Bücher

Wettern dass…?

Ich habe erst spät zu der heutigen Sendung „Wetten dass“ geschaltet. Aber genug um die Tiefen Abgründe dieser Show zu sehen. Ich habe eigentlich schon lange diese Show nicht mehr gesehen, nur die schlechten Kritiken über Lanz gesehen. Und sie scheinen alle wahr.

Da fragt dieser Lanz den vor drei Jahren in eben dieser Show verunglückten Samuel Koch, der seitdem vom Hals abwärts gelähmt ist, ob er denn dieser Sache etwas Sinnhaftes abgewinnen kann. Lanz wirkte schon vorher extrem überfordert mit der Situation, fragte Koch zweimal wie es ihm nun ginge und, nachdem er schon angekündigt hatte, Koch habe lange über einen Besuch in der Show nachgedacht, fragt er ihn nochmal danach.

Koch antwortete souverän. Er musste das letzte Mal etwas verfrüht weg, er hatte einen etwas steifen Nacken. Und er konnte sich nicht von allen richtig verabschieden.

Und nun die Frage, ob er in seinem Unfall etwas Sinnhaftes sähe. Und tatsächlich: Koch hat sich engagiert. Er hat gekämpft. Er ist Schauspieler geworden. Er will Vorbild sein. Und das macht ihn zu einem tollen, faszinierenden, starken Menschen. Ich bin beeindruckt.

Aber mit Verlaub, ich glaube nicht dass der Unfall an und für sich dafür gedacht war. Dass der Unfall den Sinn hatte, ihn zu einem Vorbild zu machen. Nein, der Unfall ist passiert. Und dann hat Koch ihm den Stinkefinger gezeigt und gesagt „Fuck You, ich mach trotzdem was Tolles mit meinem Leben!“

In dem Buch „Die Hütte“ schreibt William Paul Young sinngemäß: „Es gibt kein Gut und Böse. Dinge geschehen. Ob sie gut oder böse sind, bestimmen wir selbst darin, wie wir sie wahrnehmen.“ Für mich war das immer ein sehr wichtiger Satz.

Wir müssen die Dinge hinnehmen, die wir nicht ändern können.

Wir können dem Leid einen Sinn geben, wenn wir das wollen

Dann wachsen wir daran.

T-7

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Wunschpunsch

In 9:15

Heute ging ein Hashtag rum, #1satz1buch. Dann starb auch noch ein Autor der wohl als einer der wichtigsten Nachkriegsautoren galt. Wir diskutierten beim Mittagessen darüber. Ich fand, wahre Literatur findet man häufig an unverhofften Orten, vor allem aber in der Kinder- und Jugendliteratur. Ich sinnierte ein wenig darüber nach. Was habe ich aus Frau Jenny Treibel mitgenommen? Das ein Satz mehr als eine Seite lang sein kann. Was hat mich Iphigenie auf Tauris gelehrt? Ein wenig griechische Mythologie. Homo Faber hat mir immerhin beigebracht, aus Andeutungen Schlüsse zu ziehen (was ich als Wissenschaftlerin aber niemals tun würde). Schillers Räuber wagen zumindest noch Tabus zu brechen. Shakespeare ist lyrisch und dramaturgisch genial… Aber beeinflusst hat mich nichts davon. Selten haben mich Sätze daraus begleitet, die Themen haben in mir nichts bewegt.

Mein Vater sagt häufig, wir seien Opfer der Schundliteratur. Er meint das scherzhaft, denn er meint genau die Bücher, die er uns damals vorgelesen hat. Ich habe abends vorm Einschlafen Grimms Märchen vorgelesen bekommen. Oder Anstrid Lindgren, Erich Kästner, Max Kruse, Desi Ruge… Oder Michael Ende. Ich könnte zig weitere Beispiele nennen, aber an dem letztem blieb ich irgendwie hängen.

Ende erzählt zum Beispiel die Geschichte von Jim Knopf, auf der Insel Lummerland. Auf der Insel Lummerland gibt es einen Einwohner, der heißt Herr Ärmel. Er wird so beschrieben: „Herr Ärmel war einfach da und wurde regiert.“ Sieht Ende da schon den politikverdrossenen Kleinbürger voraus? Im Gegensatz dazu treffen Lukas und Jim auf einen chinesischen Wächter. Dieser sagt: „Gehorchen ist mein Beruf!“

Lukas entgegnet unbeeindruckt: „Meiner leider nicht.“

Oder nehmen wir Momo. Eine Geschichte, in der es, aus der Ferne betrachtet, um eine Konsumgesellschaft geht in der die Leute vergessen dass sie das Wertvollste im Leben schon längst besitzen: Zeit. Und sie werden zur Eile gedrängt, sie sollen Zeit sparen! Doch die Zeit löst sich in Rauch auf, in den Zigarren der grauen Herren.

Dann wäre da noch Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. Ein Zaubertrank, mit dem man die Welt ins Unglück stürzen kann. Ein Rabe und ein Kater sollen das verhindern, müssen aber erst ihre eigenen Fehler eingestehen. Mir fiel eine „Zutat“ ein, die wichtig für den Zaubertrank ist:

Keine Fragen zu stellen.

Out: 19:40