Irrsinn

Alltagskämpfe

Es ist brütend heiß. Ich sitze in der Bahn, höre einen Podcast. Auf dem Handy schreibe ich mit einer Freundin. Es ist so alltägliches Gedöns.

Die Bahn hält, ein dicker Mann steigt ein, setzt sich neben mich. Er stinkt nach Schweiß, wirkt ungepflegt, lästig. Dann packt er seinen Döner aus, beißt rein, schmatzt. Soße rinnt über sein dreitagebärtiges Kinn. Vermischt sich mit dem Schweiß. Auch der Geruch nach Fett und Knoblauch mischt sich unter den Körpergestank. Er lässt sich Zeit beim Essen. Die Soße, die überall hintropft, bemerkt er kaum.

Ich mache mich kleiner, schmaler, in der Hoffnung mich weniger belästigt zu fühlen. Ich schäme mich, zur selben Art von Lebewesen zu gehören wie dieses… dieses fressende Tier. Ich schreibe es meiner Freundin. Wir regen uns auf, im Chat. Doch meine Wut ist größer. Wieso kann mich jemand einfach so belästigen. Wieso nimmt er keine Rücksicht? Schämt er sich nicht? Hat ihm niemand Manieren beigebracht?

Ich schnaube, rein innerlich. Wütend poste ich auf Twitter, dass dieser Typ eklig ist, wie widerlich ich das finde, dass ich mich belästigt fühle. Zig Leute stimmen mir zu. Wir regen uns gemeinsam auf und ich fühle mich besser.

Irgendwann ist der Döner aufgegessen. Der Kerl lehnt sich zurück, seine Beine gleiten wie beiläufig nach außen. ein linker fetter Schenkel drückt an meinen rechten. Seine Arme, zu breit für den schmalen Sitz, nehmen mir Platz weg.

Wieder tobe ich. Aber nur digital. Auf Twitter, auf Facebook, auf Whatsapp. Ich schreibe mir die Kehle aus dem Leib, ich poste in Großbuchstaben, benutze multiple Satzzeichen, mache mir die Luft, die ich auf meinem immer schmäler werdenen Sitzplatz nicht bekomme. Ich bete, hoffe, giere darauf, dass der Fettwanst bald aussteigt.

Und dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit erhebt er sich langsam. Nicht ohne dass mich seine Hand einmal wie beiläufig streift macht er sich behäbig auf den Weg zur Tür. Mit ihrem Öffnen kommt die Erlösung. Frische Luft strömt ein, weht den Gestank weg. Aber ich bin immer noch sauer. Trotzdem schicke ich der Welt einen Tweet über meine Erlösung.

Und er? Er hat das alles nicht mitbekommen, ignorant wie er wohl war. Aber woher sollte er auch wissen, was in mir vor ging?

Haben wir verlernt, zu kritisieren? Haben wir verlernt, aus unserer eigenen Komfortzone zu gehen und andere anzusprechen, wenn uns etwas stört? Wieso erdulden wir still all das was uns in der Welt stört und regen uns nur passiv-aggressiv in den sozialen Medien darüber auf? Es ist alles so bequem geworden. Wenn wir wollen ziehen wir uns in unser Häuschen zurück. Wenn uns die einen Freunde zu unbequem werden suchen wir uns neue. Wenn die Party doof ist liegen wir chattend mit einem Bier in der Ecke.

Scheuen wir den Konflikt? Ich befürchte ja. Ich befürchte, das Digitale gibt uns einen Ausweg uns über Dinge aufzuregen oder ihnen zu entgehen. Wir müssen wieder lernen, unseren eigenen Platz zu beanspruchen, auch wenn es unbequem wird. Wir müssen wieder lernen, jemanden in seine Schranken zu weisen. Und zwar richtig und selbstbewusst, ohne den anderen in seiner Person zu verletzen. Vor allem müssen wir aber wieder lernen, damit umzugehen wenn etwas unbequem wird, wenn wir selbst in unsere Schranken gewiesen werden.

Der Dönermann hat nie existiert, die Geschichte ist so nie passiert. Und trotzdem passiert sie, jeden Tag aufs Neue.

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We can rule you wholesale

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der die Welt besser begreift als Sir Terry Pratchett. Gottseidank wurde er Autor und nicht Staatsmann – die Welt wäre erneut unter britischer Kolonialherrschaft*.

