Baywatch

Diese Situation hat wahrscheinlich andere Hintergründe als sie den Anschein hat. Ich will aber den Anschein erzählen, denn der amüsiert mich. Ich bitte darum, dies als Zuspitzung, als Glosse, zu lesen, nicht als faktischen Bericht. Wenn sich auch alle konkreten Aktionen genau so zugetragen haben.

Mein Ruder-Coach sieht verdammt gut aus. Das ist nun einmal so. Er ist nicht sonderlich groß, aber wie alle Ruderer nunmal breitschultrig im Vergleich zu einer eher schmaleren Hüfte und trainierten, aber nicht überdimensionalen Beinen. Nicht nur ich sehe das, auch meine weiblichen Ruderkolleginnen sind davon sichtlich angetan. Und ja, ich schaue mir das gerne an, wenn sich ein muskulöser Körper unter einem hellen Trainingsshirt abzeichnet. Es ist eine ästhetische Ansicht und ich finde sowas eben schön.

Ich weiß nicht, ob er damit kokettiert. Ich bin was Flirterei unglaublich schwer von Begriff, man(n) könnte da auch mit einer Steinstatue reden. Er ignoriert mich größtenteils, sowie im Boot als auch am Land und mir ist das schnuppe.

Es gibt aber zwei Damen, die mit ihrer Begeisterung nicht hinter dem Zaun halten. Sie sind ebenso verdammt gutaussehend. Groß, lange Beine, hellbraune Haare, sanduhrförmig. Die eine hat mit ihren mandelförmigen Augen einen leicht orientalischen Touch, die andere kommt mit ihrer sportlichen Art locker und natürlich rüber. Nicht die Art von Frau die ich persönlich attraktiv finde, aber beide sind bildhübsch.

Diese beiden Damen suchen gerne das Gespräch mit dem Coach. Sie nutzen viele Gelegenheiten dazu und versuchen auch, in dem Boot zu landen, dass er steuert. Oder er setzt sie mit Absicht da hinein. Was weiß denn ich.

Heute waren wir zu sechst. Ich stieg mit drei Herren in den Rennvierer. Die beiden Damen entschieden sich für den Zweier, auch wenn sie sich dabei deutlich unsicher gaben. „Was machen wir denn wenn wir reinfallen?!“

Wir zogen im Rennvierer davon und waren gerade zum Beginn des nächsten Kurses wieder am Steg. Als wir anlegen kommt uns der Coach im Kajak entgegen. Oben ohne, leicht glänzende, schweißnasse Haut. „Habt ihr den Zweier gesehen?“

Nein, haben wir seit dem Ablegen nicht mehr.

Der Coach paddelt im Kajak davon.

Und nun kommt die eigentliche Situation, die ich damit einleiten musste.

Da, der Retter, er zog aus, die gekenterten Mädchen zu suchen. Das Kajak rast stromabwärts, sucht den Zweier auf sechs Kilometern Neckar. Die Mannschaft und ich schauen uns an. „Joah, der ist dann mal mit unseren Spintschlüsseln abgezogen, ne?“, sage ich.

Also stehen wir selbst am Ufer, überlegen wo wir den Zweier das letzte mal sahen.

Das Kajak kommt, gerade noch so sichtbar, unter der nächsten Brücke zum halten. Der Zweier taucht hinter dem Pfeiler auf. Die beiden Damen fahren einen Zickzackkurs, kommen dann zum stehen. Es scheint einen kurzen Austausch zu geben, dann fahren sie wieder los. Kreuzend wie ein Segelschiff. Das Kajak begleitet sie eine Weile. Dann wird der Coach offensichtlich ungeduldig und fährt wieder Richtung Steg.

Man sollte dazu sagen, dass ein Zweier, noch dazu ein Rennzweier, deutlich bessere Hebelwirkung hat als ein Kajak. Es kommt natürlich ganz auf den Fahrstil an, aber egal. Ich will damit die Mädels nicht ob Ihrer Ruderkünste abwerten, sondern nur die mir ersichtliche Absurdität beschreiben.

Der halbnackte Coach kehrt also zum Steg zurück. Vom wilden Paddeln nass gespritzt, in den Haaren glänzende Tropfen Neckarwasser, kehrt er unverrichteter Dinge heim. Ein Baywatch-Star ohne Geretteten, ein Fischer ohne Fang.

„Sie haben PAUSE gemacht.“ Der Coach schüttelt den Kopf. Etwas leicht verächtliches ist seiner Stimme schon abzugewinnen. Die beiden hatten offensichtlich die Zeit aus den Augen verloren.

Wir beginnen sofort zu scherzen. Ob sie wohl an der Neckarwiese ausstiegen, auf ein Bier und eine Bratwurst bei den Grillflächen? Genossen sie den Ausblick unterhalb des Schlosses?

Die Mannschaft ist amüsiert.

Der Spintschlüssel lag übrigens die ganze Zeit am Steg.

Es gibt keine Moral von der Geschichte, ich finde sie nur schön und nunja, ein bisschen Erotik kann an diesen heißen Tagen nun auch nicht schaden.

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