Gedanken

Damenwahl

Ich jammere selten über Sexismus. Glaube ich. Heute muss ich das mal.

Ich bin jetzt seit Anfang des Jahres beim Kickboxen. Im Sommer habe ich, weil Kickboxen ausfiel, zu Muay Thai gewechselt. Das ist sehr ähnlich, nur dass man noch mehr Möglichkeiten hat, weil man auch Knie und Ellenbogen einsetzen kann. Jetzt wo das Semester wieder begonnen hat mache ich beides: Muay Thai und Kickboxen. Beides basiert aus einem Aufwärmtraining von etwa 30 min und dann 1-1,5 Stunden Partnerarbeit. Im Kickboxen nimmt man sich meistens einen festen Partner der die ganze Zeit gleich bleibt. Im Muay Thai werden die Partner während des Trainings gewechselt.

Beim Kickboxen habe ich, bis auf wenige Ausnahmen, nur mit Frauen trainiert. Meistens wurde ich von ihnen gleich angesprochen. Das eine mal, als ich mit einem Mann trainiert habe, hat dieser extrem feste aber oft schlecht gezielte Tritte und Schläge ausgeteilt. Das kann gefährlich werden, denn wenn man eine Pratze hochhält oder damit den Bauch schützt hat man kaum Deckung.

Im Muay Thai musste ich zwangsweise lernen, wie es ist mit Männern zu trainieren. Ich war nämlich fast die ganzen Ferien die einzige Frau. Nur 2-3 mal waren andere Frauen da. Es gab meistens ein Rundensystem. Einer der Trainingspartner ging weiter zum nächsten, so das jeder mit allen trainierte. Die Guten mit den Schlechten, die Großen mit den Kleinen. Der große Unterschied bei den Männern war, dass sie weniger lamentierten. Es wurde nicht fünfmal nachgefragt wie denn nun die Übung sei und geschaut wie die anderen es machten. Es wurde nicht erst nochmal darüber geredet, es wurde einfach gemacht. Ich mag das ja. Ich kühle schnell aus und ich habe einen adaptiven Puls. Wenn ich ne Minute nichts mache bin ich wieder im Normalbereich. Aber ich will ja schwitzen! Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Männer sich zurückhielten wenn ich mit Ihnen trainierte. Sie behandelten mich aus meiner Perspektive normal. Auch ich musste mich nicht zurücknehmen. Ich kann sehr hoch und sehr kräftig treten – mir macht das auch Spaß mich da volle Kanne reinzuwerfen. Ich bin dabei auch sehr treffsicher.

Es hat sich jetzt mit dem Semesterbeginn alles geändert. In alle 3 Kurse die ich besuche kommen nun bedeutend mehr Leute. Vielleicht 5 mal so viele. Davon ist nur 20% schon länger dabei. Die Trainerinnen müssen sich deutlich mehr um die Anfänger kümmern. Es gibt aber auch mehr „Fortgeschrittene“ als im Ferienkurs. Die unerfahreneren Frauen unter den Fortgeschrittenen kletten sich wieder gerne an mich. Mich nervt das, denn sie sind oft auch jene, die dann jammern wenn die Kicks zu hart sind (ich trage 3 cm dicke Protektoren). Und das ewige Gerede, die ewige Unsicherheit – auf die Dauer ist das anstrengend. Die geht auch nur weg, wenn man lernt, dass man auch harte Schläge aushalten kann. Wenn man sich daran gewöhnt, dass einem Protektoren auf Bauch klatschen und Handschuhe auch mal ins Gesicht treffen. Aber es ist jetzt auch unmöglich, beim Partnertausch einen männlichen Trainingspartner auch nur für eine Runde zu bekommen. Man wird ignoriert. Es gibt kein Rundensystem mehr. Die Männer mischen fröhlich unter sich durch und ignorieren mich und die anderen Frauen.

Ich muss übrigens dazu sagen, dass es sehr wohl selbstsichere, erfahrene und nicht wehleidige Frauen im Muay Thai und im Kickboxen gibt. Die haben oft ähnliche Probleme wie ich.

Heute im Kickboxen hatte ich keine Lust mehr. Es gab keinen freien Partner mehr bis auf einen. Ich ging auf ihn zu und fragte nach, ob wir trainieren könnten. „Nee, ich wollte mal fragen ob ich mit denen ne Dreiergruppe machen kann. Du kannst ja mit den Mädels da eine machen.“

„Hast du Angst vor mir?“, fragte ich frech.

„Nee, das ist voll gutes Training, weil man dann abwechselnd immer Schläge und Tritte trainiert.“

Er fragte also zwei Typen ob sie nicht mit ihm eine Dreiergruppe machen wollten. Die beiden Herren sahen mich verwirrt an, ob er denn nicht mit mir Trainieren wollen.

