Monat: Mai 2015

Block dir deine Meinung

In diesem Internet widern mich diverse Dinge an. Ganz klar, wenn jeder ins Internet kann, ist dort die Gesellschaft vertreten, mit all ihren Makeln.

Aber nichts davon kommt mir so nah, wie die Blockkultur. Versteht mich nicht falsch, es GEHT mir nicht nah, aber ich sehe wie es passiert. Und ich bedauere den Prozess.

Blocken ist ein Twitter-Phänomen. Auf Facebook werden einem die Nachrichten von Menschen, mit denen man nicht befreundet ist ja nicht angezeigt. Und Whatsapp und Snapchat sind keine rein asynchronen sozialen Medien.

Und so sind auch Blocklisten ein Twitter-Phänomen. Zum Teil entstanden durch Gamergate sind sie ein Mittel im feministischen Kampf. Und die Idee ist ja auch gar nicht so dumm: Wird man von einem Account bedroht und belästigt, kann man ihn auf eine solche Liste setzen und andere können ihn automatisch blocken. Aber wer entscheidet, was eine Bedrohung ist?

Ich bin offensichtlich eine. Diverse meiner Freundinnen wohl auch. Nur habe ich mit den Accounts die mich Blocken nie interagiert. Vorgeworfen wird mir – das weiß ich aus Screenshots – Feminismus zu hassen. Allerdings fehlt dazu jegliches Statement meinerseits. Es setzt sich wohl aus einer Mischung von meinen oft zynischen Kommentaren und meinen Followees und Followers zusammen. Da hat jemand bestimmt, dass dies bedeutet, dass ich Feminismus hasse.

Manche Menschen nennen dies „Deutungshoheit“, ich nenne es vor allem selbstgerecht. Sich selbst emporheben durch das niedermachen anderer zeugt von schlechtem Stil und schlechter Erziehung. Und durch die Blocklisten entsteht etwas, das keine Filterbubble mehr ist, sondern ein Bunker. Eine Abschottung von jeglichem Input, der einen in irgendeiner Weise eine andere Ansicht aufzeigen könnte.

Was ich an der Wissenschaft liebe ist der Austausch. Das diskutieren über Ideen. Jeder weiß, dass jene die auf ihrem Standpunkt beharren und keine weiteren Meinungen anhören (sie müssen ihnen ja nicht folgen), keine neuen Erkenntnisse sammeln werden. Es gibt zwar jene, die „stur ihren Weg gegangen“ sind, aber das bedeutet ja nicht, dass sie keine anderen Ansichten hörten. Es bedeutet, dass die Idee stark genug war, dich durch den Beschuss hindurch zu tragen, zu schützen. Wer sich aber eingräbt, der kommt nicht weiter.

Genau diese Denkweise habe ich während meiner Doktorarbeit gelernt. Spät erst, aber immerhin. Reden, teilen, diskutieren, austauschen, anerkennen, reflektieren. Dafür gibt es Catchphrases wie „Open Mind“ und „Outside the Box“.

Blocken ist der erste Schritt weg vom „Open Mind“. Es sollte mit Bedacht erfolgen. Wer sich präventiv versteckt zeigt mir persönlich eigentlich nur, dass die vertretene Idee durch meine bloße Existenz bedroht ist. Ich bedauere das. Denn würden wir uns austauschen, würden wir miteinander diskutieren – könnte dann nicht vielleicht eine neuere, bessere, stärkere Idee entstehen? Wäre das nicht eine Evolution der Ideen? Endless forms most beautiful?

Ich denke schon.

Schade, das manche Menschen das nicht zulassen.

Von Scham, Akzeptanz und dem Respekt

Ich habe heute den Beitrag von Robin gelesen. Und danach alle anderen 3 dazu. Die Beiträge über #fatshaming. Wie das halt heißt. Ich finde den Beitrag gut, aber den Begriff genauso panne, wie wenn man „refugees“ sagt statt „Flüchtlinge“. Aber was weiß ich denn.

Ja. Also. Robin beschreibt da ziemlich genau meine Geschichte. Gemobbt, gehänselt, unter anderem weil ich immer etwas kräftiger war. Bis zur 7. Klasse wog ich wahrscheinlich in etwa 5 kg mehr als der Durchschnitt. Ich war dafür immer sportlich. Meine Mutter und meine Schwester setzten mir allerdings genauso zu wie meine Klassenkameraden. Bei einem legendären Geburtstag sagte meine Schwester zu mir “ Friss nicht so viel, du wirst zu fett!“. Vor allen Freundinnen. Das war vielleicht… das war auch die Zeit unseres Umzugs. Und ich war, als Neuling, besonders das Ziel von Mobbern. Und den Schmerz durch das Mobben und den Schmerz der Trennung von meinen Freundinnen bekämpfte ich mit Schokolade.

