Geschützt: Gerade bleiben

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Block dir deine Meinung

In diesem Internet widern mich diverse Dinge an. Ganz klar, wenn jeder ins Internet kann, ist dort die Gesellschaft vertreten, mit all ihren Makeln.

Aber nichts davon kommt mir so nah, wie die Blockkultur. Versteht mich nicht falsch, es GEHT mir nicht nah, aber ich sehe wie es passiert. Und ich bedauere den Prozess.

Blocken ist ein Twitter-Phänomen. Auf Facebook werden einem die Nachrichten von Menschen, mit denen man nicht befreundet ist ja nicht angezeigt. Und Whatsapp und Snapchat sind keine rein asynchronen sozialen Medien.

Und so sind auch Blocklisten ein Twitter-Phänomen. Zum Teil entstanden durch Gamergate sind sie ein Mittel im feministischen Kampf. Und die Idee ist ja auch gar nicht so dumm: Wird man von einem Account bedroht und belästigt, kann man ihn auf eine solche Liste setzen und andere können ihn automatisch blocken. Aber wer entscheidet, was eine Bedrohung ist?

Ich bin offensichtlich eine. Diverse meiner Freundinnen wohl auch. Nur habe ich mit den Accounts die mich Blocken nie interagiert. Vorgeworfen wird mir – das weiß ich aus Screenshots – Feminismus zu hassen. Allerdings fehlt dazu jegliches Statement meinerseits. Es setzt sich wohl aus einer Mischung von meinen oft zynischen Kommentaren und meinen Followees und Followers zusammen. Da hat jemand bestimmt, dass dies bedeutet, dass ich Feminismus hasse.

Manche Menschen nennen dies „Deutungshoheit“, ich nenne es vor allem selbstgerecht. Sich selbst emporheben durch das niedermachen anderer zeugt von schlechtem Stil und schlechter Erziehung. Und durch die Blocklisten entsteht etwas, das keine Filterbubble mehr ist, sondern ein Bunker. Eine Abschottung von jeglichem Input, der einen in irgendeiner Weise eine andere Ansicht aufzeigen könnte.

Was ich an der Wissenschaft liebe ist der Austausch. Das diskutieren über Ideen. Jeder weiß, dass jene die auf ihrem Standpunkt beharren und keine weiteren Meinungen anhören (sie müssen ihnen ja nicht folgen), keine neuen Erkenntnisse sammeln werden. Es gibt zwar jene, die „stur ihren Weg gegangen“ sind, aber das bedeutet ja nicht, dass sie keine anderen Ansichten hörten. Es bedeutet, dass die Idee stark genug war, dich durch den Beschuss hindurch zu tragen, zu schützen. Wer sich aber eingräbt, der kommt nicht weiter.

Genau diese Denkweise habe ich während meiner Doktorarbeit gelernt. Spät erst, aber immerhin. Reden, teilen, diskutieren, austauschen, anerkennen, reflektieren. Dafür gibt es Catchphrases wie „Open Mind“ und „Outside the Box“.

Blocken ist der erste Schritt weg vom „Open Mind“. Es sollte mit Bedacht erfolgen. Wer sich präventiv versteckt zeigt mir persönlich eigentlich nur, dass die vertretene Idee durch meine bloße Existenz bedroht ist. Ich bedauere das. Denn würden wir uns austauschen, würden wir miteinander diskutieren – könnte dann nicht vielleicht eine neuere, bessere, stärkere Idee entstehen? Wäre das nicht eine Evolution der Ideen? Endless forms most beautiful?

Ich denke schon.

Schade, das manche Menschen das nicht zulassen.

Von Scham, Akzeptanz und dem Respekt

Ich habe heute den Beitrag von Robin gelesen. Und danach alle anderen 3 dazu. Die Beiträge über #fatshaming. Wie das halt heißt. Ich finde den Beitrag gut, aber den Begriff genauso panne, wie wenn man „refugees“ sagt statt „Flüchtlinge“. Aber was weiß ich denn.