Ich hörte heute durch einen Zufall erneut die Nationalhymne von Ankh-Morpork, die da heißt:

„We own all your helmets, we own all your shoes
We own all your generals – touch us and you’ll lose.“

Ich musste dann doch sehr stark an die Waffenlieferungen denken. Oder daran, wie die USA selbst im mittleren Osten Kriege finanzierten und sich den Terror selbst erschufen. In einer gewissen Weise spielt er diese ewigen Konflikte zweier unversöhnlicher Seiten immer wieder neu zwischen Zwergen und Trollen aus – die selbst nicht mehr wissen wer den Konflikt anzettelte und sich gegenseitig in einen Hinterhalt lockten.

Pratchett nimmt auch immer wieder Bezug auf Rassismus, den er allerdings als Speziezismus bezeichnet. Neben dem Troll-Zwerg-Konflikt gibt es Angst vor den Golems, die den Leuten die Arbeit weggenehmen würden, die Vampire und Werwölfe, die herumlaufen wie „richtige Menschen“ („They walk around like real people!“).

Kulturelle Konflikte werden in Ankh-Morpork meistens über die Zwerge vermittelt. Während die „Deep Downer“ lieber unter der Stadt in Minen und Schächten bleiben gibt es plötzlich moderne Zwerge die sich an die Kultur in Ankh-Morpork anpassen. Und es gibt sogar Zwerginnen! Die Zwerge, die zuvor eine Kultur lebten in der das Geschlecht privat war, sehen sich auf einmal Weiblichkeit ausgesetzt.

Oh. Und natürlich Feminismus. Während in Monstrous Regiment Frauen versteckt an der Front kämpfen zeichnet sich in diversen Büchern (Equal Rites, Making Money) ein mehr oder weniger subtiler Feminismus ab. Überhaupt hat Pratchett ein Faible für starke Frauenfiguren, wie sich an den Hexen-Romanen gut zeigen lässt, in denen Hexen überall ihre Nase reinstecken. Im Grunde sind es aber immer Frauen, die einfach „ihr Ding“ machen, unbeirrt von Konventionen.

Der wütende Pegida-Mob, wie er hier durch die Lande zieht, er könnte aus einem Pratchettbuch stammen. Genau so, eine Ironie ihrer selbst, hätte er sie beschrieben.

 

„The Devil hardly ever made anyone do anything. He didn’t have to.“

 

 

*Wobei Fünf-Uhr-Tee eine sehr gute Erfindung ist.

Sischer dat!

Es ist glaube ich schon ein Jahr, da wurden die Schutzkittel im Lager ersetzt durch neue Modelle. Früher gab es Herren- und Damenkittel getrennt. Die Damenkittel waren tailliert, hatten kürzere Ärmel und waren aus irgendeinem Grund auch etwas länger. Beide Kittel hatten normale Plastikknöpfe, bei denen sich zuerst der Knopf auf Hüfthöhe, dann der am Bauchnabel verabschiedete. Nach der ersten Wäsche hatte man Farbflecken und auch gerne mal ein paar Löcher. Es geht so weit, dass der rechte Ärmel einer meiner Kittel am Ellenbogen fast komplett gerissen ist.

Jetzt gibt es Unisex-Kittel. Sie haben Druckknöpfe statt normaler Knöpfe. Was eventuell als Zuwachs von Sicherheit gemeint war ist jetzt eigentlich ein neues Risiko. Vielleicht hat man es sich so vorgestellt, dass man den Kittel im Falle des Falles wie Superman vom Leib reißen könne (was bei den alten Kitteln auch möglich gewesen wäre, nur sind dann eben die Knöpfe ab). Leider springt der Kittel auch von alleine auf. Zusätzlich sind die Ärmel für Frauen zu lang und zu weit. Sie schlackern so sehr, dass einige sie sich mit Tape festkleben müssen, damit er nicht sofort überall drin hängt. Sowieso ist der Kittel an der Brust zu weit und hängt einfach nur wie ein Sack. Bei Männern wie Frauen.

Ich mag ja eigentlich Kittel. Ich muss im S2 Bereich einen tragen. In der S1- Forschung muss der Kittel nur „griffbereit“ sein. Der Kittel hat viele Taschen – auch wenn die Brusttasche bei der großbusigen Fraktion nicht für Stifte geeinget sind, denn sie ist dann beim Vornüberbeugen eine Rutschbahn. Aber Taschen sind gut. Ich habe immer ein paar frische Handschuhe einstecken, Stifte, manchmal Taschenrechner, Zettel. Auch Schlüssel, Handy und iPod wollen verstaut werden.