Wie Robin versuchte ich, teilweise sehr radikal, abzunehmen. Und ich glaube, ich bin vielleicht sehr, sehr knapp an einer Essstörung vorbeigerauscht. Ausgerechnet durch mein Auslandsjahr in Amerika lernte ich, richtig zu essen. Ich war sehr schlank und machte viel Sport. Meine Gastmutter kochte jeden Tag frisch. Sie hat Diabetes und erklärte mir, dass ein Essen aus Protein, Stärke und Gemüse zu bestehen habe. Ich wusste das nicht. Meine Mutter kochte zum Mittagessen oft Ravioli, Pfannkuchen oder Nudeln. Ich mochte ja auch dieses Dampfkochtopfgemüse nicht, dass die Alternative gewesen wäre.

Egal. Ich habe sehr viel von diesem „Fatshaming“ mitbekommen. Und jedes Mal, wenn es wieder besonders schlimm war begann ich – ja – zu essen. Ich wollte das nicht. Das war meine Art, die Beleidigungen zu schlucken. So überstand ich die Oberstufe und auch das Bachelorstudium. Diverse Verletzungen an meinen Füßen taten ihr Übriges, denn ich konnte keinen Sport mehr machen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Eltern und Freunde im Unrecht waren, wenn sie mich auf mein Gewicht hinwiesen. Das Problem war, dass sie mich damit verletzten. Und zwar immer wieder auf’s Neue. Jeden einzelnen Tag. Es ging soweit, dass es sogar beim Weihnachtsessen passierte.

Ich bin Biologin. Zu dick sein ist nicht gesund. Zu hohe Kalorienzufuhr ist nicht gesund. Das ist richtig. Daher ist #FatAcceptance genauso falsch. Genauso mies. Es ist eine Lüge. Dicke sind nicht toll weil sie dick sind, haben schwere Knochen und schlechte Gene. Sie sind einfach krank! Entweder man futtert aus einem psychologischen Grund so viel, oder weil man nicht richtig mit Essen umzugehen gelernt hat. Und beides kann zu einer Spirale führen, beides begünstigt sich wieder gegenseitig. Das bedeutet nicht dass sie nicht liebe, nette Menschen sind, mit Gefühlen, genauso wertvoll und wichtig wie jeder andere auch.

 

Das Problem ist, dass beides, Shaming und Acceptance, falsch ist. Und das es etwas bezeugt, was immer öfter passiert. Menschen gehen mit sich selbst und anderen respektlos um. Sie arbeiten, rauchen, trinken und futtern sich in eine Volkskrankheit und ein jeder zeigt mit dem Finger auf die anderen. Selbstgerechtigkeit, auf beiden Seiten.

Lasst doch mal Platz für eure Fehler. Und lasst doch mal Platz für die Fehler von anderen.

Wer ohne Sünde sei…

 

 

 

 

Blogstöckchen von @moepern (auch verspätet)

Wie lang waren deine Haare, als du 17 warst?

Ich habe sie, kurz bevor ich Amerika verließ, nochmal ein Stück abschneiden lassen. Sie waren wohl so Schulterblattlänge, vielleicht auch etwas länger. Danach hab ich sie fast nur wachsen lassen, bis meine Mutter mich zum Friseurbesuch verdonnerte, wo eine liebenswerte Tucke mir „Stufen“ andrehte. Lieber Friseure: Aber Schulterlänge sind Stufen für’n Arsch.
Wann (Alter) und warum hast du dich entschieden, das zu studieren, was du studiert hast?

Kann ich gar nicht sagen. Ich wollte alles werden. Polizistin, Tierärztin, Richterin, Ärztin. Und dann hab ich in Amerika ein Herz seziert, diverses Viechzeuch bis hin zu einer Ratte. Das fand ich ziemlich cool. Als ich mich dann irgendwann entscheiden musste wurde es eben Biologie. ^^
Bist du Arbeiterkind, Akademikerkind, Mixed oder was anderes? Hat das Auswirkungen auf dein Benehmen anderen gegenüber oder bist du “Habituschamäleon”?