Ja. Also. Robin beschreibt da ziemlich genau meine Geschichte. Gemobbt, gehänselt, unter anderem weil ich immer etwas kräftiger war. Bis zur 7. Klasse wog ich wahrscheinlich in etwa 5 kg mehr als der Durchschnitt. Ich war dafür immer sportlich. Meine Mutter und meine Schwester setzten mir allerdings genauso zu wie meine Klassenkameraden. Bei einem legendären Geburtstag sagte meine Schwester zu mir “ Friss nicht so viel, du wirst zu fett!“. Vor allen Freundinnen. Das war vielleicht… das war auch die Zeit unseres Umzugs. Und ich war, als Neuling, besonders das Ziel von Mobbern. Und den Schmerz durch das Mobben und den Schmerz der Trennung von meinen Freundinnen bekämpfte ich mit Schokolade.

Wie Robin versuchte ich, teilweise sehr radikal, abzunehmen. Und ich glaube, ich bin vielleicht sehr, sehr knapp an einer Essstörung vorbeigerauscht. Ausgerechnet durch mein Auslandsjahr in Amerika lernte ich, richtig zu essen. Ich war sehr schlank und machte viel Sport. Meine Gastmutter kochte jeden Tag frisch. Sie hat Diabetes und erklärte mir, dass ein Essen aus Protein, Stärke und Gemüse zu bestehen habe. Ich wusste das nicht. Meine Mutter kochte zum Mittagessen oft Ravioli, Pfannkuchen oder Nudeln. Ich mochte ja auch dieses Dampfkochtopfgemüse nicht, dass die Alternative gewesen wäre.

Egal. Ich habe sehr viel von diesem „Fatshaming“ mitbekommen. Und jedes Mal, wenn es wieder besonders schlimm war begann ich – ja – zu essen. Ich wollte das nicht. Das war meine Art, die Beleidigungen zu schlucken. So überstand ich die Oberstufe und auch das Bachelorstudium. Diverse Verletzungen an meinen Füßen taten ihr Übriges, denn ich konnte keinen Sport mehr machen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Eltern und Freunde im Unrecht waren, wenn sie mich auf mein Gewicht hinwiesen. Das Problem war, dass sie mich damit verletzten. Und zwar immer wieder auf’s Neue. Jeden einzelnen Tag. Es ging soweit, dass es sogar beim Weihnachtsessen passierte.

Ich bin Biologin. Zu dick sein ist nicht gesund. Zu hohe Kalorienzufuhr ist nicht gesund. Das ist richtig. Daher ist #FatAcceptance genauso falsch. Genauso mies. Es ist eine Lüge. Dicke sind nicht toll weil sie dick sind, haben schwere Knochen und schlechte Gene. Sie sind einfach krank! Entweder man futtert aus einem psychologischen Grund so viel, oder weil man nicht richtig mit Essen umzugehen gelernt hat. Und beides kann zu einer Spirale führen, beides begünstigt sich wieder gegenseitig. Das bedeutet nicht dass sie nicht liebe, nette Menschen sind, mit Gefühlen, genauso wertvoll und wichtig wie jeder andere auch.

 

Das Problem ist, dass beides, Shaming und Acceptance, falsch ist. Und das es etwas bezeugt, was immer öfter passiert. Menschen gehen mit sich selbst und anderen respektlos um. Sie arbeiten, rauchen, trinken und futtern sich in eine Volkskrankheit und ein jeder zeigt mit dem Finger auf die anderen. Selbstgerechtigkeit, auf beiden Seiten.

Lasst doch mal Platz für eure Fehler. Und lasst doch mal Platz für die Fehler von anderen.

Wer ohne Sünde sei…

 

 

 

 

Blogstöckchen von @moepern (auch verspätet)

Wie lang waren deine Haare, als du 17 warst?

Ich habe sie, kurz bevor ich Amerika verließ, nochmal ein Stück abschneiden lassen. Sie waren wohl so Schulterblattlänge, vielleicht auch etwas länger. Danach hab ich sie fast nur wachsen lassen, bis meine Mutter mich zum Friseurbesuch verdonnerte, wo eine liebenswerte Tucke mir „Stufen“ andrehte. Lieber Friseure: Aber Schulterlänge sind Stufen für’n Arsch.
Wann (Alter) und warum hast du dich entschieden, das zu studieren, was du studiert hast?