„Die kann ja zu den Mädels gehen“, sagte er.

„Er mag mich nicht“, sagte ich.

Wir entschieden uns schließlich, eine Weile zu zweit zu trainieren. In meinem eigenen Empfinden schlug ich mich nicht schlecht dabei. Er verzog aber keine Miene. Er ließ es ordentlich krachen sobald er an der Reihe war. Schließlich bildeten wir doch eine Vierergruppe und das machte tatsächlich Spaß. Auch wenn ich einen der Männer noch dazu überreden musste, seine Tritte anständig auszuführen, weil er sich sehr offensichtlich zurückhielt.

Es gibt eine Disziplin, da stehen die Männer bei mir komischerweise Schlange. Das Clinchen. Beim Clinchen umfasst der Partner den Kopf und drückt ihn runter. Er hat so volle Kontrolle. Also versucht man, selbst den Kopf des Partners zu umfassen. Es ist, wie man im Verlinkten Video sieht, eine sehr enge, fast intime Technik. Beim Clinchen sollen immer die Neulinge mit den nicht ganz so Neuen trainieren. Und da kommen dann plötzlich die Jungs an.

Ich weiß nicht genau woran es liegt, dass ich keine männlichen Partner mehr zum Trainieren bekomme. Vielleicht liegt es an den unsicheren Frauen, die ungewillt sind mich beim Training zu verlassen um dann gegen einen offensichtlich Stärkeren zu Kämpfen. Vielleicht wollen die Männer sich nicht zurückhalten müssen, weil sie glauben ich würde rumzicken. Oder ich bin zu schlecht. Oder ich wirke mit meinem Übergewicht zu unfit.

Die Trainerin meinte, man müsse da als Frau einfach durch, dass die Jungs einen oft links liegen lassen. Ich werde den tollen Sport sicherlich deswegen nicht aufgeben – schließlich möchte ich damit ja fit werden. Aber ich möchte nicht wieder in Selbstzweifel geraten.

Block dir deine Meinung

In diesem Internet widern mich diverse Dinge an. Ganz klar, wenn jeder ins Internet kann, ist dort die Gesellschaft vertreten, mit all ihren Makeln.

Aber nichts davon kommt mir so nah, wie die Blockkultur. Versteht mich nicht falsch, es GEHT mir nicht nah, aber ich sehe wie es passiert. Und ich bedauere den Prozess.

Blocken ist ein Twitter-Phänomen. Auf Facebook werden einem die Nachrichten von Menschen, mit denen man nicht befreundet ist ja nicht angezeigt. Und Whatsapp und Snapchat sind keine rein asynchronen sozialen Medien.

Und so sind auch Blocklisten ein Twitter-Phänomen. Zum Teil entstanden durch Gamergate sind sie ein Mittel im feministischen Kampf. Und die Idee ist ja auch gar nicht so dumm: Wird man von einem Account bedroht und belästigt, kann man ihn auf eine solche Liste setzen und andere können ihn automatisch blocken. Aber wer entscheidet, was eine Bedrohung ist?

Ich bin offensichtlich eine. Diverse meiner Freundinnen wohl auch. Nur habe ich mit den Accounts die mich Blocken nie interagiert. Vorgeworfen wird mir – das weiß ich aus Screenshots – Feminismus zu hassen. Allerdings fehlt dazu jegliches Statement meinerseits. Es setzt sich wohl aus einer Mischung von meinen oft zynischen Kommentaren und meinen Followees und Followers zusammen. Da hat jemand bestimmt, dass dies bedeutet, dass ich Feminismus hasse.

Manche Menschen nennen dies „Deutungshoheit“, ich nenne es vor allem selbstgerecht. Sich selbst emporheben durch das niedermachen anderer zeugt von schlechtem Stil und schlechter Erziehung. Und durch die Blocklisten entsteht etwas, das keine Filterbubble mehr ist, sondern ein Bunker. Eine Abschottung von jeglichem Input, der einen in irgendeiner Weise eine andere Ansicht aufzeigen könnte.

Was ich an der Wissenschaft liebe ist der Austausch. Das diskutieren über Ideen. Jeder weiß, dass jene die auf ihrem Standpunkt beharren und keine weiteren Meinungen anhören (sie müssen ihnen ja nicht folgen), keine neuen Erkenntnisse sammeln werden. Es gibt zwar jene, die „stur ihren Weg gegangen“ sind, aber das bedeutet ja nicht, dass sie keine anderen Ansichten hörten. Es bedeutet, dass die Idee stark genug war, dich durch den Beschuss hindurch zu tragen, zu schützen. Wer sich aber eingräbt, der kommt nicht weiter.

