Feminismus

Block dir deine Meinung

In diesem Internet widern mich diverse Dinge an. Ganz klar, wenn jeder ins Internet kann, ist dort die Gesellschaft vertreten, mit all ihren Makeln.

Aber nichts davon kommt mir so nah, wie die Blockkultur. Versteht mich nicht falsch, es GEHT mir nicht nah, aber ich sehe wie es passiert. Und ich bedauere den Prozess.

Blocken ist ein Twitter-Phänomen. Auf Facebook werden einem die Nachrichten von Menschen, mit denen man nicht befreundet ist ja nicht angezeigt. Und Whatsapp und Snapchat sind keine rein asynchronen sozialen Medien.

Und so sind auch Blocklisten ein Twitter-Phänomen. Zum Teil entstanden durch Gamergate sind sie ein Mittel im feministischen Kampf. Und die Idee ist ja auch gar nicht so dumm: Wird man von einem Account bedroht und belästigt, kann man ihn auf eine solche Liste setzen und andere können ihn automatisch blocken. Aber wer entscheidet, was eine Bedrohung ist?

Ich bin offensichtlich eine. Diverse meiner Freundinnen wohl auch. Nur habe ich mit den Accounts die mich Blocken nie interagiert. Vorgeworfen wird mir – das weiß ich aus Screenshots – Feminismus zu hassen. Allerdings fehlt dazu jegliches Statement meinerseits. Es setzt sich wohl aus einer Mischung von meinen oft zynischen Kommentaren und meinen Followees und Followers zusammen. Da hat jemand bestimmt, dass dies bedeutet, dass ich Feminismus hasse.

Manche Menschen nennen dies „Deutungshoheit“, ich nenne es vor allem selbstgerecht. Sich selbst emporheben durch das niedermachen anderer zeugt von schlechtem Stil und schlechter Erziehung. Und durch die Blocklisten entsteht etwas, das keine Filterbubble mehr ist, sondern ein Bunker. Eine Abschottung von jeglichem Input, der einen in irgendeiner Weise eine andere Ansicht aufzeigen könnte.

Was ich an der Wissenschaft liebe ist der Austausch. Das diskutieren über Ideen. Jeder weiß, dass jene die auf ihrem Standpunkt beharren und keine weiteren Meinungen anhören (sie müssen ihnen ja nicht folgen), keine neuen Erkenntnisse sammeln werden. Es gibt zwar jene, die „stur ihren Weg gegangen“ sind, aber das bedeutet ja nicht, dass sie keine anderen Ansichten hörten. Es bedeutet, dass die Idee stark genug war, dich durch den Beschuss hindurch zu tragen, zu schützen. Wer sich aber eingräbt, der kommt nicht weiter.

Genau diese Denkweise habe ich während meiner Doktorarbeit gelernt. Spät erst, aber immerhin. Reden, teilen, diskutieren, austauschen, anerkennen, reflektieren. Dafür gibt es Catchphrases wie „Open Mind“ und „Outside the Box“.

Blocken ist der erste Schritt weg vom „Open Mind“. Es sollte mit Bedacht erfolgen. Wer sich präventiv versteckt zeigt mir persönlich eigentlich nur, dass die vertretene Idee durch meine bloße Existenz bedroht ist. Ich bedauere das. Denn würden wir uns austauschen, würden wir miteinander diskutieren – könnte dann nicht vielleicht eine neuere, bessere, stärkere Idee entstehen? Wäre das nicht eine Evolution der Ideen? Endless forms most beautiful?

Ich denke schon.

Schade, das manche Menschen das nicht zulassen.

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Dem Gaul auf’s Maul

Es gab heute wieder Unicum-Tüten. Wer es nicht kennt: Unicum-Tüten sind kleine Papiertüten mit Werbeartikeln, die an Unis ausgeteilt werden. Die Pröbchen und Gutscheine darin sind meistens auf Studenten abgestimmt: Kulis, Blöcke, das obligatorische Kondom. Alles was man im Studium so braucht.

Ich weiß nicht mehr, ob es schon immer so war, aber in den letzten Jahren gibt es die Tüten immer nur für Männer oder Frauen. Man darf sich auch nicht eine Tüte die für das andere Geschlecht als man selbst ist holen. Nichtmal wenn man darauf aufmerksam macht, dass es ja wohl Privatsache ist welches Geschlecht man ist.

Das man diese Tüten gendert finde ich schon voll bescheuert, aber es ist eventuell noch verständlich. Werbepröbchen kosten Geld und wenn 50% der Tütchenempfänger das Haargel von Axe nicht benutzen würden, okay. Aber wenn man gezielt danach fragt? Ich möchte die Pröbchen ja haben und ich bin an dem Inhalt für Frauen kaum interessiert.

Letztes Jahr gab es in der Herrentüte ein Lustiges Taschenbuch. Ich mag lustige Taschenbücher. Bis Nummer 300 oder so habe ich die meisten gelesen. Noch Erstauflagen von meinem Vater. In der Damentüte gab es kein Lustiges Taschenbuch (lesen Frauen das nicht?!) sondern eine Broschüre über Verhütung mit der Pille. Ich bin nun nicht nur absolute Verfechterin der hormonfreien Verhütung, die Broschüre war auch vom wissenschaftlichen Standpunkt her Schwachsinn vor allem weil keine Alternativen aufgeführt wurden (NFP, Spirale, Kette, Kondome) oder dass halt keiner um die Langzeiteffekte weiß.

Egal. Ich kann einsehen, dass manche Sachen den stereotypen Mann oder die stereotype Frau eben halt doch nicht interessieren würden. Aber ich weiß, WAS mich interessiert.

Mein Frauentütchen enthielt dann aber doch durchaus praktische Dinge:

  • Cornflakes
  • Essig
  • ein Joghurtlöffel
  • Organspendeausweis
  • Shampoopröbchen
  • Parfümpröbchen
  • Gutscheine für bekannte Hosenmarke, Onlineshopping, ADAC-Mitgliedschaft, Reisebüro
  • Winterbekleidungskatalog (für Frauen und Männer)
  • Natürlich ein Kondom und ein Kuli
  • Karten von einem Spiel
  • Werbung für ein hormonelles Verhütungsmittel

Ich besitze einen Organspendeausweis, ich benutze kein Drogerieshampoo und seltenst Parfüm und keine hormonelle Verhütung. Keinen der Gutscheine kann ich gebrauchen.

Wieso musste ich dann die Frauentüte nehmen? Ich kann natürlich nicht sagen, ob in der Männertüte ansprechendere Sachen drin gewesen wären, aber die Chancen wären höher gewesen…

Ja. Es zeigt wieder eines sehr deutlich: Ich muss diese Dinge nicht nehmen. Ich muss diese Dinge nicht kaufen. Diese Dinge speziell für Frauen. Nicht weil sie „speziell“ für Frauen sind – das ist bestensfalls nur noch lachhaft – sondern weil dem gesamten System nicht meine Wünsche zu Grunde liegen sondern die durchgeknallten Ideen von denen irgendwelche Marketingmenschen glauben, dass es meine Wünsche wären.

Aber was wünsche ich mir?

Naja, der Joghurtlöffel ist schick.