Kann ich gar nicht sagen. Ich wollte alles werden. Polizistin, Tierärztin, Richterin, Ärztin. Und dann hab ich in Amerika ein Herz seziert, diverses Viechzeuch bis hin zu einer Ratte. Das fand ich ziemlich cool. Als ich mich dann irgendwann entscheiden musste wurde es eben Biologie. ^^
Bist du Arbeiterkind, Akademikerkind, Mixed oder was anderes? Hat das Auswirkungen auf dein Benehmen anderen gegenüber oder bist du “Habituschamäleon”?

Meine Mutter kommt aus einer Bauernfamilie vom Dorf, mein Vater ist der Inbegriff des Bildungsbürgertums. Geprägt hat es mich sicherlich. Bildung war bei uns das wichtigste. Das höchste Gut. Da mein Opa im Krieg alles verlor – auch seine Doktorurkunde – brachte er die Familie von damals 3 Kindern zum einen mit seinem Wissen über Pflanzen durch, indem er wusste was essbar war, und einer seiner Kollegen bestätigte seine Person und so konnte er wieder als Chemiker arbeiten.
Republica oder CCC? Oder beides? Oder keines?

Ich war bislang nur auf dem CCC. Es war ziemlich geil. Man riet mir von der Republica ab. Zumal die ja an Arbeitstagen stattfindet. Das finde ich ziemlich bescheuert. Ich würde also den C3 bevorzugen. Wenn man mich mal zu einem Vortrag auf der Republica einläd schau ich mir die auch mal an. 😉

Ich gebe mal weiter an

@vrouwelin,

@nett_

@laiza272,

@horatia_aubrey

@BeckiSchnubiiii

Und zwar mit diesen Fragen:

Was bereust du?

Wenn du ein Comic Charakter sein könntest, welcher wäre es? (Genre egal, aber es muss gezeichnet sein)

Welche Musik hast du vor, während und nach deiner Pubertät gehört? Welches ist die peinlichste Band und mit welcher kann man sich auch heute noch sehen lassen?

Was trägst du als Schlafanzug?