Genau diese Denkweise habe ich während meiner Doktorarbeit gelernt. Spät erst, aber immerhin. Reden, teilen, diskutieren, austauschen, anerkennen, reflektieren. Dafür gibt es Catchphrases wie „Open Mind“ und „Outside the Box“.

Blocken ist der erste Schritt weg vom „Open Mind“. Es sollte mit Bedacht erfolgen. Wer sich präventiv versteckt zeigt mir persönlich eigentlich nur, dass die vertretene Idee durch meine bloße Existenz bedroht ist. Ich bedauere das. Denn würden wir uns austauschen, würden wir miteinander diskutieren – könnte dann nicht vielleicht eine neuere, bessere, stärkere Idee entstehen? Wäre das nicht eine Evolution der Ideen? Endless forms most beautiful?

Ich denke schon.

Schade, das manche Menschen das nicht zulassen.

Blogstöckchen von @moepern (auch verspätet)

Wie lang waren deine Haare, als du 17 warst?

Ich habe sie, kurz bevor ich Amerika verließ, nochmal ein Stück abschneiden lassen. Sie waren wohl so Schulterblattlänge, vielleicht auch etwas länger. Danach hab ich sie fast nur wachsen lassen, bis meine Mutter mich zum Friseurbesuch verdonnerte, wo eine liebenswerte Tucke mir „Stufen“ andrehte. Lieber Friseure: Aber Schulterlänge sind Stufen für’n Arsch.
Wann (Alter) und warum hast du dich entschieden, das zu studieren, was du studiert hast?

Kann ich gar nicht sagen. Ich wollte alles werden. Polizistin, Tierärztin, Richterin, Ärztin. Und dann hab ich in Amerika ein Herz seziert, diverses Viechzeuch bis hin zu einer Ratte. Das fand ich ziemlich cool. Als ich mich dann irgendwann entscheiden musste wurde es eben Biologie. ^^
Bist du Arbeiterkind, Akademikerkind, Mixed oder was anderes? Hat das Auswirkungen auf dein Benehmen anderen gegenüber oder bist du “Habituschamäleon”?

Meine Mutter kommt aus einer Bauernfamilie vom Dorf, mein Vater ist der Inbegriff des Bildungsbürgertums. Geprägt hat es mich sicherlich. Bildung war bei uns das wichtigste. Das höchste Gut. Da mein Opa im Krieg alles verlor – auch seine Doktorurkunde – brachte er die Familie von damals 3 Kindern zum einen mit seinem Wissen über Pflanzen durch, indem er wusste was essbar war, und einer seiner Kollegen bestätigte seine Person und so konnte er wieder als Chemiker arbeiten.
Republica oder CCC? Oder beides? Oder keines?

Ich war bislang nur auf dem CCC. Es war ziemlich geil. Man riet mir von der Republica ab. Zumal die ja an Arbeitstagen stattfindet. Das finde ich ziemlich bescheuert. Ich würde also den C3 bevorzugen. Wenn man mich mal zu einem Vortrag auf der Republica einläd schau ich mir die auch mal an. 😉

Ich gebe mal weiter an

@vrouwelin,

@nett_

@laiza272,

@horatia_aubrey

@BeckiSchnubiiii

Und zwar mit diesen Fragen:

Was bereust du?

Wenn du ein Comic Charakter sein könntest, welcher wäre es? (Genre egal, aber es muss gezeichnet sein)

Welche Musik hast du vor, während und nach deiner Pubertät gehört? Welches ist die peinlichste Band und mit welcher kann man sich auch heute noch sehen lassen?

Was trägst du als Schlafanzug?

Weil jedes Leben zählt

Mit den neuen Tests ist es einfacher, genetische Krankheiten bereits vor der Geburt zu diagnostizieren. Das stand so heute im Internet.

Wir reden von Töten, wir reden von ungewollten Kindern. Während wir aber verächtlich auf jene blicken, die einen Embryo oder einen Fötus mit Behinderung haben abtreiben lassen schauen wir genauso verächtlich auf jene Kinder, die blieben. Und auf ihre Eltern.

Wir haben keine Inklusion. Wir schieben Menschen mit Behinderung ab, wir sondern sie aus. Überall wird ihnen das Leben schwer gemacht. Ob das nun nicht Behinderten-gerechte Straßenbahnen sind oder Touchscreenautomaten die Blinde nicht bedienen können. Gerade erst haben wir bemerkt dass das falsch ist und gerade erst haben wir begonnen etwas zu ändern.

