Monat: Juni 2016

Wo sind die Frauen?

Männer sollen nicht so verweichlicht sein und Frauen besser beschützen. Und linke Männer sind besonders verweichlicht. Und bitte, liebe Männer, wenn ihr in der Nacht hinter einer Frau auf der Straße geht, wechselt doch die Straßenseite damit sie sich wohlfühlt.

Solche Thesen habe ich in den letzten Tagen gelesen und… gelinde gesagt stoßen sie mir alle sauer auf. Ich meine, was bei allen neun Höllen fährt in Leute, die fordern, Männer müssten Frauen beschützen? Welcher Feminismus ist das? Das ist doch purer alter Chauvinismus sonder gleichen. Würde dort stehen „Jeder sollte Menschen in Not helfen“, ja immer, keine Fragen. Da steh ich dahinter. Zivilcourage, bitte! Aber bitte von allen und für alle.

Ein weiser Mensch sagte mir mal, dass man andere Leute nicht ändern kann. Man kann nur sich selbst ändern. Demnach sind die Forderungen nach gesellschaftlichen Veränderungen schön und gut, aber sie predigen nur dem Chor, jenen die eh schon sensibilisiert sind. Ich kann nach neuen Gesetzen rufen, aber ich kann das Verhalten von Menschen damit nicht beeinflussen. Denn Verbrecher(innen) sind immer jene Menschen, die Gesetze – und damit gesellschaftliche Normen – brechen. Ich kann vielleicht dafür sorgen dass die Menschen bestraft werden und vielleicht, mit viel Glück, erkennen sie durch diese Strafe ihr Fehlverhalten. Aber ändern werde ich sie nicht. Das können sie nur selbst.

Ich besuche seit Anfang des Semesters den Uni-Kurs für Krav Maga. Krav Maga ist die härteste Selbstverteidigung die man sich so vorstellen kann. Es reicht schon, drüber nachzudenken, dass diese Art der Selbstverteidigung vom IDF gelehrt wird. In der ersten Stunde waren über 100 Leute da. Ein großer Teil davon waren Frauen. Vor der ersten Stunde in der Umkleide hörte ich Sprüche wie „Ja, man muss sich als Frau heute ja zu wehren wissen“ und „Ich wurde neulich schon wieder von jemandem angesprochen, der einfach nicht wegging.“

Interessanterweise waren die Sprüche nach der Stunde anders. Krav Maga sei zu anstrengend, zu gewalttätig und überhaupt, sei es ja ihr Recht, nicht angegriffen zu werden, so wäre es doch das einfachste. Einfach den bösen Männern beibringen, nicht zu vergewaltigen. Dann muss man sich als Frau auch nicht zu verteidigen wissen. Von den über 100 Leuten sind jetzt am Ende des Semesters noch 30 übrig, davon sind vielleicht 8 Frauen dabei. Keine von den Sprücheklopfern.

Ja, verdammt nochmal, es ist mein Recht, körperlich unversehrt zu bleiben. Trotzdem: Verbrecher interessieren sich nicht für meine Rechte. Es sei denn sie kommt mit Schmackes gegen ihreSchläfe.

Dies ist keine Forderung, sondern ein Hilferuf: Liebe Frauen, probiert eine Kampfsportart oder eine Selbstverteidigung aus. Sucht euch eine die Spaß macht und betreibt sie eine Weile ernsthaft. Wirklich, es wirkt wahre Wunder. Ihr fühlt euch sicherer, auch wenn sich an eurer Umgebung ja gar nichts ändert. Wenn ein Mann hinter euch geht, dann geht der höchstwahrscheinlich einfach zufällig auch auf dieser Straße. Das mag passieren. Auch nachts. Ihr werdet lernen, Situationen einschätzen zu können, ihr werdet Selbstvertrauen haben und ihr werdet nicht auf die Gnade oder die Hilfe von anderen Menschen angewiesen sein.

Nein, stattdessen könnt ihr sogar selbst helfen. Ich sehe vollkommen ein, dass nicht jeder für Kampfsport geboren ist. Eventuell sind auch körperliche Probleme im Weg. Ich fände es aber schön, irgendwann einem Menschen in Not, der sich selbst aus welchen Gründen auch immer nicht zu helfen weiß, helfen zu können.Andere um Anpassung an neue Spielregeln zu bitten ist ein freier Wunsch. Aber ich habe das Recht, die Einhaltung meiner Rechte einzufordern. Ist das nicht Emanzipation?

 

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