Von Scham, Akzeptanz und dem Respekt

Ich habe heute den Beitrag von Robin gelesen. Und danach alle anderen 3 dazu. Die Beiträge über #fatshaming. Wie das halt heißt. Ich finde den Beitrag gut, aber den Begriff genauso panne, wie wenn man „refugees“ sagt statt „Flüchtlinge“. Aber was weiß ich denn.

Ja. Also. Robin beschreibt da ziemlich genau meine Geschichte. Gemobbt, gehänselt, unter anderem weil ich immer etwas kräftiger war. Bis zur 7. Klasse wog ich wahrscheinlich in etwa 5 kg mehr als der Durchschnitt. Ich war dafür immer sportlich. Meine Mutter und meine Schwester setzten mir allerdings genauso zu wie meine Klassenkameraden. Bei einem legendären Geburtstag sagte meine Schwester zu mir “ Friss nicht so viel, du wirst zu fett!“. Vor allen Freundinnen. Das war vielleicht… das war auch die Zeit unseres Umzugs. Und ich war, als Neuling, besonders das Ziel von Mobbern. Und den Schmerz durch das Mobben und den Schmerz der Trennung von meinen Freundinnen bekämpfte ich mit Schokolade.

Wie Robin versuchte ich, teilweise sehr radikal, abzunehmen. Und ich glaube, ich bin vielleicht sehr, sehr knapp an einer Essstörung vorbeigerauscht. Ausgerechnet durch mein Auslandsjahr in Amerika lernte ich, richtig zu essen. Ich war sehr schlank und machte viel Sport. Meine Gastmutter kochte jeden Tag frisch. Sie hat Diabetes und erklärte mir, dass ein Essen aus Protein, Stärke und Gemüse zu bestehen habe. Ich wusste das nicht. Meine Mutter kochte zum Mittagessen oft Ravioli, Pfannkuchen oder Nudeln. Ich mochte ja auch dieses Dampfkochtopfgemüse nicht, dass die Alternative gewesen wäre.

Egal. Ich habe sehr viel von diesem „Fatshaming“ mitbekommen. Und jedes Mal, wenn es wieder besonders schlimm war begann ich – ja – zu essen. Ich wollte das nicht. Das war meine Art, die Beleidigungen zu schlucken. So überstand ich die Oberstufe und auch das Bachelorstudium. Diverse Verletzungen an meinen Füßen taten ihr Übriges, denn ich konnte keinen Sport mehr machen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Eltern und Freunde im Unrecht waren, wenn sie mich auf mein Gewicht hinwiesen. Das Problem war, dass sie mich damit verletzten. Und zwar immer wieder auf’s Neue. Jeden einzelnen Tag. Es ging soweit, dass es sogar beim Weihnachtsessen passierte.

Ich bin Biologin. Zu dick sein ist nicht gesund. Zu hohe Kalorienzufuhr ist nicht gesund. Das ist richtig. Daher ist #FatAcceptance genauso falsch. Genauso mies. Es ist eine Lüge. Dicke sind nicht toll weil sie dick sind, haben schwere Knochen und schlechte Gene. Sie sind einfach krank! Entweder man futtert aus einem psychologischen Grund so viel, oder weil man nicht richtig mit Essen umzugehen gelernt hat. Und beides kann zu einer Spirale führen, beides begünstigt sich wieder gegenseitig. Das bedeutet nicht dass sie nicht liebe, nette Menschen sind, mit Gefühlen, genauso wertvoll und wichtig wie jeder andere auch.

 

Das Problem ist, dass beides, Shaming und Acceptance, falsch ist. Und das es etwas bezeugt, was immer öfter passiert. Menschen gehen mit sich selbst und anderen respektlos um. Sie arbeiten, rauchen, trinken und futtern sich in eine Volkskrankheit und ein jeder zeigt mit dem Finger auf die anderen. Selbstgerechtigkeit, auf beiden Seiten.

Lasst doch mal Platz für eure Fehler. Und lasst doch mal Platz für die Fehler von anderen.

Wer ohne Sünde sei…

 

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Es ist schlicht nicht nötig einen dicken Menschen auf sein Dicksein hinzuweisen. Als wäre es ihm all die Jahre nicht aufgefallen. „Huch, ich bin dick. Danke, dass du es mir gesagt hast. Ich dachte schon die der Türdurchgang wäre einfach schmal.“

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