Ich saß in einer Klasse mit einem Mädchen im Rollstuhl. Sie war/ist sehr nett. Ich habe als ihre Banknachbarin und lange auch Freundin viel von ihrem Leben mitbekommen. Ich weiß, dass sie Tena Lady benutzt hat, wenn der Schultag lang war. Dass sie ihre Hüft-OP auf die Klassenfahrt gelegt hat. Dass sie in Freistunden nicht „mal eben“ dahin konnte wohin sie wollte, weil überall Treppen, Türen, $Hürden waren. Wir hatten keinen Aufzug zu den Fachräumen und mussten sie dort hochtragen. Das sollte ja wohl kein Problem sein? Versetzt euch da einmal in ihre Lage, bitte.

Mein Cousin hat das Down-Syndrom. Er ist ein liebenswerter, toller Mensch. Ich habe ihn sehr gern. Als seine Mutter ihn gebar, hetzte ihr Schwiegervater gegen sie, es sei ihre Schuld. Ihr Mann sagte zu mir mal – in einem anderen Zusammenhang – „Wo kommen wir denn hin, wenn wir unsere eigenen Kinder töten?“. Ja, wo kommen wir dann hin? Und das sagt er, nach über 30 Jahren mit einem Kind mit Behinderung. Während seine jüngeren Geschwister aus dem Haus sind, studieren, die Welt bereisen, braucht mein Cousin dieselbe Zuwendung wie als er fünf war. Und die wird er weiterhin brauchen. Jeden. Einzelnen. Tag.

Denkt da jemand dran? Wer hilft da? Was ist mit dem Leben der Eltern? Was mit dem der Geschwister? Ja, das ist eine provokante Frage. Jeder muss sie für sich selbst beantworten. Mein Onkel und meine Tante haben das bereits.

Vor ca 35 Jahren las meine Mutter eine Anzeige in der Zeitung. „Mutter mit behindertem Kind sucht Freundin.“ Oder so. Sie schrieb die Anzeige, weil sie 24 Stunden am Tag mit der Pflege des Kindes beschäftigt war und keine Zeit hatte andere Mütter kennenzulernen. Meine Mutter beantwortete die Anfrage. Sie sind bis heute gut befreundet. Der Sohn dieser Freundin liegt nur da. Und schreit. Ich weiß nicht genau was er hat. Und nachdem sich diese Freundin endlich von ihrem schlagenden Mann getrennt hat ist sie nun alleinerziehend. Mit drei Söhnen, zwei aus dem Haus, einer wird für immer bleiben. Wer hilft ihr denn?

Ich finde es heuchlerisch, auf Eltern zu hetzen die ein Kind mit Behinderung abgetrieben haben, wenn wir keine Gesellschaft sind die Menschen mit Behinderungen und deren Eltern willkommen heißt.

Kinder mit Behinderungen sind nicht nur die drolligen kleinen Knubbel. Sie brauchen Liebe, sie brauchen Pflege. Sie brauchen Aufopferung. Sie werden mehr als andere Kinder im Krankenhaus sein, mehr als andere Kinder der Missgunst anderer ausgesetzt sein, mehr Probleme haben in allen Bereichen.

Wir könnten da sehr einfach viel ändern.

Wir sollten damit anfangen, nicht zu urteilen.

We can rule you wholesale

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der die Welt besser begreift als Sir Terry Pratchett. Gottseidank wurde er Autor und nicht Staatsmann – die Welt wäre erneut unter britischer Kolonialherrschaft*.

Ich hörte heute durch einen Zufall erneut die Nationalhymne von Ankh-Morpork, die da heißt:

„We own all your helmets, we own all your shoes
We own all your generals – touch us and you’ll lose.“

Ich musste dann doch sehr stark an die Waffenlieferungen denken. Oder daran, wie die USA selbst im mittleren Osten Kriege finanzierten und sich den Terror selbst erschufen. In einer gewissen Weise spielt er diese ewigen Konflikte zweier unversöhnlicher Seiten immer wieder neu zwischen Zwergen und Trollen aus – die selbst nicht mehr wissen wer den Konflikt anzettelte und sich gegenseitig in einen Hinterhalt lockten.

Pratchett nimmt auch immer wieder Bezug auf Rassismus, den er allerdings als Speziezismus bezeichnet. Neben dem Troll-Zwerg-Konflikt gibt es Angst vor den Golems, die den Leuten die Arbeit weggenehmen würden, die Vampire und Werwölfe, die herumlaufen wie „richtige Menschen“ („They walk around like real people!“).