Jetzt kam eine weitere Neuerung dazu. Weil Latexhandschuhe zu unsicher sind – sie lassen einige Chemikalien durch – wird jetzt auf Nitril umgestellt. Ich mag Nitrilhandschuhe, sie geben ein angenehmeres Gefühl. Aber sie sind weniger elastisch und viel teurer. Meine Lieblingshandschuhe wurden abgeschafft. Die sind mit Aloe Vera und Vitamin E versehen und haben meine Hände immer so unglaublich gepflegt dass ich weder beim Klettern noch beim Rudern ordentlich Hornhaut ansetzen konnte. Meine Hände sind dafür wirklich sehr weich. Stattdessen gibt es nur noch ein Latexhandschuhmodell. Auf das jetzt alle zurückgreifen werden. Denn in den meisten Fällen der biologischen Arbeit schützt man eher die Proben vor den eigenen Pfoten als die Pfoten vor bösen Chemikalien. Diese Handschuhe sind so glatt, dass mir beinhae die Pipette aus der Hand gefallen wäre. Ich konnte keine Eppis mehr schließen, weil ich abrutschte.

Ich werde dann halt jetzt für die verbleibenden Tage Nitrilhandschuhe tragen. Die sind wenigstens schön blau.

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T-24

Im Rahmen meines Adventkalender gibt es von nun an – wenn ich es nicht vergesse – ihr einen musikalischen Countdown mit Liedern die auf meinem iPod sind. Es bezieht nicht unbedingt auf den Text, noch unbedingt auf aktuelle Ereignisse.

#Shirtstorm reloaded

Es gibt zu dem Artikel zuletzt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Auch zu dem Hemd nicht. Aber die Reaktionen haben sich in letzter Zeit aufgeschaukelt. Ich lesen immer wieder Posts, in dem Matt Taylor als Held gefeiert wird. Ich lese immer wieder Posts, wo überkritische Feministinnen abgewatscht werden.

Wenn dies der Beginn sein soll, da wir aufhören, Menschen aufgrund ihrer Kleidung zu verurteilen – egal welchen Geschlechts – dann ist alles gut. Ich befürchte aber, der Punkt ist nicht ganz rübergekommen.

Kleidung ist, vor allem im Beruf, kein einfaches Thema. Kleidung sendet immer eine Message. Und gerade für Frauen scheint es doch nicht so leicht zu sein, die „richtige“ Kleidung zu tragen. Hinter dem Rücken von Frauen wird doch eher über den zu engen Rock geredet, als über das zu enge Hemd eines Mannes. Ich finde wir sollten lernen das zu lassen.

Ich glaube was es schwierig macht, ist das Männer mit einem Anzug einfach immer gut fahren, egal was der Anlass ist. Die Frau hat es da schwerer. Ein Hosenanzug? Mannsweib! Ein Kostüm? Zu weiblich! Ein Kleid? Um Himmels Willen, ist doch keine Party hier!

Übertreibe ich? Möglich. Ich persönlich komme selten in den Genuss solcher Kritik. Nur einmal, da ging es eigentlich gar nicht um Kleidung: Ich trage meine langen Haare immer im Dutt (nicht diese Teletubby-Dödel auf dem Kopf, sondern elegante Knoten). Mit langen Haaren meine ich nicht Schulter-, oder vielleicht Brustlänge, ich meine einen ganzen Meter Haare. Ein Dutt ist praktisch, verteilt das Gewicht gut und sieht schick aus. Offene Haare trage ich quasi nie. Aber sie geben mir manchmal ein Gefühl von Sicherheit, wenn sie so auf dem Rücken liegen. Die Verteidigung meiner Masterarbeit wollte ich daher mit offenen Haaren machen. Meine Freundinnen schrien auf. „Nein, nein, das wirkt doch total unprofessionell!“ „Aber du hattest doch auch offene Haare bei deiner Verteidigung?“ „Na, bei mir ist das was anderes!“

Vielleicht hätte ich das damals machen sollen. Vielleicht hätte ich es auch lassen sollen. Vielleicht hätte ich einfach tun sollen was auch immer ich wollte. Mich nicht drum scheren sollen, was andere sagen, denn erst wenn es uns am Arsch vorbei geht wird man damit aufhören. Und einfach mal lernen, auf die Person zu achten.

