Carne Vale

Ich kam am Aschermittwoch auf die Idee, ich könne doch diesmal auch Fleisch fasten. Ich faste jedes Jahr und zwar esse ich 7 Wochen lang keine Süßigkeiten. Ich mache Ausnahmen an (Geburtstags-)Feiern. Und ich muss zugeben dass ich gegen das Ende hin doch ein paar Mal „sündige“. Ich nehme das nicht so schwer, ich „bereue“ das dann nicht. Ich frage mich dann nur, ob dieser Schokoriegel oder diese Gummibärchen es denn Wert waren mein Gelübde an mich selbst zu brechen. Im Bezug auf Süßkram weist mir das Fasten einen neuen Wert eben jener auf. Ich merke wieder sehr bewusst wann ich wieviel esse, auch noch Wochen, Monate danach. Ich merke wie oft man etwas angeboten bekommt, wie oft irgendwo eine Geburtstag ist oder eine andere Feier. Und ich sehe die Alternativen. Müsliriegel zum Beispiel. Oder Joghurt. Oder Nüsse. Obst und kleine Gemüseschnitzchen.

Was soll ich sagen: Es wirkt. Ich kann eine Tafel Schokolade aufmachen und sie evaporiert nicht sofort. Ich kann eine Tüte Gummiviecher aufmachen, mir ein paar rausnehmen und dann vergessen, dass ich sie habe. Vor knapp 9 Jahren, als ich das erste Mal fastete, konnte ich das nicht. Ich konnte damals einen ganzen Liter Eis essen. Obwohl mir schlecht wurde hab ich das gemacht. Ich konnte 200 g Tafeln Schokolade essen, wie andere Leute einen Kinder Riegel. Die war einfach weg. Und ich merkte es gar nicht. Es hat eine Weile gedauert bis ich das im Griff hatte. Es ist erst etwa 4 Jahre her, dass ich wirklich angebrochene Tafeln nicht mehr auffutterte „weil es halt da war“. Aber gleich nach dem ersten Mal stellte sich der Erfolg ein, dass Süßigkeitenregale nicht mehr so eine magische Kraft auf mich ausübten. Ich musste das Zeug nicht mehr kaufen, ich kaufte es nur selten und lieber kleine Packungen.

Ja. Und dieses Jahr dachte ich mir: Wieso verzichtest du nicht mal auf Fleisch? Zusätzlich? Wie jeder Durchschnitssdeutsche esse ich zuviel Fleisch. Zuviel für meinen Körper und zuviel für die Umwelt. Ich bin aber ein Mensch, der viele Proteine braucht, um sich satt zu fühlen. Spaghetti mit Tomatensoße? Da bin ich ja nach ner Stunde wieder hungrig!

Aber ich wollte es probieren. Wie immer waren Feiern ausgenommen. Und nun kann ich aus dem Stehgreif sagen, dass ich die letzten 7 Wochen bei genau 2 nicht-Feier-Essen Fleisch aß. Einmal um den restlichen Bacon zu verbrutzeln und einmal, weil mir jemand das falsche vom Bäcker mitbrachte. Ich esse sonst jeden Tag Fleisch. Ich mag Salami, Würstchen, Hühnchen, Hackfleisch, Frikadellen, Burger… Auch hier war ich gezwungen, für Ersatz zu sorgen. Damit meine ich nicht konkret Fleischersatzprodukte sondern Essen im Allgemeinen.

Eine meiner liebsten Käsesorten ist britischer Cheddar. Und ich versüßte mir die ersten Tage mit leckeren Aufläufen. Überhaupt: Ich entdeckte einen neuen Käse für mich. Mozzarella. Mochte ich früher nicht. Jetzt finde ich ihn toll, vor allem damit zu überbacken. Im Zweifel geht das auch ganz schnell. Ein Toast mit etwas Bruschetta beschmieren oder belegen (jenachdem ob frisch oder nicht), Mozzarella drauf und eine Minute in die Mikrowelle: Voila!

Und Feta. Ich mag keinen Schafskäse, aber der von der Kuh ist einfach prima und eignet sich auch für Soßen hervorragend. Zusammen mit Artischocken und Zucchini in einen Teigfladen gewickelt hat man einen leckeren, fleischlosen Wrap.

Ich aß außerdem zu allem was ging Joghurtsoße. Oder Quark. Meistens rühre ich das selbst schnell an, mit etwas Knoblauch, Kräutern, Zitrone, Senf und Zucker. Proteinreiches wie Hummus fand sich auch des Öfteren auf meinem Teller.

Etwas schwieriger war es in der Kantine. Nicht immer ist das Essen dort gut. Und gerade die Vegetarier haben es oft schlecht. Da gibt es das „Pesto“, was aus einem Liter Öl und zwei Kräuterfutzeln besteht. Oder Geschmacksfreie Polentaschnitten. Oder, von mir gefürchtet, Spaghetti Napoli.

Irgendwann in dieser Zeit war ich dann mal beim Aldi shoppen, da er auf dem Weg lag. Ich gehe normalerweise in den Kaufland. Da sah ich ein sehr breites Angebot an Fleischersatzprodukten. Ich nahm mir vor, jedes Produkt davon mal auszuprobieren. Jeweils einmal.

Den Anfang machte die vegetarische Bolognese. Und ich muss sagen, wenn man sie verwendet wie „Hack mit Tomaten“, also noch Gemüse wie Zwiebeln, Karotten, Sellerie und Tomaten mit reinschnibbelt und sie gut würzt, schmeckt die wirklich ziemlich gut.

Dann probierte ich die fleischlosen Fischstäbchen, die größtenteils nach dem Ketchup schmeckten mit dem ich sie aß. Die fleischlosen Hähnchenfilets in Panade hingegen waren ganz lecker und wären vielen, die prozessiertes Fleisch (zB in der Mensa) essen, nicht als vegetarisch aufgefallen.

Die Würstchen wiederum kann man vergessen. Die schmecken wie Pappe. Es sei denn natürlich, man ertränkt sie in Soße, dann schmecken sie nach der Soße.

Ganz gut fand ich die „BBQ-Steaks“. Die waren sogar innen leicht rosa. Auch die brauchen eine gute Soße, aber das ergänzt sich einfach und übertüncht nicht.

Ich denke, ich werde das Projekt nächstes Jahr wiederholen. Und ich bin gespannt wie es sich diesmal auswirkt. Ich habe gerade gar keinen großen Appetit auf Fleisch, aber um wirklich konsequent „flexitarisch“ zu leben (nein, vegetarisch kommt nicht in Frage) brauche ich noch ein paar pflanzliche Proteinalternativen die nicht hülsenfruchtbasiert sind. Mittlerweile ist es halt doch etwas viel Käse geworden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s