auch immer wieder mal joggen gehen oder putzen, aber beides mache ich doch lieber wenn ich einen Grund dazu habe.

Jetzt ist das bei meiner Familie nicht so einfach. Meine Eltern haben alles was sie brauchen. Ein Haus, hübsch eingerichtet, mit allem was man so braucht. Es hat genug Dekoartikel und Bilder im Wohnzimmer, genug Gadgets im Arbeitszimmer und genug Verbrauchsartikel in Bad und Küche. Was also schenkt man?

Erfahrungen und Zeit. Letztes Jahr wünschte mein Vater sich Zeit mit seinen Töchtern und dieses Jahr sind wir mit ihm nach Augsburg gefahren und haben dort ein Wochenende verbracht. Dieses Jahr hat sich meine Mutter das gewünscht. Mein Plan war, meinem Vater zu Weihnachten ein Fotobuch von Augsburg zu schenken, aber meine Schwestern waren schneller und planten mich in ihr Geschenk mit ein. Es wird dann wohl ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Ein kluger Mensch sagte mir mal: „Was am Ende bleibt, sind die Erinnerungen.“ Und diesen Satz halte ich mir oft immer wieder vor Augen. Erinnerungen zu schenken ist mehr wert als andere.

Beschenkt werden ist eine andere Sache. Beschenkt werden ist… komisch. Ich saß eines Weihnachtens unter dem Baum mit einer Geflügelschere, einer Hornhautfeile und einem Sparschäler, zusammen mit einem riesigen, quietschorangen Schlafsack. Ich hätte heulen können. Und ich fragte mich, ob das undankbar war. Ich mache nie Geflügel, ich besitze einen Sparschäler und ich hatte mir sehr explizit einen raumsparenden Schlafsack gewünscht, für meine vielen Reisen.

Ja, war ich undankbar? Wenn ja, was sollte ich nun mit den Geschenken tun, die ich nicht brauchte? Meine Schwester, die den Schlafsack im Auftrag meiner Eltern bestellt hatte, gab eben jenen unter Protest zurück und ich ging in ein bekanntes Outdoorgeschäft in Köln und kaufte binnen 20 min einen neuen. Sie hatte beteuert, die Packmaße und Temperaturen die ich wollte gäbe es nicht. Die Geflügelschere bekam meine Oma, den Hornhauthobel durfte meine Mutter behalten, den Sparschäler behielt ich dann doch, auch wenn ich bereits drei besaß.

Ich habe aber begriffen welche Wünsche meine Eltern von mir wollten. Ein großes Geschenk (~70-100€) und mehrere kleine (5-20€) zum „Auspacken“. Und jetzt bekommen sie jedes Jahr eine Liste mit 2-3 großen Geschenken zur Auswahl und ein paar Büchern und ähnlichen Kleinigkeiten.Das ist ekelhaft pragmatisch für Geschenke. Aber so denken nunmal meine Eltern und ich möchte es ihnen leichter machen.

Jetzt höre ich häufig „Wozu brauchst du das denn?!“ und muss mich rechtfertigen. Ich muss sowieso oft beantworten, weswegen ich nun etwas kaufe oder nicht.

Aber das sind halt Eltern.

Achso, ja, das ist natürlich unglaublich hohes Niveau auf dem ich da jammere. Verzeiht, aber das tue ich ja meistens. Den größten Wunsch erfülle ich mir ja selbst. Der zweitgrößte – mal ein paar Tage Ruhe mit der Familie – der steht noch aus.

T-4

Nebenwirkungen

Ich hatte gestern einen Beitrag begonnen und dann traf mich plötzlich eigentlich vorhersehbar eine harte Migräne und ich beschloss das Bett zu hüten. Lustigerweise wollte ich eigentlich darüber bloggen, was der Körper eigentlich bei einer Doktorarbeit, vor allem aber nicht nur in den letzten Zügen, mitmacht.