Was mich ein bisschen gütlich stimmt? Nachdem eine Dame namens Kim Kardashian mit ihrem durchoperierten Körper ganz ohne Kleidung versuchte, das Internet zu zerstören, begannen diverse Leute, es zu reparieren. Und sie posteten Bilder von Frauen, die durch Intelligenz, Mut, Talent und Nächstenliebe die Welt verändert haben. Besonders berührt hat mich dieses hier

Bis der Gaul tot ist.

Ich habe schonmal über den Prinzipienreiter beim Ruderclub geschrieben. Hier kommt Folge 2.

Ja, es gibt beim Rudern klare Kommandos. Die wichtigsten sind Ruder halt und Ruder ab. Dann ist man schon mal als Steuermann ziemlich gut dabei. Wenn man dann noch Sachen wie „Wende über Backbord“ sagen kann ist das schon klasse. Die meisten im Ruderkurs können das nicht. Sie sagen dann so Sachen wie „und los!“ oder „Jetzt mehr grün!“

Mir ist das relativ egal, solange die Anweisungen klar sind. Viele der Ruderer sind noch ziemliche Anfänger oder nur ein paar Jahre dabei. Es ist wichtiger gut zu rudern. Zumal der Kommandoton nicht jedem liegt. „Würdet ihr bitte etwas mehr auf Steu? Vielleicht könnten wir mal ne Wende fahren?“

Der Prinzipienreiter wurde diesmal in das gleiche Boot wie ich eingeteilt. Ich hatte das eigentlich zu vermeiden versucht. Schon als ich das erste mal im Winterrudern war, hatte er mehrfach blöde Kommentare abgegeben, weil ich noch nicht so gut war. Ich drehte ihm zu spät auf, ich war zu schnell auf der Rollbahn, ich wusste nicht wie man auf dem Wasser Positionen tauscht und ich hatte Schiss vorm Steuern. Er ging damals auch nicht darauf ein, dass ich ja noch neu war, sondern blieb beharrlich dabei dass ich es einfach zu können habe. Damals nahm mich ein anderer  in Schutz, das war sehr süß.

Heute kann man mir in diesem Kurs nicht mehr soviel zeigen. Offensichtlich funktionieren meine Ansagen auch schon so gut, dass sich die Trainer auf mein Wort verlassen, was heute zu einer kleinen Verwirrung führte. Ich glaubte, alle vier Boote seien schon verteilt worden und wir wollten zu dritt einen Dreier fahren. Wir sagten das der Trainerin. Dann kam aber eine vierte Person dazu und wir fragten dann die Trainerin ob sie uns im Vierer steuern könnte. Die meinte, sie wisse nicht, ob überhaupt genug Vierer da seien. Ich meinte dann, wir hätten vom benachbarten Ruderclub auch schon mal einen Vierer geliehen, ob das denn ginge. Brav fragte die Trainerin nebenan nach und wir durften den Vierer haben. Das wäre alles ganz toll gewesen, wenn nicht eines unserer eigenen Boote übrigen geblieben wäre. Die Trainerin kam danach zu mir und meinte: „Wir müssen da schon besser drauf achten! Das geht so ja nicht!“ Ich war verwirrt, hatte ich denn da irgendeine Verantwortung übernommen? „Ähm, aber ich kann doch nichts dafür wenn du nicht weißt welche Boote verteilt wurden?!“ „Ja, aber wir müssen da in Zukuft besser drauf achten.“

Aber zurück zum Prinzipienreiter. Der dann plötzlich bei uns im Boot saß, weil die Trainerin das Boot für das er eigentlich eingeteilt war, selbst steuern wollte. Ein neues Gesicht im Ruderkurs, eine junge Frau, nennen wir sie Maike, erklärte sich bereit, als erste zu Steuern, auch wenn sie es noch nicht so oft gemacht hatte. Prinzipienreiter kam direkt auf sie zu: „Kennst du denn die Kommandos?“

„Noch nicht so gut, aber ich werds schon lernen.“ sagte sie.

„Das ist aber wichtig!“ entgegnete er.

„Ich kann ihr ja ein bisschen dabei helfen, ich sitze doch eh auf Schlag [*und ihr daher direkt gegenüber*]“, sagte ich.

Wir machten uns also fertig um abzulegen. „Jetzt sagst zu ‚Mannschaft bereit machen zum einsteigen‘, sagte ich.“

Sie tat wie geheißen. Wir stiegen mit einem Fuß ins Boot.

„Jetzt ‚Mannschaft stößt ab'“, erläuterte ich wieder.

Sie kommandierte und wir stießen uns vom Steg.

