Monat: März 2016

Vom Beten für #Brüssel

Nach den schrecklichen Bombenangriffen auf Brüssel tauchte wieder ein Hashtag auf. Es war mal #prayforParis, nun ist es #prayforBruessel.

Und gleichzeitig beschweren sich wieder einige, dass Beten ja nichts helfen würde und es bescheuert wäre, dies nun zu unterstützen. Und dass Menschen nun, in diesem Moment, nichts besseres zu tun haben, als sich über einen Hashtag aufzuregen ärgert mich, als hätte ich auch nichts besser zu tun.

Und so suchen wir immer Dinge, an denen wir unseren Frust und unsere Hilflosigkeit abreagieren können.

Noch andere verbreiten übrigens die ausländerfeindlichen Reaktionen von AfD und der Rechtsaußen-CDU, weil sie sich darüber aufregen. Danke vielmals.

 

Aber nun zum Beten. Schon bei Paris fand ich es abscheulich, dass dort das Beten so verunglimpft wurde. Warum? Der Vorwurf ist ja, es würde niemandem helfen, wenn man zu einer imaginären Person beten würde.

Ist das so?

Ob durch mein Gebet ein Mensch weniger leidet, dass lässt sich nicht beweisen. Die theologische Frage dazu ist übrigens: Wenn Gott Leid sowieso zulässt, ist ein Gebet dann die richtige Währung es zu verringern? Tauschen wir Gebete gegen Leid? Oder sollten es nicht unsere Worte zu anderen Menschen und unsere Taten an anderen Menschen Leid ganz konkret verringern? Zugegeben, Gebete an Gott die „Hilf den armen Menschen in Brüssel“ enthalten, würde ich als Gott doch sagen: „Hilf DU Ihnen!“ Denn im Grunde ist es nichts anderes, als würde ich mich bei Gott beschweren, IHN beschuldigen.

Nein, zu beten das Gott für uns etwas tut, was unsere Aufgabe wäre, das ist wenig hilfreich. Hier ist es wirklich eine Frage des Glaubens, ob Gott einschreitet.

Aber trotzdem verteidige ich das Beten. Und zwar ganz logisch. All das Schlimme was gerade passiert, die Probleme der fliehenden Menschen, das Keimen und Fruchten rassistischen Gedankenguts, die Anschläge, der Krieg, die lassen uns hilflos werden. Wir stehen da und wissen nicht was zu tun ist. Und so suchen wir Nebenkriegsschauplätze. Wir beschuldigen andere. Wir lenken die Aufmerksamkeit nach außen, um die Hilflosigkeit nicht spüren zu müssen. Wer beschäftigt sich schon gerne mit seiner eigenen Angst?

Aber wer betet, wer richtig betet, der beschäftigt sich mit sich selbst. Der gibt zu: „Ich habe Angst, ich fühle mich alleine, ich bin so hilflos, wenn ich all das Leid sehe.“

Und ob Gott nun imaginär ist oder nicht, das Bild was wir von Gott haben, unsere Vorstellung von ihm, die ist da, egal ob Gott existiert oder nicht. Sie spendet Trost, sie ist die Personifizierung von Liebe. Gläubige haben der Liebe in sich, dem Mitgefühl, der Hoffnung einen Namen gegeben. Für sie ist sie Gott. Und wenn sie in sich gehen wollen um Liebe, Mitgefühl und Hoffnung zu suchen uns zu finden, dann lasst sie das tun.