 

Migräne:

Stellt euch vor, ihr arbeitet direkt neben eurem Gefrierschrank. Moment, ihr habt ungefähr 10 von diesen Gefrierschränken und sie kühlen nicht auf -20 sondern auf -80°C. Das sind unsere Gefrierschränke auf dem Flur, die eine wundervolle Geräuschkulisse bilden. Dazu piept alle paar Minuten irgendwas: Ein Timer, eine Zentrifuge, ein Schüttler. Eine Pumpe rattert, eine Lüftung dröhnt, ein Power Pack surrt, die PCR-Maschine fiept auf einer knapp hörbaren Frequenz. Mittlerweile ist es etwas besser geworden, denn die Baustelle vor der Tür arbeitet nicht mehr so laut. Dazu habt ihr Temperaturschwankungen von -20, 4, 20 und 37°C. Und verbringt immer mal wieder längere oder kürzere Zeit in komplett dunklen Räumen, die einzige Lichtquelle ist ein Monitor (Laser-Mikroskop) oder Rotlicht (Dunkelkammer). Und das alles zusammen. Das ist meine Umgebung. Und sie fordert ihren Tribut. Mein Körper zeigt mir das mit Migräne, die Licht- und Geruchsempfindlichkeit, Übelkeit und eben pochende Kopfschmerzen beinhalten, manchmal zusammen mit Sichtstörungen, aber nur selten. Gestern war es so schlimm, dass ich wimmernd mit dem Rad heimfuhr und bei jeder winzigen Unebenheit zusammenzuckte. Erst wurde es zu Hause noch etwas besser und dann war das einzig Mögliche die Fötushaltung im Bett.

 

Träume:

Wo wir gerade bei Schlafen sind: Ich träume extrem intensiv. Nichts davon ergibt wirklich Sinn, also ich träume nicht von Bergbesteigungen oder Seiltänzen, die eine unangenehme Situation darstellen würden, aber ich träume sehr „echt“. In der Nacht von Samstag auf Sonntag träumte ich beispielsweise, mit einem Bekannten den ich noch nie live gesehen habe zu einer Dombesichtung verabredet zu sein. Wir trafen uns dort im Domgarten, redeten, dann wollte ich aber den Zug nach Hause nehmen. Auf dem Weg zurück fand ich einen weiteren Dom (der Begriff Dom ist in meinem Kopf, es sah mehr aus wie eine Kapelle), in der bunte, am Boden liegende Darstellungen von Eseln zu sehen waren und dieser Dom war auch irgendwie einem Esel gewidmet.

In einem weiteren Traum lebte ich in einem Haus von ca 1900 und betrachtete unter anderem die Spielzeuge dort. Ich war eine ganze Weile in diesem Haus in der Nähe eines Sees, aber an mehr erinnere ich mich jetzt nicht mehr.

Sollte jemand elaborierte, lustige oder fundierte Deutungen von so etwas haben: Immer her damit.

 

Magen:

Man sollte meinen, ich äße mit dem Stress weniger. Das stimmt nicht, kalorisch ist es wahrscheinlich etwa das Gleiche. Sehr interessant sind aber Hungerlöcher, in die ich immer mal wieder falle. Wirklich plötzlich auftretendes – oder nur plötzlich bemerktes – Hungergefühl. Das mag auch an meinen deutlich Häufigeren Naschereien liegen. Weihnachten erhöht den Schokoladenkonsum noch mehr. Das ist auch nicht immer angenehm für den Magen und gerade giere ich gerade zu nach frischem Gemüse und Obst.

 

Beine:

Meine Beine tun weh. Meine Waden sind verspannt, und abends kitzeln sie immer wieder, als seien sie eingeschlafen und wieder erwacht. Ich stehe sehr viel, laufe sehr viel herum, das merke ich. Morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit ist anstrengender als zurück.

 

Arme/Schultern/Nacken:

Das war schon immer ein Trauerspiel. Durch die nicht wirklich vorhandenen Schreibplätze und der schwergängigen Pipetten haben sich die Beugermuskeln und Sehnen im rechten Arm stark verkürzt. Es ist mittlerweile nicht mehr witzig, wie weh das tut. Ich mache morgens und abends Übungen dagegen und auch zwischendurch ab und an. Ich habe für den rechten Ellenbogen eine Manschette, aber beim Pipettieren hilft das nur bedingt. Wie viel Kraft man dafür braucht fiel mir auf, als ich im Praktikum Schüler betreute, die noch nie pipettiert hatten. Ich konnte, wie meine Kollegen auch, die Pipettenspitze mit dem Daumen über einen Hebel einfach abschnipsen. So sind die Pipetten auch gebaut. Die Schüler konnten das nicht. Sie mussten beide Hände zum abschnipsen nehmen.

Die rechte Brustmuskulatur hat sich ebenso verkürzt und verhärtet. Das ist einmal im Monat besonders schmerzhaft und war so krass dass ich sogar zur Frauenärztin bin. War aber nur eine Verkettung unglücklicher Umstände und kein Grund zur Sorge.

