Geschenke

Schenken und Beschenkt werden

Weihnachten ist die Zeit des Schenkens. Ich schenke gerne. Ich mach mir Gedanken über etwas, was meine Familie oder auch mal gute Freunde, gerne hätten. Ich denke mir eigentlich immer was dabei und ich mag es, dass man mit Weihnachten eine Gelegenheit hat, zu schenken. Ja, man könnte immer mal wieder was schenken. Aber tut man es? Ich kann auch immer wieder mal joggen gehen oder putzen, aber beides mache ich doch lieber wenn ich einen Grund dazu habe.

Jetzt ist das bei meiner Familie nicht so einfach. Meine Eltern haben alles was sie brauchen. Ein Haus, hübsch eingerichtet, mit allem was man so braucht. Es hat genug Dekoartikel und Bilder im Wohnzimmer, genug Gadgets im Arbeitszimmer und genug Verbrauchsartikel in Bad und Küche. Was also schenkt man?

Erfahrungen und Zeit. Letztes Jahr wünschte mein Vater sich Zeit mit seinen Töchtern und dieses Jahr sind wir mit ihm nach Augsburg gefahren und haben dort ein Wochenende verbracht. Dieses Jahr hat sich meine Mutter das gewünscht. Mein Plan war, meinem Vater zu Weihnachten ein Fotobuch von Augsburg zu schenken, aber meine Schwestern waren schneller und planten mich in ihr Geschenk mit ein. Es wird dann wohl ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Ein kluger Mensch sagte mir mal: „Was am Ende bleibt, sind die Erinnerungen.“ Und diesen Satz halte ich mir oft immer wieder vor Augen. Erinnerungen zu schenken ist mehr wert als andere.

Beschenkt werden ist eine andere Sache. Beschenkt werden ist… komisch. Ich saß eines Weihnachtens unter dem Baum mit einer Geflügelschere, einer Hornhautfeile und einem Sparschäler, zusammen mit einem riesigen, quietschorangen Schlafsack. Ich hätte heulen können. Und ich fragte mich, ob das undankbar war. Ich mache nie Geflügel, ich besitze einen Sparschäler und ich hatte mir sehr explizit einen raumsparenden Schlafsack gewünscht, für meine vielen Reisen.

Ja, war ich undankbar? Wenn ja, was sollte ich nun mit den Geschenken tun, die ich nicht brauchte? Meine Schwester, die den Schlafsack im Auftrag meiner Eltern bestellt hatte, gab eben jenen unter Protest zurück und ich ging in ein bekanntes Outdoorgeschäft in Köln und kaufte binnen 20 min einen neuen. Sie hatte beteuert, die Packmaße und Temperaturen die ich wollte gäbe es nicht. Die Geflügelschere bekam meine Oma, den Hornhauthobel durfte meine Mutter behalten, den Sparschäler behielt ich dann doch, auch wenn ich bereits drei besaß.

Ich habe aber begriffen welche Wünsche meine Eltern von mir wollten. Ein großes Geschenk (~70-100€) und mehrere kleine (5-20€) zum „Auspacken“. Und jetzt bekommen sie jedes Jahr eine Liste mit 2-3 großen Geschenken zur Auswahl und ein paar Büchern und ähnlichen Kleinigkeiten.Das ist ekelhaft pragmatisch für Geschenke. Aber so denken nunmal meine Eltern und ich möchte es ihnen leichter machen.

Jetzt höre ich häufig „Wozu brauchst du das denn?!“ und muss mich rechtfertigen. Ich muss sowieso oft beantworten, weswegen ich nun etwas kaufe oder nicht.

Aber das sind halt Eltern.

Achso, ja, das ist natürlich unglaublich hohes Niveau auf dem ich da jammere. Verzeiht, aber das tue ich ja meistens. Den größten Wunsch erfülle ich mir ja selbst. Der zweitgrößte – mal ein paar Tage Ruhe mit der Familie – der steht noch aus.

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