Heidelberg

Iä! Iä!

Heidelberg hat heute den Oberbürgermeister gewählt. Groß zu wählen gab es da allerdings nicht, es gab eigentlich nur einen Kandidaten und zwar den amtierenden Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner. Sein Gegenkandidat, Alexander Kloos, ist ein laueresker Politclown, der komplett ohne Wahlwerbung, dafür aber mit einem 90er-Revival-Theme Webauftritt (http://www.alexanderkloos.de/home/politik/index.html) nicht wirklich in Erscheinung trat. Mittlerweile möchte er sogar Kanzler werden. Sein Wahlprogramm war teilweise vernünftig. Das Aushängeschild war aber die Forderung nach mehr Partys auf der Thingstätte, einem Dritten-Reich-Relikt das derzeit nur noch für einen inoffiziellen Tanz in den Mai mit Feuer, Fackeln und Gitarren verwendet wird.

Demnach ist es kein Wunder, dass der werte Herr Dr. Würzner wiedergewählt wurde. Mit „überwältigender“ Mehrheit. Das ist als quasi-einziger Kandidat nicht schwer. Ich habe aus mehreren Gründen eine Antipathie auf Herrn Dr. Würzner entwickelt. Zum einen grient mich dieser Mann mit seinem gephotoshopten Lächeln an jedem zweiten Laternenmast an. Und auch die Überlebensgroßen Plakate – die ihn in unternehmerischer Pose zeigen – sind nicht besser. Ich frage mich, wieso jemand der sowieso nicht mit großer Konkurrenz rechnen muss, es nötig hat derart zu plakatieren.

Des Weiteren erinnere ich mich an ein „Wettrennen“ bei dem er bewies, dass Heidelberg eine ach so fahrradfreundliche Stadt ist und man überall mit dem Fahrrad schneller hinkommt. Alleine für diese Äußerung würde ich ihm gerne die Luft aus den Reifen lassen. Wer versucht hat, mit dem Fahrrad einmal über den Römerkreis oder den Bismarkplatz zu fahren, weiß weshalb.

Ganz furchtbar finde ich allerdings, dass er ansonsten eine so funkelnd reine Weste hat, außer dass er – wie könnte es anders sein – Mitglied einer pflichtschlagenden Verbindung ist.

Nächstes Mal wähle ich unseren großen, schrecklichen, allmächtigen Lord Cthluhu.

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Wurzeln schlagen

In: 11:40

Als ich neulich dieses Fahrrad am Institut sah, fiel mir wieder einmal auf, wie lange ich bereits in Heidelberg bin. Nicht nur, dass ich an den Anblick dieser Fahrräder schon gewöhnt bin. Aber die Pflanze, die es sich zwischen den Speichen gemütlich gemacht hat… irgendwie weckte das etwas in mir.

Ich bin 2008 nach Heidelberg gezogen. Ich bin also mittlerweile 6 Jahre hier. 6 Jahre, verdammte Hacke. Das ist länger als ich seit meiner Kindheit irgendwo war. Ich sage häufig dass ich keine Heimat habe. Und wenn, dann liegt die auf einem Pferderücken.

Nein, Heimat ist Heidelberg nie geworden. Aber dennoch kenne ich mich hier mittlerweile so gut aus wie sonst nirgends. Und fühle mich wohl. Ich liebe den Blick auf das Schloss vom Neckar aus hinauf, wenn wir vor der Alten Brücke wenden. Ich liebe diese eine Stelle auf der Neckarwiese, wo man mitten in der Stadt kein einziges Haus sieht. Ich liebe den Blick hinab vom Königsstuhl auf die Stadt. Ja, doch, Heidelberg ist ganz langsam in mich hinein gewachsen. Und wenn ich auch nicht weiß ob ich in einem Jahr noch hier sein werde…

Würde ich dieses alte Fahrrad aufschließen und losfahren, viel von der Pflanze wird darin hängen bleiben.

Ach Gott ist das schnulzig.

Out: 15:00

Fahrradkorbterroristen oder das Bekenntnis zur STVO

Man kommt nach Heidelberg um zu studieren und benötigt dazu ein Rad. Das Uniticket kostet mittlerweile 170 Euro oder so, ein gebrauchtes Rad bei Madame Velo vielleicht 40. Dieses Rad wird in einem den Verkehrsregeln entsprechenden Zustand gekauft. Man investiert vielleicht noch hie und da in eine lustige Gummi-Hupe oder ein paar Blümchensticker. Wichtigstes Add-On ist allerdings der Fahrradkorb, in den vor allem Damen dann ihre Tasche und/oder diverse Einkäufe abstellen können. Diese Fahrradkörbe hängen, mit ausgeleierten Kabelbindern befestigt, so sehr auf halb Acht, dass sie regelmäßig Inhalt verlieren. Was nicht mein Problem ist, mein Problem ist dass beim Anschließen des eigenen, geparkten Fahrrads die Fahrradkörbe IMMER im Weg sind.

Liebevoll habe ich diese Radfahrer mittlerweile „Fahrradkorbterroristen“ genannt. Mich stören nicht nur die Körbchen. Aber das Körbchen ist ein Indikator für die Fahrweise. Da habe ich diese Menschen mit ihrer schlängelnden Fahrweise auf dem zu engen Radweg mühevoll überholt und halte, gesetzeskonform, an der roten Ampel und ärgere mich mal wieder an der fünften roten Ampel des morgens zu halten ohne dass auch nur ein Auto diese Straße queren würde. Dann radelt fröhlich der Fahrradkorbterrorist vorbei, über rot, in seinem Schneckentempo. Innerlich knurre ich dann. Ich werde ihn erneut überholen müssen, womöglich an einer noch engeren Stelle. Es kann aber auch passieren, dass diese Radfahrer einem entgegen kommen, weil auf der falschen Seite zu fahren in Heidelberg manchmal mehrere Minuten Zeitersparnis bedeutet. Da knurre ich noch viel mehr, weil ich als braver Bürger den Umweg in Kauf nehme.

Aber mit den Drahteseln muss man doch irgendwie Mitleid haben. Wirkliche Pflege wird ihnen nie zu Teil. Irgendwann sind die Bremsen ausgelutscht, aber vor Ampeln gibt es ja genug Laternenpfähle an denen man sich festhalten kann. Das Licht geht irgendwann kaputt, aber die Seminare sind ja meistens eh nicht so spät das man Licht bräuchte und nach dem Kneipenbesuch findet das Fahrrad den Weg auch von alleine. Schließlich gibt ein Schlauch auf oder die Felge eiert so stark, dass es unbrauchbar wird. Neuer Schlauch, neuer Reifen… da kommt man in Heidelberg schon schnell auf 20 Euro. Für 40 bekommt man wieder ein neues gebrauchtes Rad…

Und so landet das unbrauchbare Klappergestell an irgendeinem Fahrradständer. Und rostet.