 

Erkältung:

Ich bin seit 3 Monaten topgesund, was meine Nebenhöhlen angeht. Also, für meine Verhältnisse. Eigentlich wäre längst die Zeit für 1-2, früher eher 4-5 Erkältungen gewesen. Aber es ist alles ruhig, also, so im Vergleich. Das bedeutet wohl, dass sich mein Körper das für die Feiertage aufbewahrt. Ein bisschen läuft die Nase, wenn es dabei bleibt ist’s gut.

 

Haut:

Meine Haut reagiert immer als erstes auf Stress. Und zwar hält sie sich dann für deutlich jünger als sie ist, nämlich so 14, 15. Momentan geht mir mein Aussehen zwar am Allerwertesten vorbei, aber es ist eben trotzdem unangenehm und so ein fieser Pickel tut dann gerne auch noch weh, damit jeder was davon hat: Die, die einen anschauen müssen und man selbst eben auch. Das ist übrigens schon länger so, aber in Anbetracht dessen, dass ich Bewergungsfotos machen lassen wollte, war ich dann doch mal wieder bei einer Kosmetikerin, die bei einem Hautarzt arbeitet. Vielleicht hilft das ja auf die Dauer.

 

Psyche:

Das meiste was ich so durchmache schreibe ich ja hier. Versagensängste und Selbstzweifel und Reizbarkeit, ein ständiges Balancieren zwischen Apathie und Emotionalität. Willkommen in meinem Kopf.

Ich habe gerade erst wieder gehört, dass die Lebensgefährtin eines Freundes ihre Doktorarbeit wegen Depressionen abgebrochen hat. Ich kenne weitere, meines Erachtens depressive oder zumindest derzeit depressiv-verstimmte Doktoranden. Ob das wirklich so ist können nur sie selbst sagen.

 

Bei anderen mag das anders sein. Ich weiß von einigen wo es ähnlich ist. Je nach Fachgebiet unterscheidet sich das sicherlich auch, aber ich gehe stark davon aus dass es bei den meisten ebenso körperliche Symptome gibt.

T-5

Wettern dass…?

Ich habe erst spät zu der heutigen Sendung „Wetten dass“ geschaltet. Aber genug um die Tiefen Abgründe dieser Show zu sehen. Ich habe eigentlich schon lange diese Show nicht mehr gesehen, nur die schlechten Kritiken über Lanz gesehen. Und sie scheinen alle wahr.

Da fragt dieser Lanz den vor drei Jahren in eben dieser Show verunglückten Samuel Koch, der seitdem vom Hals abwärts gelähmt ist, ob er denn dieser Sache etwas Sinnhaftes abgewinnen kann. Lanz wirkte schon vorher extrem überfordert mit der Situation, fragte Koch zweimal wie es ihm nun ginge und, nachdem er schon angekündigt hatte, Koch habe lange über einen Besuch in der Show nachgedacht, fragt er ihn nochmal danach.

Koch antwortete souverän. Er musste das letzte Mal etwas verfrüht weg, er hatte einen etwas steifen Nacken. Und er konnte sich nicht von allen richtig verabschieden.

Und nun die Frage, ob er in seinem Unfall etwas Sinnhaftes sähe. Und tatsächlich: Koch hat sich engagiert. Er hat gekämpft. Er ist Schauspieler geworden. Er will Vorbild sein. Und das macht ihn zu einem tollen, faszinierenden, starken Menschen. Ich bin beeindruckt.

Aber mit Verlaub, ich glaube nicht dass der Unfall an und für sich dafür gedacht war. Dass der Unfall den Sinn hatte, ihn zu einem Vorbild zu machen. Nein, der Unfall ist passiert. Und dann hat Koch ihm den Stinkefinger gezeigt und gesagt „Fuck You, ich mach trotzdem was Tolles mit meinem Leben!“

In dem Buch „Die Hütte“ schreibt William Paul Young sinngemäß: „Es gibt kein Gut und Böse. Dinge geschehen. Ob sie gut oder böse sind, bestimmen wir selbst darin, wie wir sie wahrnehmen.“ Für mich war das immer ein sehr wichtiger Satz.

Wir müssen die Dinge hinnehmen, die wir nicht ändern können.

Wir können dem Leid einen Sinn geben, wenn wir das wollen

Dann wachsen wir daran.

T-7

Weihnachtschreit und Nächstenhiebe

Hui, der Beitrag gestern ging ab wie eine Rakete. Das freut mich. Da scheint Bedarf an medizinisch-ethischen Fragen zu sein, bzw die Zerlegung eben derer. Das freut mich um so mehr (und ich werde das in Erwägung ziehen wenn die heiße Schreiphase rum ist).