Kulturelle Konflikte werden in Ankh-Morpork meistens über die Zwerge vermittelt. Während die „Deep Downer“ lieber unter der Stadt in Minen und Schächten bleiben gibt es plötzlich moderne Zwerge die sich an die Kultur in Ankh-Morpork anpassen. Und es gibt sogar Zwerginnen! Die Zwerge, die zuvor eine Kultur lebten in der das Geschlecht privat war, sehen sich auf einmal Weiblichkeit ausgesetzt.

Oh. Und natürlich Feminismus. Während in Monstrous Regiment Frauen versteckt an der Front kämpfen zeichnet sich in diversen Büchern (Equal Rites, Making Money) ein mehr oder weniger subtiler Feminismus ab. Überhaupt hat Pratchett ein Faible für starke Frauenfiguren, wie sich an den Hexen-Romanen gut zeigen lässt, in denen Hexen überall ihre Nase reinstecken. Im Grunde sind es aber immer Frauen, die einfach „ihr Ding“ machen, unbeirrt von Konventionen.

Der wütende Pegida-Mob, wie er hier durch die Lande zieht, er könnte aus einem Pratchettbuch stammen. Genau so, eine Ironie ihrer selbst, hätte er sie beschrieben.

 

„The Devil hardly ever made anyone do anything. He didn’t have to.“

 

 

*Wobei Fünf-Uhr-Tee eine sehr gute Erfindung ist.

Schenken und Beschenkt werden

Weihnachten ist die Zeit des Schenkens. Ich schenke gerne. Ich mach mir Gedanken über etwas, was meine Familie oder auch mal gute Freunde, gerne hätten. Ich denke mir eigentlich immer was dabei und ich mag es, dass man mit Weihnachten eine Gelegenheit hat, zu schenken. Ja, man könnte immer mal wieder was schenken. Aber tut man es? Ich kann auch immer wieder mal joggen gehen oder putzen, aber beides mache ich doch lieber wenn ich einen Grund dazu habe.

Jetzt ist das bei meiner Familie nicht so einfach. Meine Eltern haben alles was sie brauchen. Ein Haus, hübsch eingerichtet, mit allem was man so braucht. Es hat genug Dekoartikel und Bilder im Wohnzimmer, genug Gadgets im Arbeitszimmer und genug Verbrauchsartikel in Bad und Küche. Was also schenkt man?

Erfahrungen und Zeit. Letztes Jahr wünschte mein Vater sich Zeit mit seinen Töchtern und dieses Jahr sind wir mit ihm nach Augsburg gefahren und haben dort ein Wochenende verbracht. Dieses Jahr hat sich meine Mutter das gewünscht. Mein Plan war, meinem Vater zu Weihnachten ein Fotobuch von Augsburg zu schenken, aber meine Schwestern waren schneller und planten mich in ihr Geschenk mit ein. Es wird dann wohl ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Ein kluger Mensch sagte mir mal: „Was am Ende bleibt, sind die Erinnerungen.“ Und diesen Satz halte ich mir oft immer wieder vor Augen. Erinnerungen zu schenken ist mehr wert als andere.

Beschenkt werden ist eine andere Sache. Beschenkt werden ist… komisch. Ich saß eines Weihnachtens unter dem Baum mit einer Geflügelschere, einer Hornhautfeile und einem Sparschäler, zusammen mit einem riesigen, quietschorangen Schlafsack. Ich hätte heulen können. Und ich fragte mich, ob das undankbar war. Ich mache nie Geflügel, ich besitze einen Sparschäler und ich hatte mir sehr explizit einen raumsparenden Schlafsack gewünscht, für meine vielen Reisen.

Ja, war ich undankbar? Wenn ja, was sollte ich nun mit den Geschenken tun, die ich nicht brauchte? Meine Schwester, die den Schlafsack im Auftrag meiner Eltern bestellt hatte, gab eben jenen unter Protest zurück und ich ging in ein bekanntes Outdoorgeschäft in Köln und kaufte binnen 20 min einen neuen. Sie hatte beteuert, die Packmaße und Temperaturen die ich wollte gäbe es nicht. Die Geflügelschere bekam meine Oma, den Hornhauthobel durfte meine Mutter behalten, den Sparschäler behielt ich dann doch, auch wenn ich bereits drei besaß.

Ich habe aber begriffen welche Wünsche meine Eltern von mir wollten. Ein großes Geschenk (~70-100€) und mehrere kleine (5-20€) zum „Auspacken“. Und jetzt bekommen sie jedes Jahr eine Liste mit 2-3 großen Geschenken zur Auswahl und ein paar Büchern und ähnlichen Kleinigkeiten.Das ist ekelhaft pragmatisch für Geschenke. Aber so denken nunmal meine Eltern und ich möchte es ihnen leichter machen.