7 Fakten über mich (verspätestes Blogspiel)

Die Frau Nett ist Schuld daran und es liegt ja nun schon eine Weile bei mir rum…

  1. Ich hasse Regenschirme. Ich hasse Regenschirme weil sie nie da sind wenn man sie braucht. Und weil sie umständlich sind, vor allem zu zweit. Ich kaufe keine Jacken die nicht wasserdicht sind und keine Kapuze haben. Ich trage immer nur funktionale Jacken und ich verstehe auch das Prinzip von Stoffschuhen nicht. Außerdem bin ich zu 90% mit dem Rad unterwegs, da sind Schirme unpraktisch. Eine gute Jacke aber ist immer praktisch.
  2. Wie Frau Nett auch habe ich keine beste Freundin. Ich habe eigentlich immer, wenn ich eine beste Freundin hatte früher oder später eine Enttäuschung erlebt. Deshalb habe ich das aufgegeben und es gibt nur einen sehr kleinen Kreis an Personen mit denen ich über mehr rede als nur das alltägliche Gedöns, mit denen ich tiefere Gespräche habe. Manches Mal überraschen mich auch Menschen. Als ich am Wochenende auf einer Party mit einem guten Freund, der eher wie ein kleiner Bruder ist, über ein paar Dinge sprach die mich in der letzten Zeit bewegt hatten war er fast sauer, dass ich mich in der Zeit nicht bei ihm gemeldet hatte. Und als ich ihm von jemandem erzählte, der sich mir gegenüber verletzend verhalten hatte ballten sich seine Fäuste. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, das manche Menschen mir gegenüber so beschützerisch sein möchten.
  3. Ich bin naiv. Ich glaube ja immer noch an die Menschen und ich glaube an Vergebung. Und es fällt mir immer wieder schwer, die Hoffnung in einen Menschen aufzugeben, selbst wenn mir alle Wegweiser zeigen, dass dieser Mensch für mich verloren ist. Es klingt jetzt gefühlsdusselig und kitschig, aber ich habe jeden Menschen der mir irgendwie einmal nah war in mein Herz geschlossen. Und das ist eine Einbahnstraßen-Sackgasse. Ich glaube immer, dass sich ja alles nochmal ändern könnte. Mein Gefühl sagt mir das. Ich weiß aber, dass es nicht so sein wird.
  4. Ich habe kein klares Bild von falsch und richtig. Ich finde, man kann falsche Dinge tun und richtiges bewirken. Und man kann richtige Dinge tun und falsches bewirken. Während ich es zum Beispiel absolut falsch finde einen Menschen zu verletzen gibt es Situationen in der man es vielleicht doch muss. Das macht es nicht weniger falsch, aber eben notwendig.
  1. Ich blocke nicht. Moment, das ist falsch, ich blocke den Tech-Nick von Saturn, der nervt mich. Außerdem erzählt er mir Dinge die ich schon weiß oder nicht wissen will. Ich mute einige Menschen und Nicht-Menschen-Accounts die mir zu oft retweetet werden und die für mich uninteressant sind. Ich folge Menschen deren Meinung ich nicht bin. Ein paar ausgewählten die – möglichst – ihre Meinung nicht als das einzig wahre sehen. Und Zwei, drei Accounts die eben doch das tun.
  2. Ich bin insgesamt gerne gehässig. In meinem Kopf gibt es eine Stimme, die ist misanthrop und manchmal einfach nur böse. Ich habe mittlerweile erlebt, dass Menschen, die sich anderen gegenüber schlecht verhalten es häufiger irgendwie wieder zurück bekommen. Wenn das passiert verspüre ich Genugtuung. Das ist nur ein Beispiel. Mein Zynismus lässt mich noch ganz andere, fiesere Dinge denken und manchmal auch sagen. Es ist meine Methode, mit Ungerechtigkeit umzugehen. Ich hätte Pathologin werden sollen.
  3. Ich glaube an Gott. Und führe das nicht weiter aus.

Ich gebe mal weiter an

@vrouwelin,

@moepern,

@laiza272,

@horatia_aubrey

Vergissmeinnicht

Ich habe seit Januar viel geleistet. Ich wollte immer mal eine Woche Urlaub machen. Eine Woche um zur Ruhe zu kommen. Eine Woche keine Termine, eine Woche keinen Stress, eine Woche kein Druck.

Dann habe ich am Ende meines Arbeitsverhältnisses 15 Tage Urlaub verfallen lassen. Und habe noch drei Wochen länger zum Schreiben – bzw um das Drumherum – gebraucht. Drei Wochen von dem Monat in dem ich eigentlich „frei“ hatte. Bevor das Praktikum beginnt. Aber die letzte Woche, da mach ich Urlaub! Dachte ich mir. Da hab ich frei!

Ich habe zwei Slams gehalten, ich habe einen aufwendigen Blogbeitrag geschrieben, ich habe diverse Finanzangelegenheiten erledigt. Ich habe meine Steuer angefangen und bin Dokumenten hinterhergehechtet. Ich habe meiner Kollegin geholfen ihre Steuern zu machen, da sie schlecht deutsch spricht. Zwei jahre Steuern. Ich habe mich um meinen Vertragsabschluss gekümmert, ich habe meinen Gutachtern meine Arbeit gebracht. Ich habe auch endlich wieder mit Leuten telefoniert die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Ich habe auch eine Jobmesse besucht. Meine Mitbewohnerin zieht um und sie hat in den letzten Wochen viele neue Mitbewohn-Anwärterinnen eingeladen. Meine Oma hat Krebs und ich sorge mich und versuche meine Mutter soweit es geht zu unterstützen, wenn auch seit Ostern wieder „nur“ psychisch als mit Rat und Tat. Ich hab diverse Arzttermine gehabt und da noch Stress mit einem Rezept. Meine ehemalige Abteilung schreibt mich an wegen Kram, wegen Abschieden und wegen „meld dich mal wieder“. Auch wegen Ihnen war ich auf Achse.

Kurzum, ich habe keinen Urlaub gemacht.