Ein paar Skullschläge weiter meinte ich: „Jetzt machen wir kurz Ruder Halt und stellen ein.“

„Ruuuuder halt!“, kommandierte Maike, schon etwas sicherer.

Wir begannen an diversen Schrauben herumzudrehen und ich half der Frau hinter mir bei einem besondern unbeweglichen Exemplar. Die Steuerfrau mischte sich in unsere Unterhaltung mit ein um zu ergründen, was das Problem war.

„Jetzt kommt aber ein ganz wichtiges Kommando“, sagte Prinzipienreiter, vollkommen unpassend, während wir noch am Schrauben waren. „Jetzt musst du sagten ‚Fertigmeldung aus dem Bug! Das ist sehr wichtig! Und dann antworten wir ‚Eins bereit‘, ‚zwei bereit'“…“

Ich weiß nicht weshalb er dieses Kommando so liebt. Eventuell onaniert er nachts dazu. Vielleicht kam er in der Schule nicht oft genug dran und will das irgendwie mit einer Fertigmeldung aus dem Bug kompensieren. Es ist schließlich das einzige Kommando in gesteuerten Booten, bei dem die Ruderer selbst etwas sagen.

Auf jeden Fall unterbrach ich kurz meine Schraubertätigkeit. „Das machen wir auch gleich, aber sie sieht doch dass wir nicht bereit sind.“

„Das ist aber wichtig! Das heißt ‚Fertigmeldung aus dem Bug‘ und dann geht man von 1 durch bis wohin auch immer das Boot geht. Dann passt das auch für Achter und Fünfer.“

„Das tut doch jetzt überhaupt nichts zur Sache!“, ich war schon gereizt.

„Es ist aber wichtig. Die Kommandos sind wichtig. Es heißt ‚Fertigmeldung aus…“

„Ja, HERRGOTT! Wir sind noch nicht soweit! Wir machen das gleich und jetzt sei endlich still!“ Ja, ich war genervt. Und wäre ein Ruderboot nicht so eine wackelige Angelegenheit, ich hätte vielleicht versucht ihn aus dem Boot zu werfen.

Da sitzt diese junge Frau, sie kennt sich noch nicht gut aus und er versucht gleich sie mit Lapalien auf sie niederzuprasseln?

Ich habe keinen Bock mehr auf so Typen (m/w). Ich habe keinen Bock mehr, mir übers Maul fahren zu lassen. Ich habe keine Bock darauf, dass man mein Können – vor allem wenn es darum geht andere in etwas anzuweisen – in Frage stellt. Ich habe keine Geduld mehr, wenn diese Typen  Unerfahrenere aus dem Konzept bringen, selbst wenn sie es gut meinen. Es löst nur Selbstzweifel aus.  Ständiges Reinquatschen irritiert. Es demotiviert. Und in meiner Gegenwart werde ich sowas jetzt unterbinden.

Herzlich Willkommen, mein neuer Erzfeind. So können Sie mich in unter einer Sekunde auf die Palme bringen.

Ihr persönliches Horoskop nach C.G. Jung

Ich nahm heute an einem Stärken/Schwächen-Seminar teil. Es wurde im Rahmen der Weiterbildung angeboten und mich interessierte vor allem, an welchen Modellen sich Recruiter und Personaler so orientieren. Es wurde zusätzlich angeboten, sich für ein nettes Sümmchen Geld, ein eigenes, individuelles Profil anfertigen zu lassen und dann in einem persönlichen Gespräch über sein eigenes Profil aufgeklärt zu werden.

Der nette, charmante Mann Ende 30 begann mit einer Typeneinordnung nach C.G. Jung.  C. G. Jung. Ähm. Das kam mir irgendwie seltsam vor. Es mag sein dass das alles gut und fein ist und ich es nur nicht verstehe. Es ging um 4 verschiedene Farben: Rote, aggresiv-effektive Direktoren, gelbe sonnig-freudige Moderatoren, grüne einfühlsam-freundliche Berater und blaue kühle Analytiker.

Ich erkannte schon die sich gegenüberstehenden Typen und vor allem die Mobilität die zwischen den Typen besteht. Und dass in der Forschung vor allem in nur einer Richtung zu denken lernt.