Jetzt höre ich häufig „Wozu brauchst du das denn?!“ und muss mich rechtfertigen. Ich muss sowieso oft beantworten, weswegen ich nun etwas kaufe oder nicht.

Aber das sind halt Eltern.

Achso, ja, das ist natürlich unglaublich hohes Niveau auf dem ich da jammere. Verzeiht, aber das tue ich ja meistens. Den größten Wunsch erfülle ich mir ja selbst. Der zweitgrößte – mal ein paar Tage Ruhe mit der Familie – der steht noch aus.

T-4

Wettern dass…?

Ich habe erst spät zu der heutigen Sendung „Wetten dass“ geschaltet. Aber genug um die Tiefen Abgründe dieser Show zu sehen. Ich habe eigentlich schon lange diese Show nicht mehr gesehen, nur die schlechten Kritiken über Lanz gesehen. Und sie scheinen alle wahr.

Da fragt dieser Lanz den vor drei Jahren in eben dieser Show verunglückten Samuel Koch, der seitdem vom Hals abwärts gelähmt ist, ob er denn dieser Sache etwas Sinnhaftes abgewinnen kann. Lanz wirkte schon vorher extrem überfordert mit der Situation, fragte Koch zweimal wie es ihm nun ginge und, nachdem er schon angekündigt hatte, Koch habe lange über einen Besuch in der Show nachgedacht, fragt er ihn nochmal danach.

Koch antwortete souverän. Er musste das letzte Mal etwas verfrüht weg, er hatte einen etwas steifen Nacken. Und er konnte sich nicht von allen richtig verabschieden.

Und nun die Frage, ob er in seinem Unfall etwas Sinnhaftes sähe. Und tatsächlich: Koch hat sich engagiert. Er hat gekämpft. Er ist Schauspieler geworden. Er will Vorbild sein. Und das macht ihn zu einem tollen, faszinierenden, starken Menschen. Ich bin beeindruckt.

Aber mit Verlaub, ich glaube nicht dass der Unfall an und für sich dafür gedacht war. Dass der Unfall den Sinn hatte, ihn zu einem Vorbild zu machen. Nein, der Unfall ist passiert. Und dann hat Koch ihm den Stinkefinger gezeigt und gesagt „Fuck You, ich mach trotzdem was Tolles mit meinem Leben!“

In dem Buch „Die Hütte“ schreibt William Paul Young sinngemäß: „Es gibt kein Gut und Böse. Dinge geschehen. Ob sie gut oder böse sind, bestimmen wir selbst darin, wie wir sie wahrnehmen.“ Für mich war das immer ein sehr wichtiger Satz.

Wir müssen die Dinge hinnehmen, die wir nicht ändern können.

Wir können dem Leid einen Sinn geben, wenn wir das wollen

Dann wachsen wir daran.

T-7

Mein kleiner Kommentar zu @Glaubenssache

Die Laborarbeit ist eine gute Gelegenheit, um Podcasts zu hören. Ich höre zwar schon seit ca 7 Jahren Podcasts, aber seitdem es mit den iPodTouch Geäten (oder den Smartphones) möglich ist, Podcasts on the Go herunterzuladen hat es wirklich stark zugenommen.

Gerade begann ein neuer Podcast, in dem sich Alex Hoaxmaster Waschkau und Eduard Habsburg über Religion und Ethik unterladen.

Ich mag das. Ich mag Philosophie, Ethik und ja, auch Religion. Gerade Biologie stößt heute immer wieder an ethische Grenzen. Und um die Ethik zu verstehen braucht man auch ein biologisches Wissen.

Wann zum Beispiel ist ein Mensch tot? Diese Frage war vor 100 Jahren sehr einfach. Keine Atmung, kein Herzschlag. Heute haben wir den Hirntote: Atmende Menschen, mit Herzschlag – aber sie sind tot und wir hätten gerne ihre Organe um andere Menschen zu retten. Und so operieren Ärzten an lebenden Körpern, nehmen ihnen das Herz aus der Brust und geben es anderen. Wir wissen, das hirntote Menschen tot sind. Doch für die Ärzte die operieren und nicht zuletzt die Familien ist das etwas ganz anderes.

Noch viel schwieriger ist es zu entscheiden wann ein Mensch lebt. In der ersten Folge Glaubenssache sagt Alex, dass für Eduard Stammzellen Leben seien. Mir juckte es da furchtbar in den Fingern. Es geht mir hier um die Terminologie, die aber wichtig ist zum Verständnis der Sache an sich. Es geht nicht darum ob embryonale Stammzellen Leben sind. Natürlich leben sie! Meine Hela-Zellen, meine Brustkrebszellen, meine embryonalen Nierenzellen: Sie tun es ebenso! Die Eizellen, die Spermien: Sie beide leben ebenso, wie das befruchtete Ei. Die wichtige Frage ist: Wann ist es ein Mensch?

