Das Selbst

Ich habe heute nacht geträumt ich sei auf einem Schiff, zusammen mit zwei Nachbarn, die ein Pärchen sind und einer weiteren, männlichen Person die ich nicht kenne. Wir waren irgendwo mitten auf dem Ozean und anscheinend hatten wir uns auf einer kleinen Yacht verfahren. Jetzt im wachsen Zustand hätte ich weitere Stats gecheckt – Proviant, Benzin, Funkgerät, Rettungsboot – aber wir hatten alle sofort aufgegeben und mein Nachbar kam sofort mit einer Idee. Um dem qualvollen Tod des Verdurstens zu entgehen sollten wir uns allesamt mit einem Gift umbringen. Seine Freundin und ich sollten den Anfang machen. Wir gingen aufs Deck, setzten uns in jede Handvene jeweils eine Dosis und warteten auf die Wirkung. Irgendwann kam mein Nachbar und suchte Nach geschwollenen Lymphknoten im Arm, die angeblich Zeichen für die Wirkung des Giftes waren. Dann begann er, Lampenöl über mich und meine Haare zu gießen.

Dann wachte ich auf.

Es war wirklich sehr, sehr creepy. Ich bin alles nur nicht suizidal und ich halte mich für relativ kühl im Kopf wenn es um brenzlige Situationen geht. Zumindest habe ich schon diverse Kleinbrände unter der Sterilbank gelöscht und so ein Kram. Egal, mein Traum-Ich und ich unterscheiden sich offensichtlich vor allem im Hinterfragen von Dingen.

Warum ich das so fix bloggen muss? Ich war gestern eine Kollegin im Krankenhaus besuchen. Sie hatte sich das Bein gebrochen, aber mittlerweile geht es ihr soweit ganz gut. Und, es klingt leicht morbide es zu sagen, aber sie sah nie besser aus. Ihre Haut strahlte, war rosa, ihre Augen hell, die Augenringe verschwunden. Die gesamten Gesichtszüge wirkten entspannt.

Auf dem Heimweg redeten eine andere Kollegin und ich über das Reisen. Und sie meinte, quasi nebenbei, dass die letzte Zeit – sie gibt heute ihre Doktorarbeit ab – sie mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert habe. Sie wolle nun endlich ein paar Sachen erleben wenn das Leben könne so schnell vorbei sein.

Sie hat dazu keinen direkten Anlass. Ihrer Familie und ihren Freunden geht es gut und sie wird bald heiraten. Trotzdem ist sie mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert. Gerade jetzt, wo so viele neue Dinge anstehen.

Ich spreche schon lange von einer Endzeitstimmung im Labor, die mir zusetzt. Und dieses unstete Leben gerade setzt mir auch zu. Mal bin ich hier, mal dort, mal schreibe ich, mal sortiere ich, mal mache ich Organisatorisches, manchmal mache ich Gottweißwas. Oft tritt man auf der Stelle, oft muss man diverse Dinge einfach tun, damit sie weg sind weil sie nerven.

Im Hintertreffen bleibt das Selbst.

Und das ist zerbrechlich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s