Ich wusste im Januar, dass der April stressig wird, aber eigentlich weil ich dachte, ich wäre dann schon in Prüfungsvorbereitungen. Und ich wusste, dass mein Vater Geburtstag haben würde. Also erstellte ich bereits im Januar mein Fotobuch. Aber ich bestellte es noch nicht, da meine Schwestern es sich ansehen sollten.

Jetzt habe ich vergessen es zu bestellen. Der Geburtstag ist am Wochenende. Und ich möchte heulen.

Der eine Mensch, der in all dieser Zeit IMMER und ohne jeden Kompromiss mir zur Seite stand, der mir all das ermöglicht hat, weil er sagte, dass Bildung wichtig ist, dass Forschung wichtig ist. Den einen Menschen habe ich vernachlässigt. Und ich fühle mich furchtbar.

Und wenn ich dann sage: Passt auf, ihr werdet in der DA Dinge vernachlässigen. Ihr werdet Menschen vernachlässigen. Dann ist nicht die Zeit mir unter die Nase zu reiben was ihr alles geschafft habt. Das habt ihr fein gemacht. SCHÖN, dass ihr nicht so hundsmiserable Töchter seid wie ich. TOLL, dass ihr nebenher 10 Kinder und 2 Bauerhöfe versorgt habt. PRIMA, dass bei euch alles wunderbar geklappt hat.

Wirklich.

Carne Vale

Ich kam am Aschermittwoch auf die Idee, ich könne doch diesmal auch Fleisch fasten. Ich faste jedes Jahr und zwar esse ich 7 Wochen lang keine Süßigkeiten. Ich mache Ausnahmen an (Geburtstags-)Feiern. Und ich muss zugeben dass ich gegen das Ende hin doch ein paar Mal „sündige“. Ich nehme das nicht so schwer, ich „bereue“ das dann nicht. Ich frage mich dann nur, ob dieser Schokoriegel oder diese Gummibärchen es denn Wert waren mein Gelübde an mich selbst zu brechen. Im Bezug auf Süßkram weist mir das Fasten einen neuen Wert eben jener auf. Ich merke wieder sehr bewusst wann ich wieviel esse, auch noch Wochen, Monate danach. Ich merke wie oft man etwas angeboten bekommt, wie oft irgendwo eine Geburtstag ist oder eine andere Feier. Und ich sehe die Alternativen. Müsliriegel zum Beispiel. Oder Joghurt. Oder Nüsse. Obst und kleine Gemüseschnitzchen.

Was soll ich sagen: Es wirkt. Ich kann eine Tafel Schokolade aufmachen und sie evaporiert nicht sofort. Ich kann eine Tüte Gummiviecher aufmachen, mir ein paar rausnehmen und dann vergessen, dass ich sie habe. Vor knapp 9 Jahren, als ich das erste Mal fastete, konnte ich das nicht. Ich konnte damals einen ganzen Liter Eis essen. Obwohl mir schlecht wurde hab ich das gemacht. Ich konnte 200 g Tafeln Schokolade essen, wie andere Leute einen Kinder Riegel. Die war einfach weg. Und ich merkte es gar nicht. Es hat eine Weile gedauert bis ich das im Griff hatte. Es ist erst etwa 4 Jahre her, dass ich wirklich angebrochene Tafeln nicht mehr auffutterte „weil es halt da war“. Aber gleich nach dem ersten Mal stellte sich der Erfolg ein, dass Süßigkeitenregale nicht mehr so eine magische Kraft auf mich ausübten. Ich musste das Zeug nicht mehr kaufen, ich kaufte es nur selten und lieber kleine Packungen.

Ja. Und dieses Jahr dachte ich mir: Wieso verzichtest du nicht mal auf Fleisch? Zusätzlich? Wie jeder Durchschnitssdeutsche esse ich zuviel Fleisch. Zuviel für meinen Körper und zuviel für die Umwelt. Ich bin aber ein Mensch, der viele Proteine braucht, um sich satt zu fühlen. Spaghetti mit Tomatensoße? Da bin ich ja nach ner Stunde wieder hungrig!