Ich bin mir sehr sicher, dass Eduard das so meint. Ich muss es nur für mich irgendwo richtig gestellt haben und vielleicht liest er das hier und nickt. Die katholische Kirche hat in ihrem Konservativismus etwas begriffen das wir verdrängen weil wir es bereits haben: Menschliches Leben ist kostbar und schützenswert. Die Frage ist aber: Bis zu welchem Preis. Und wenn wir drohen es zu verlieren, wie weit gehen wir dann?

Nur eine von drei befruchteten Eizellen wird zu einem Kind heranwachsen, weil einfach noch so viel schief gehen kann – ganz ohne Zutun von Außen. Deshalb werden bei künstlicher Befruchtung einer Frau auch gleich mehrere Embryonen eingepflanzt. Es werden überhaupt schon mehere Embryonen „hergestellt“. Der Überschuss wird meines Wissens eingefroren. Und wohl nie wieder aufgetaut. Auch so eine ethische Frage.

Etwas anderes das Eduard erwähnt ist NFP, natürliche Familienplanung. Ich hielt das früher für bescheuert, ich weiß heute, dass es tatsächlich hochwissenschaftlich ist. Und nebenwirkungsfrei. Tatsächlich ist die Eizelle der Frau nach dem Eisprung nämlich sehr schnell nicht mehr befruchtungsfähig und wenn man diesen Zeitpunkt sehr genau bestimmen kann ist diese Methode so sicher wie andere Verhütungsmittel. Sich bei der Familienplanung auf den Zyklus der Frau zu verlassen verlangt unglaublich viel Respekt und Vertrauen. Ich kenne aber mittlerweile mehrere Paare die sich darauf verlassen, niemand davon ist streng katholisch.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass Sex eben schon lange nicht mehr hauptsächlich der Fortpflanzung dient. Er festigt viel mehr die Bindung zwischen den Partnern, die nunmal eine wichtige Grundlage für das gemeinsame Aufziehen -und eben nicht primär der Entstehung- von Kindern ist. (Ich meine das evolutionsbiologisch, Evolution erfordert Nachkommen, Paare ohne Kinder können sich aber sicherlich ebenso eine bessere Bindung für andere gemeinsame Projekte erhoffen.) Gerade erst waren katholische Ehepaare bei Bischöfen (ich weiß nicht genau welche Kongregation das nun schon wieder war) und erzählten ihnen etwas von Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Ich bin gespannt was da jetzt noch passiert.

T-9

Passend zu dem heutigen Thema und eine Brücke schlagend zur tickenden Uhr von schwierigen Projekten heute etwas was ich gestern zusammen mit meinem Chor gesungen habe. Eines des schönsten Adventslieder, wie ich finde.

Nachfolgedegeneration

Dieser Begriff huschte heute dank eines Verlesers der lieben Frau @moepern durch meine Timeline.

Ich hatte sofort Assoziationen damit.

Als ich damals meine Bachelorarbeit schrieb, war ich in Schottland. Ich hatte die Arbeit dort schon verteidigt und musste sie nun noch auf das deutsche System umformatieren. Viele Vorgaben gab es dort nicht, aber die Bachelormutter die ich mir aufgrund des Themas ausgesucht hatte war besonders streng. Ich holte mir bei einem Kommilitonen der auch seine Arbeit bei ihr schrieb ein paar Infos wie sie die Arbeit denn gerne hätte und er bekam wohl Anschiss dass er mir das sagte.

Ich versuchte mich so gut es ging an die Regeln zu halten und musste schließlich die Arbeit zur Korrektur per Post zu ihr schicken. Per Post. Ich bekam zwischendrin noch einen Nervenzusammenbruch, weil sie schrieb ich solle die Arbeit mit einer Büroklammer tackern. Man kann mit Büroklammern aber nicht tackern. Und 100 Seiten kann man sowieso nicht tackern. Ich ging also extra nochmal los um eine Heftklemme zu kaufen. Und dann schickte ich die Arbeit per Einschreiben für ca 10 Pfund nach Deutschland.