Meine Mutter kommt aus einer Bauernfamilie vom Dorf, mein Vater ist der Inbegriff des Bildungsbürgertums. Geprägt hat es mich sicherlich. Bildung war bei uns das wichtigste. Das höchste Gut. Da mein Opa im Krieg alles verlor – auch seine Doktorurkunde – brachte er die Familie von damals 3 Kindern zum einen mit seinem Wissen über Pflanzen durch, indem er wusste was essbar war, und einer seiner Kollegen bestätigte seine Person und so konnte er wieder als Chemiker arbeiten.
Republica oder CCC? Oder beides? Oder keines?

Ich war bislang nur auf dem CCC. Es war ziemlich geil. Man riet mir von der Republica ab. Zumal die ja an Arbeitstagen stattfindet. Das finde ich ziemlich bescheuert. Ich würde also den C3 bevorzugen. Wenn man mich mal zu einem Vortrag auf der Republica einläd schau ich mir die auch mal an. 😉

Ich gebe mal weiter an

@vrouwelin,

@nett_

@laiza272,

@horatia_aubrey

@BeckiSchnubiiii

Und zwar mit diesen Fragen:

Was bereust du?

Wenn du ein Comic Charakter sein könntest, welcher wäre es? (Genre egal, aber es muss gezeichnet sein)

Welche Musik hast du vor, während und nach deiner Pubertät gehört? Welches ist die peinlichste Band und mit welcher kann man sich auch heute noch sehen lassen?

Was trägst du als Schlafanzug?

7 Fakten über mich (verspätestes Blogspiel)

Die Frau Nett ist Schuld daran und es liegt ja nun schon eine Weile bei mir rum…

  1. Ich hasse Regenschirme. Ich hasse Regenschirme weil sie nie da sind wenn man sie braucht. Und weil sie umständlich sind, vor allem zu zweit. Ich kaufe keine Jacken die nicht wasserdicht sind und keine Kapuze haben. Ich trage immer nur funktionale Jacken und ich verstehe auch das Prinzip von Stoffschuhen nicht. Außerdem bin ich zu 90% mit dem Rad unterwegs, da sind Schirme unpraktisch. Eine gute Jacke aber ist immer praktisch.
  2. Wie Frau Nett auch habe ich keine beste Freundin. Ich habe eigentlich immer, wenn ich eine beste Freundin hatte früher oder später eine Enttäuschung erlebt. Deshalb habe ich das aufgegeben und es gibt nur einen sehr kleinen Kreis an Personen mit denen ich über mehr rede als nur das alltägliche Gedöns, mit denen ich tiefere Gespräche habe. Manches Mal überraschen mich auch Menschen. Als ich am Wochenende auf einer Party mit einem guten Freund, der eher wie ein kleiner Bruder ist, über ein paar Dinge sprach die mich in der letzten Zeit bewegt hatten war er fast sauer, dass ich mich in der Zeit nicht bei ihm gemeldet hatte. Und als ich ihm von jemandem erzählte, der sich mir gegenüber verletzend verhalten hatte ballten sich seine Fäuste. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, das manche Menschen mir gegenüber so beschützerisch sein möchten.
  3. Ich bin naiv. Ich glaube ja immer noch an die Menschen und ich glaube an Vergebung. Und es fällt mir immer wieder schwer, die Hoffnung in einen Menschen aufzugeben, selbst wenn mir alle Wegweiser zeigen, dass dieser Mensch für mich verloren ist. Es klingt jetzt gefühlsdusselig und kitschig, aber ich habe jeden Menschen der mir irgendwie einmal nah war in mein Herz geschlossen. Und das ist eine Einbahnstraßen-Sackgasse. Ich glaube immer, dass sich ja alles nochmal ändern könnte. Mein Gefühl sagt mir das. Ich weiß aber, dass es nicht so sein wird.
  4. Ich habe kein klares Bild von falsch und richtig. Ich finde, man kann falsche Dinge tun und richtiges bewirken. Und man kann richtige Dinge tun und falsches bewirken. Während ich es zum Beispiel absolut falsch finde einen Menschen zu verletzen gibt es Situationen in der man es vielleicht doch muss. Das macht es nicht weniger falsch, aber eben notwendig.
  1. Ich blocke nicht. Moment, das ist falsch, ich blocke den Tech-Nick von Saturn, der nervt mich. Außerdem erzählt er mir Dinge die ich schon weiß oder nicht wissen will. Ich mute einige Menschen und Nicht-Menschen-Accounts die mir zu oft retweetet werden und die für mich uninteressant sind. Ich folge Menschen deren Meinung ich nicht bin. Ein paar ausgewählten die – möglichst – ihre Meinung nicht als das einzig wahre sehen. Und Zwei, drei Accounts die eben doch das tun.
  2. Ich bin insgesamt gerne gehässig. In meinem Kopf gibt es eine Stimme, die ist misanthrop und manchmal einfach nur böse. Ich habe mittlerweile erlebt, dass Menschen, die sich anderen gegenüber schlecht verhalten es häufiger irgendwie wieder zurück bekommen. Wenn das passiert verspüre ich Genugtuung. Das ist nur ein Beispiel. Mein Zynismus lässt mich noch ganz andere, fiesere Dinge denken und manchmal auch sagen. Es ist meine Methode, mit Ungerechtigkeit umzugehen. Ich hätte Pathologin werden sollen.
  3. Ich glaube an Gott. Und führe das nicht weiter aus.