Aber ich wollte es probieren. Wie immer waren Feiern ausgenommen. Und nun kann ich aus dem Stehgreif sagen, dass ich die letzten 7 Wochen bei genau 2 nicht-Feier-Essen Fleisch aß. Einmal um den restlichen Bacon zu verbrutzeln und einmal, weil mir jemand das falsche vom Bäcker mitbrachte. Ich esse sonst jeden Tag Fleisch. Ich mag Salami, Würstchen, Hühnchen, Hackfleisch, Frikadellen, Burger… Auch hier war ich gezwungen, für Ersatz zu sorgen. Damit meine ich nicht konkret Fleischersatzprodukte sondern Essen im Allgemeinen.

Eine meiner liebsten Käsesorten ist britischer Cheddar. Und ich versüßte mir die ersten Tage mit leckeren Aufläufen. Überhaupt: Ich entdeckte einen neuen Käse für mich. Mozzarella. Mochte ich früher nicht. Jetzt finde ich ihn toll, vor allem damit zu überbacken. Im Zweifel geht das auch ganz schnell. Ein Toast mit etwas Bruschetta beschmieren oder belegen (jenachdem ob frisch oder nicht), Mozzarella drauf und eine Minute in die Mikrowelle: Voila!

Und Feta. Ich mag keinen Schafskäse, aber der von der Kuh ist einfach prima und eignet sich auch für Soßen hervorragend. Zusammen mit Artischocken und Zucchini in einen Teigfladen gewickelt hat man einen leckeren, fleischlosen Wrap.

Ich aß außerdem zu allem was ging Joghurtsoße. Oder Quark. Meistens rühre ich das selbst schnell an, mit etwas Knoblauch, Kräutern, Zitrone, Senf und Zucker. Proteinreiches wie Hummus fand sich auch des Öfteren auf meinem Teller.

Etwas schwieriger war es in der Kantine. Nicht immer ist das Essen dort gut. Und gerade die Vegetarier haben es oft schlecht. Da gibt es das „Pesto“, was aus einem Liter Öl und zwei Kräuterfutzeln besteht. Oder Geschmacksfreie Polentaschnitten. Oder, von mir gefürchtet, Spaghetti Napoli.

Irgendwann in dieser Zeit war ich dann mal beim Aldi shoppen, da er auf dem Weg lag. Ich gehe normalerweise in den Kaufland. Da sah ich ein sehr breites Angebot an Fleischersatzprodukten. Ich nahm mir vor, jedes Produkt davon mal auszuprobieren. Jeweils einmal.

Den Anfang machte die vegetarische Bolognese. Und ich muss sagen, wenn man sie verwendet wie „Hack mit Tomaten“, also noch Gemüse wie Zwiebeln, Karotten, Sellerie und Tomaten mit reinschnibbelt und sie gut würzt, schmeckt die wirklich ziemlich gut.

Dann probierte ich die fleischlosen Fischstäbchen, die größtenteils nach dem Ketchup schmeckten mit dem ich sie aß. Die fleischlosen Hähnchenfilets in Panade hingegen waren ganz lecker und wären vielen, die prozessiertes Fleisch (zB in der Mensa) essen, nicht als vegetarisch aufgefallen.

Die Würstchen wiederum kann man vergessen. Die schmecken wie Pappe. Es sei denn natürlich, man ertränkt sie in Soße, dann schmecken sie nach der Soße.

Ganz gut fand ich die „BBQ-Steaks“. Die waren sogar innen leicht rosa. Auch die brauchen eine gute Soße, aber das ergänzt sich einfach und übertüncht nicht.

Ich denke, ich werde das Projekt nächstes Jahr wiederholen. Und ich bin gespannt wie es sich diesmal auswirkt. Ich habe gerade gar keinen großen Appetit auf Fleisch, aber um wirklich konsequent „flexitarisch“ zu leben (nein, vegetarisch kommt nicht in Frage) brauche ich noch ein paar pflanzliche Proteinalternativen die nicht hülsenfruchtbasiert sind. Mittlerweile ist es halt doch etwas viel Käse geworden.

Vergessen und vergessen werden

Es gab hier die letzten 3 Monate recht wenig Input. Ich bedaure das, denn das Einsortieren meiner eigenen Gedanken hat mir sehr geholfen.