Ich hörte zwei Monate lang gar nichts. Ich wurde schon richtig verrückt. Der Abgabetermin rückte näher und sie hatte mir die Arbeit noch nicht wiedergegeben. Als ich nachhakte sagte sie, ich könnte die Arbeit wahrscheinlich am Freitag, 11 Tage vor Abgabe, abholen. Ich sagte einen Termin ab, auf den ich mich wahnsinnig gefreut hatte, für den ich schon Zugtickets hatte und wartete. Sie meldete sich erst Mittwoch ich könne am nächsten Tag bei ihr vorbeikommen und die Arbeit abholen und sie würde erhebliche Mängel aufweisen und wie mir überhaupt einfiele so etwas einzureichen. Und es hätte überhaupt nur so lange gedauert weil sie ja so viel korrigieren musste.

Ich sollte dazu sagen, dass ich nach meinem Auslandsaufenthalt nicht mehr in meiner eigentlichen Studienstadt sondern 2 Zugstunden entfernt wohnte. Ich fuhr also morgens um 7 los um einen Termin um 10 wahrzunehmen bei dem sie mich erstmal eine halbe Stunde anschrie. An. Schrie.

„IST DAS BLOCKSATZ? DAS IST KEIN BLOCKSATZ!!!!“

„RECHTSBÜNDIG! DAS SOLL RECHTSBÜNDIG SEIN!!!!“

„NUR 40 REFERNZEN??? SIE BRAUCHEN MINDESTENS 100!“

Der Geübte merkt schnell: Ich bekam keine fachliche Kritik. Ich wurde niedergemetzelt und meine Arbeit zerrissen – wegen Kleinscheiß. Nicht ein einziges Mal sagte sie etwas gegen die Ergebnisse, gegen meine Diskussion, gegen meine Ausarbeitung. Aber sie strich mir über 10 Seiten hinweg an, dass meine Kopfzeilenüberschriften nicht rechtsbündig waren. Als würde man dies auf jeder Seite neu einstellen. Als hätte ich dies jedes Mal neu für einen persönlichen Affront gegen sie so eingestellt. Sie ging die Referenzen auf Tipp- und Formatierungsfehler durch, die durch die Umwandlung vom schottischen zum deutschen Format passiert waren. Und jeder einzelne wurde angeprangert wie der Mord ihres Lieblingshaustiers.

Nach der Tirade puren Hasses sagte sie. „So, dann halten Sie jetzt ihren Probevortrag.“

Ihr könnt es euch vorstellen. Das Häuflein Elend das ich war, begann ich meine Powerpoint Präsentation zu öffnen und kläglich die ersten Sätze zu formulieren. Zum Glück hatte ich diese Präsentation bestimmt 50 mal geübt. In Schottland stand ich vor meinem Laptop, und hielt diesen Vortrag. Immer wieder. Ich hatte meine Kuscheltiere und das Familienfoto in Reihe davor gestellt um Publikum zu haben. Der Vortrag saß.

Und es war der linke Haken, den die Bachelormutter nicht erwartet hatte.

Sie machte noch ein paar Anmerkungen bezüglich Textgröße und meinte, nicht ohne noch einmal einen schneidenden Tonfall aufzulegen: „Diese Übersichtsfolie können Sie lassen. Sie halten den Vortrag nicht vor einem Kindergarten. Wir wissen, dass nach der Einleitung der Methodenteil kommt.“

Und dann schrieb ich von Donnerstag bis Montag durch. Ich stoppte nur um Kaffee zu trinken und ein oder zwei Stunden zu schlafen. Ich fügte relativ wahllos Referenzen ein, ich ging jede winzige Formatierung durch. Immer und immer wieder. Es war ein Szenario von Heulkrämpfen, Wutanfällen und apathischem ins Leere starren.

Und am Ende gab ich ab. Und ich hielt den Vortrag. Und ich beantwortete alle Fragen.

Ich glaube, in meiner gesamten Laufbahn habe ich, hm, genau einen Prof getroffen, denen die Studenten am Herzen lagen. Das merkt man am Unterricht, das merkt man am Verhalten. Mit diesem einen sind wir als Exkursion in ein Brauhaus und haben mit ihm Kölsch getrunken.

Für alle anderen war ich ein nerviges Gehirn am Stock. Wirklich Wissen vermittelt haben fast nur die Tutoren. Und auch die nicht immer.

Es geht mir dabei gar nicht um Samtpfoten. Es geht mir um Respekt. Und es geht mir um eine forschungsunabhägige Lehre.

Wissen vermitteln ist nicht einfach. Unsere Lehrer bilden wir 5 bis 6 Jahre dafür aus. Professoren machen das nebenher oder stellen unwillige Doktoranden dafür ab. Die das zusätzlich zu ihrer Arbeit machen.

Und so degenerieren diese Gehirne an Stöcken. Sie wollen nicht mehr in die Forschung.

Sie wollen Menschen sein.