Ich gebe mal weiter an

@vrouwelin,

@moepern,

@laiza272,

@horatia_aubrey

Vergissmeinnicht

Ich habe seit Januar viel geleistet. Ich wollte immer mal eine Woche Urlaub machen. Eine Woche um zur Ruhe zu kommen. Eine Woche keine Termine, eine Woche keinen Stress, eine Woche kein Druck.

Dann habe ich am Ende meines Arbeitsverhältnisses 15 Tage Urlaub verfallen lassen. Und habe noch drei Wochen länger zum Schreiben – bzw um das Drumherum – gebraucht. Drei Wochen von dem Monat in dem ich eigentlich „frei“ hatte. Bevor das Praktikum beginnt. Aber die letzte Woche, da mach ich Urlaub! Dachte ich mir. Da hab ich frei!

Ich habe zwei Slams gehalten, ich habe einen aufwendigen Blogbeitrag geschrieben, ich habe diverse Finanzangelegenheiten erledigt. Ich habe meine Steuer angefangen und bin Dokumenten hinterhergehechtet. Ich habe meiner Kollegin geholfen ihre Steuern zu machen, da sie schlecht deutsch spricht. Zwei jahre Steuern. Ich habe mich um meinen Vertragsabschluss gekümmert, ich habe meinen Gutachtern meine Arbeit gebracht. Ich habe auch endlich wieder mit Leuten telefoniert die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Ich habe auch eine Jobmesse besucht. Meine Mitbewohnerin zieht um und sie hat in den letzten Wochen viele neue Mitbewohn-Anwärterinnen eingeladen. Meine Oma hat Krebs und ich sorge mich und versuche meine Mutter soweit es geht zu unterstützen, wenn auch seit Ostern wieder „nur“ psychisch als mit Rat und Tat. Ich hab diverse Arzttermine gehabt und da noch Stress mit einem Rezept. Meine ehemalige Abteilung schreibt mich an wegen Kram, wegen Abschieden und wegen „meld dich mal wieder“. Auch wegen Ihnen war ich auf Achse.

Kurzum, ich habe keinen Urlaub gemacht.

Ich wusste im Januar, dass der April stressig wird, aber eigentlich weil ich dachte, ich wäre dann schon in Prüfungsvorbereitungen. Und ich wusste, dass mein Vater Geburtstag haben würde. Also erstellte ich bereits im Januar mein Fotobuch. Aber ich bestellte es noch nicht, da meine Schwestern es sich ansehen sollten.

Jetzt habe ich vergessen es zu bestellen. Der Geburtstag ist am Wochenende. Und ich möchte heulen.

Der eine Mensch, der in all dieser Zeit IMMER und ohne jeden Kompromiss mir zur Seite stand, der mir all das ermöglicht hat, weil er sagte, dass Bildung wichtig ist, dass Forschung wichtig ist. Den einen Menschen habe ich vernachlässigt. Und ich fühle mich furchtbar.

Und wenn ich dann sage: Passt auf, ihr werdet in der DA Dinge vernachlässigen. Ihr werdet Menschen vernachlässigen. Dann ist nicht die Zeit mir unter die Nase zu reiben was ihr alles geschafft habt. Das habt ihr fein gemacht. SCHÖN, dass ihr nicht so hundsmiserable Töchter seid wie ich. TOLL, dass ihr nebenher 10 Kinder und 2 Bauerhöfe versorgt habt. PRIMA, dass bei euch alles wunderbar geklappt hat.

Wirklich.