Aber gerade überschlagen sich die Ereignisse.

Immer ist irgendwas, manchmal ist es gut, manchmal ist es schlecht. Manchmal passieren gute und schlechte Dinge an einem Tag.

Beziehungsweise: So nehme ich es wahr. Nichts ist per se gut oder per se schlecht. Aber wir alle kategorisieren das. Ich auch. Schlimm ist es dann, wenn man es gar nicht so richtig einordnen kann. Wenn es sich auf der X-Achse von schlecht nach gut irgendwo auf der Z-Achse bewegt.

Meine Oma ist seit einigen Jahren dement. Ich habe mal sagen hören, dass die Demenz eine Art des Vergessens ist, mit der Senioren die schlechten, unverarbeiteten Erinnerungen bekämpfen, die, nachdem die Kinder ausgezogen sind, wieder hochkommen. Das ist natürlich biologisch gesehen Unfug, aber aus der Herzenperspektive ergibt es doch Sinn. Wenn es darum geht, einen Sinn zu suchen, dann ist es vielleicht etwas tröstlich. Ich habe von den Menschen gehört, die nachts in den Seniorenheimen weinen und schreien, weil sie sich wieder an die Bombennächte erinnern. Oder an die Schützengräben. Oder an die KZs.

Meine Oma hat das nicht erlebt. Sie wuchs auf dem Land auf. Wir haben vor ein paar Jahren von ihrer Schwester erfahren, dass ihre Eltern sie eine Zeit lang weggaben, zum Arbeiten, auf einen anderen Hof. Wir wissen nicht weshalb. Wir wissen, dass es ihr dort nicht gut erging, aber wir wissen nichts Genaues.

Obwohl sie sich in einen jungen Mann in ihrem Dorf verliebte, verheirateten ihre Eltern sie an einen Bauern der sich auf Brautschau aufs Land begeben hatte. Sie zog mehrere 100 Kilometer von zu Hause weg. Sie arbeitete auf dem Feld und gebar 3 Kinder. Das älteste davon war meine Mutter, die sich um ihre jüngeren Brüder kümmern musste während meine Oma auf dem Feld war. Der Mann war nicht gut zu meiner Oma und auch nicht zu meiner Mutter. Und er starb früh.

Und dann musste eine Frau mitte der 70er drei Kinder und einen Hof alleine durchbringen. Und selbst als meine Mutter längst erwachsen war, als ich schon geboren war, war meine Oma noch verbittert. Sie war oft streng, auf eine Weise die ich nicht verstand. Es war kein heimeliges Oma-Gefühl, wie ich es von meiner anderen Oma kannte, bis irgendwann eine gewisse Altersmilde einsetzte, vor ungefähr 15 Jahren.

Und trotzdem hatte meine Oma immer ein gutes Herz – auf ihre Weise. Sie beherbergte Gastarbeiter bei sich im Dachgeschoss, soweit ich weiß umsonst. Sie gab was sie geben konnte und in ihrem Dorf ist sie immer noch sehr beliebt und bekannt.

Vor etwa vier Jahren begann es mit der Demenz. Erst dachten wir, sie sei nur wegen einer starken Grippe dehydriert, doch die Zeichen waren einfach irgendwann eindeutig. Sie selbst hat gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Sie fragte oft, ob denn alles in Ordnung wäre, sie würde so viel vergessen. Irgendwann hat das aufgehört.

Da meine Mutter 200 km von meiner Oma entfernt wohnt, war das mit der Pflege schwer. Wir wussten, das ein Heim nicht in Frage kam. Meine Oma sagte wehement, dass sie eher sterben würde als aus ihrem Haus auszuziehen. Das wurde respektiert.

Die Pflegerinnen konnte sie allesamt nicht leiden und als sie für einige Tage in der Tagespflege war, weil mein Onkel im Urlaub war, versuchte sie auszubüchsen.

Am Mittwoch entdeckte meine Tante bei meiner Oma eine komische Narbe unter der Brust. Als sie sie befühlte bemerkte sie, dass es ein ziemlich großer Knoten war. Gestern ging meine Mutter mit ihr zum Frauenarzt, der je einen Tumor in jeder Brust feststellte. Die Mammographie heute bestätigte den Befund.