Ich komme zu Unerfreulicherem, nämlich der Situation im Labor.

Der Vertrag des gerade promovierten Doktoranden läuft Ende des Jahres aus. Der Chef möchte ihn eigentlich gerne behalten, denn da ist noch eine Revision zu machen. Der Gute hat sich aber auch zu spät arbeitssuchend gemeldet, das beduetet wenn es keine Verlängerung gibt muss er einen Monat mit verkürzten Mitteln rechnen. Und so von heute auf morgen (und kurz vor Weihnachten) arbeitslos zu werden ist ja nun auch nicht gerade nett. Und ich glaube er hat mehr Schiss davor als er zugeben will. Aber er ist der sogenannte Golden Boy. Während sich Kolleginnen zuvor Urlaub zum Lernen nehmen mussten (und von 20 Tagen Urlaub 10 fürs Lernen zu opfern ist schon happig) bekam er einen Monat Zeit dafür, einfach so, als Home Office.

Jetzt regte er sich zurecht über die Situation auf, dass er nicht weiß wie es weiter geht. Und er meinte, wenn er bis Montag nichts von einem Vertrag gehört habe, würde er Urlaub nehmen. Und es sei ja wohl fies, denn er habe noch recht viel Resturlaub. Ich sagte zu ihm, er habe ja 20 Tage „Urlaub“ zum Lernen gehabt. Da wurde er schon schnippisch, er habe ja auch an Revisions gearbeitet. Was überhaupt kein Argument für oder gegen irgendwas ist, ich habe es mehr als Seitenhieb „Du hast ja kein Paper“ verstanden.

Ich habe übrigens 13 Tage Resturlaub in diesem Jahr. Von 20. Ich werde davon natürlich keinen einzigen mehr nehmen Und nein, wir kriegen ihn nicht ausgezahlt. Und nein, es is nicht meine Schuld dass ich kein Paper habe.

Ich weiß nicht was mich daran gerade mehr ärgert: Dass er seinen Frust an mir auslässt, oder dass er, als privilegierter -denn er ist ja bereits promoviert- bei mir rumjammert.

Und die Tatsache dass Leute über ihre Zukunft so im Unklaren gelassen werden regt mich auch auf.

Dann ist da noch die Azubi, die zwischen de ganzen niedlichen Tierbabyvideos und den Whatsapp-Chats wirklich gut arbeitet. Nun möchte sie das auch um die Feiertage herum tun. Bei uns können die Tage um die Feiertage mit Überstunden ausgeglichen werden. Das ist auch das einzige Mal im Jahr dass das geht. Sie möchte aber weder Urlaub nehmen noch Überstunden machen. Als Azubi darf sie aber nicht alleine arbeiten. Sie zwingt also meine Kollegin (im oberen Comic übrigens #2) auch zu kommen, weil diese ihre Betreuerin ist.

Die Krönung des Ganzen ist, dass eben diese Kollegin nicht nur im Labor sondern auch privat mit Arbeit zugemüllt wird. Während ihre Mutter im Krankenhaus liegt und ihr Bruder ja „keine Zeit hat“ ist sie also diejenige die sich kümmert. Der Vater ist anfang des Jahres gestorben, ihre Cousine ist auch schwer krank. Nein, tauschen möchte ich mir ihr nicht.

Ich werde schauen dass ich sie zumindest Montags morgens vertrete oder so.

Beide, der Kollege und die Azubi, sind einfach blind für die Probleme anderer. Hat der Kollege in all dieser Zeit Verständnis für meine Situation gezeigt? Nein, er findet es derzeit sogar lustig weiter zu sticheln. Er kann froh sein, dass es mir gerade am Arsch vorbei geht.

Hat die Azubi auch nur minimalst in Erwägung gezogen, dass die Welt nicht immer so ist, wie sie sie gerne hätte? Nein, sie beschwert sich auch noch wenn sie für ihre Prüfung lernen muss. Sie kann froh sein, dass wir das auf der Arbeit zulassen.

Und wer mich sonst noch aufregt muss ich ja nicht extra sagen. Heute hat er über einen ehemaligen Kollegen hergezogen, als glaube er, wir würden nicht mehr mit dem reden.

T-8

Mein kleiner Kommentar zu @Glaubenssache

Die Laborarbeit ist eine gute Gelegenheit, um Podcasts zu hören. Ich höre zwar schon seit ca 7 Jahren Podcasts, aber seitdem es mit den iPodTouch Geäten (oder den Smartphones) möglich ist, Podcasts on the Go herunterzuladen hat es wirklich stark zugenommen.