Ich werde oft gefragt wie das so ist, mit dem Krebs. Ich sage dann immer, dass man mittlerweile viel heilen kann. Wir entdecken Krebs früher und – zum Beispiel – viele Brustkrebsarten lassen sich heute schon gut heilen.

Eigentlich. Aber der Krebs bei meiner Oma ist schon weit fortgeschritten. Weiß der Himmel wieso das bisher noch niemand entdeckt hatte. Und es gibt noch ein Problem:

Bei einer OP, genauer gesagt bei einer Vollnarkose, besteht immer die Gefahr, dass man danach noch verwirrter ist als zuvor. Einfacher gesagt: Eventuell wird sie danach nie mehr das Bett verlassen. Eventuell ist sie danach komplett verwirrt. Die Umgebung einer Klinik, die fremden Menschen, die Schmerzen – von denen sie nicht verstehen wird woher sie kommen…

Krebs zerfrisst den Körper von Innen. Demenz zerfrisst den Menschen.

So ist es.

Das Selbst

Ich habe heute nacht geträumt ich sei auf einem Schiff, zusammen mit zwei Nachbarn, die ein Pärchen sind und einer weiteren, männlichen Person die ich nicht kenne. Wir waren irgendwo mitten auf dem Ozean und anscheinend hatten wir uns auf einer kleinen Yacht verfahren. Jetzt im wachsen Zustand hätte ich weitere Stats gecheckt – Proviant, Benzin, Funkgerät, Rettungsboot – aber wir hatten alle sofort aufgegeben und mein Nachbar kam sofort mit einer Idee. Um dem qualvollen Tod des Verdurstens zu entgehen sollten wir uns allesamt mit einem Gift umbringen. Seine Freundin und ich sollten den Anfang machen. Wir gingen aufs Deck, setzten uns in jede Handvene jeweils eine Dosis und warteten auf die Wirkung. Irgendwann kam mein Nachbar und suchte Nach geschwollenen Lymphknoten im Arm, die angeblich Zeichen für die Wirkung des Giftes waren. Dann begann er, Lampenöl über mich und meine Haare zu gießen.

Dann wachte ich auf.

Es war wirklich sehr, sehr creepy. Ich bin alles nur nicht suizidal und ich halte mich für relativ kühl im Kopf wenn es um brenzlige Situationen geht. Zumindest habe ich schon diverse Kleinbrände unter der Sterilbank gelöscht und so ein Kram. Egal, mein Traum-Ich und ich unterscheiden sich offensichtlich vor allem im Hinterfragen von Dingen.

Warum ich das so fix bloggen muss? Ich war gestern eine Kollegin im Krankenhaus besuchen. Sie hatte sich das Bein gebrochen, aber mittlerweile geht es ihr soweit ganz gut. Und, es klingt leicht morbide es zu sagen, aber sie sah nie besser aus. Ihre Haut strahlte, war rosa, ihre Augen hell, die Augenringe verschwunden. Die gesamten Gesichtszüge wirkten entspannt.

Auf dem Heimweg redeten eine andere Kollegin und ich über das Reisen. Und sie meinte, quasi nebenbei, dass die letzte Zeit – sie gibt heute ihre Doktorarbeit ab – sie mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert habe. Sie wolle nun endlich ein paar Sachen erleben wenn das Leben könne so schnell vorbei sein.

Sie hat dazu keinen direkten Anlass. Ihrer Familie und ihren Freunden geht es gut und sie wird bald heiraten. Trotzdem ist sie mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert. Gerade jetzt, wo so viele neue Dinge anstehen.

Ich spreche schon lange von einer Endzeitstimmung im Labor, die mir zusetzt. Und dieses unstete Leben gerade setzt mir auch zu. Mal bin ich hier, mal dort, mal schreibe ich, mal sortiere ich, mal mache ich Organisatorisches, manchmal mache ich Gottweißwas. Oft tritt man auf der Stelle, oft muss man diverse Dinge einfach tun, damit sie weg sind weil sie nerven.

Im Hintertreffen bleibt das Selbst.

Und das ist zerbrechlich.