Gerade begann ein neuer Podcast, in dem sich Alex Hoaxmaster Waschkau und Eduard Habsburg über Religion und Ethik unterladen.

Ich mag das. Ich mag Philosophie, Ethik und ja, auch Religion. Gerade Biologie stößt heute immer wieder an ethische Grenzen. Und um die Ethik zu verstehen braucht man auch ein biologisches Wissen.

Wann zum Beispiel ist ein Mensch tot? Diese Frage war vor 100 Jahren sehr einfach. Keine Atmung, kein Herzschlag. Heute haben wir den Hirntote: Atmende Menschen, mit Herzschlag – aber sie sind tot und wir hätten gerne ihre Organe um andere Menschen zu retten. Und so operieren Ärzten an lebenden Körpern, nehmen ihnen das Herz aus der Brust und geben es anderen. Wir wissen, das hirntote Menschen tot sind. Doch für die Ärzte die operieren und nicht zuletzt die Familien ist das etwas ganz anderes.

Noch viel schwieriger ist es zu entscheiden wann ein Mensch lebt. In der ersten Folge Glaubenssache sagt Alex, dass für Eduard Stammzellen Leben seien. Mir juckte es da furchtbar in den Fingern. Es geht mir hier um die Terminologie, die aber wichtig ist zum Verständnis der Sache an sich. Es geht nicht darum ob embryonale Stammzellen Leben sind. Natürlich leben sie! Meine Hela-Zellen, meine Brustkrebszellen, meine embryonalen Nierenzellen: Sie tun es ebenso! Die Eizellen, die Spermien: Sie beide leben ebenso, wie das befruchtete Ei. Die wichtige Frage ist: Wann ist es ein Mensch?

Ich bin mir sehr sicher, dass Eduard das so meint. Ich muss es nur für mich irgendwo richtig gestellt haben und vielleicht liest er das hier und nickt. Die katholische Kirche hat in ihrem Konservativismus etwas begriffen das wir verdrängen weil wir es bereits haben: Menschliches Leben ist kostbar und schützenswert. Die Frage ist aber: Bis zu welchem Preis. Und wenn wir drohen es zu verlieren, wie weit gehen wir dann?

Nur eine von drei befruchteten Eizellen wird zu einem Kind heranwachsen, weil einfach noch so viel schief gehen kann – ganz ohne Zutun von Außen. Deshalb werden bei künstlicher Befruchtung einer Frau auch gleich mehrere Embryonen eingepflanzt. Es werden überhaupt schon mehere Embryonen „hergestellt“. Der Überschuss wird meines Wissens eingefroren. Und wohl nie wieder aufgetaut. Auch so eine ethische Frage.

Etwas anderes das Eduard erwähnt ist NFP, natürliche Familienplanung. Ich hielt das früher für bescheuert, ich weiß heute, dass es tatsächlich hochwissenschaftlich ist. Und nebenwirkungsfrei. Tatsächlich ist die Eizelle der Frau nach dem Eisprung nämlich sehr schnell nicht mehr befruchtungsfähig und wenn man diesen Zeitpunkt sehr genau bestimmen kann ist diese Methode so sicher wie andere Verhütungsmittel. Sich bei der Familienplanung auf den Zyklus der Frau zu verlassen verlangt unglaublich viel Respekt und Vertrauen. Ich kenne aber mittlerweile mehrere Paare die sich darauf verlassen, niemand davon ist streng katholisch.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass Sex eben schon lange nicht mehr hauptsächlich der Fortpflanzung dient. Er festigt viel mehr die Bindung zwischen den Partnern, die nunmal eine wichtige Grundlage für das gemeinsame Aufziehen -und eben nicht primär der Entstehung- von Kindern ist. (Ich meine das evolutionsbiologisch, Evolution erfordert Nachkommen, Paare ohne Kinder können sich aber sicherlich ebenso eine bessere Bindung für andere gemeinsame Projekte erhoffen.) Gerade erst waren katholische Ehepaare bei Bischöfen (ich weiß nicht genau welche Kongregation das nun schon wieder war) und erzählten ihnen etwas von Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Ich bin gespannt was da jetzt noch passiert.

T-9

Passend zu dem heutigen Thema und eine Brücke schlagend zur tickenden Uhr von schwierigen Projekten heute etwas was ich gestern zusammen mit meinem Chor gesungen habe. Eines des schönsten Adventslieder, wie ich finde.