Aber dieser lustige Fragebogen den man vorher ausfüllen sollte war viel zu offensichtlich. Es gab immer wieder die Wahl zwischen dem Aggressor, dem Naturliebhaber, dem Weltverbesserer und dem Spaßmenschen. Als dann eine Broschüre herumging, in der man sich anschauen konnte wie so eine individuelle Analyse aussehen würde, sah ich eigentlich nur eine Art elaboriertes, mit Graphen versehenes Horoskop.

Ich hatte mir von Anfang an gedacht, dass ich keine Auswertung wollte, schon vor dem Seminar. Schon anhand des Fragebogens war mir klar, dass ich eigentlich nicht ins das Schema passte und wenn dann einer der Mischtypen wäre. Hm. Das klang mir dann alles zu sehr nach „Sie sind sehr zielstrebig, aber manchmal verzichten sie auch um das Große Ganze zu wahren“ oder so, was ich in jeder Illustrierten für mein Sternzeichen nachlesen kann.

Aber immerhin weiß ich jetzt wie Recruiter anscheinend versuchen, jemanden einzuschätzen.

Tja, sollen sie es hier nachlesen:

Tageshoroskop für den 06.11.2014

 Einerseits denken Sie heute etwas kleinkariert, andererseits erwarten Sie zu viel von neuen Perspektiven und/oder anderen Menschen. Die Kunst besteht allerdings darin, Ihren persönlichen bzw. beruflichen Vorteil zu erkennen und dann vernünftig und weitsichtig zu handeln. Also: Lassen Sie sich keine Chancen entgehen, heben Sie aber auch nicht ab.
Mein heutiges Tageshoroskop, abgerufen bei http://www.noeastro.de

Disorganizer

Heute hatte ich meinen Termin zum Beratungsgespräch beim Arbeitsamt. Ich kenn mich was sowas angeht nicht aus. Ich bin ein Mädchen aus dem Bildungsbürgertum, wir kennen das nicht. Theoretisch hätte ich mich für den einen Monat zwischen Masterarbeit und Doktorarbeit arbeitslos melden können, dann hätte ich für einen Monat Harz4 bekommen. Aber das hatte ich damals nicht so auf dem Schirm.

Gestern abend fiel mir noch ein, dass ich mir für den Termin ja noch den Lebenslauf ausdrucken musste. Ich dachte, ich mache das einfach morgens früh und stehe ein wenig früher auf. Wider Erwarten war ich rechtzeitig auf den Beinen, hatte auch schon einen Kaffee parat, öffnete das Dokument, editierte noch schnell etwas und drückte auf Drucken.

Mein Drucker entschied sich, den Lebenslauf in rot auszudrucken. Warum auch immer, denn er meckerte gleichzeitig, dass die rote Patrone leer wäre. Ich habe vorgesorgt und bestelle ab und an beim Kistenschieber neue Patronen, ging da bislang also nie auf dem Trockenen, und wechselte daher rasch die Patrone aus. Der Drucker fand nun das Papier nicht mehr. Nachdem ich noch etwas mehr Papier eingelegt hatte, blinkte die schwarze Patrone auf, sie sei leer. Der Drucker hat zwei schwarze Patronen, aber ich will ihn ja glücklich machen und tauschte daher auch die schwarze aus. Dabei bemerkte ich, dass die schwarze Patrone eigentlich noch recht voll war. Wurscht, alles muss raus. Schließlich erbarmte sich der Drucker dann doch, ich erhielt meinen Lebenslauf, die Welt war schön und ich musste ihn nur zu dem Fragebogen leg…

Der Fragebogen. Den hatte ich vergessen auszufüllen. Herrgott! Schnell zückte ich den Kuli, Kreuzte wild Dinge an. Bin ich belastbar? Flexibel? Kann ich Entscheidungen treffen?! EGAL! Und was waren meine Fähigkeiten? Ich dachte kurz nach, nahm einen Schluck Kaffee aus der Tasse und… verschüttete ihn auf das Dokument.

Ja. Hm. Das ging ja gut los. Und schon erinnerte mich mein Handy daran, dass es Zeit war aufzubrechen. Ich schwang mich aufs Rad, kam beim Amt an und war erstmal verwirrte. Konnte ich direkt zu meinem Termin gehen? Da standen viele Menschen in einer Schlange. Vielleicht stelle ich mich einfach mal an.

Nach einigen Minuten stand ich bei der Frau am Schalter, die mich verblüfft ansah. „Sie haben doch einen Termin. Gehen Sie direkt dahin.“ Sie beschrieb mir noch kurz wo der Raum war.

Jetzt stand ich vor der Tür. Aber geht man da einfach rein? Klopft man an? Oder wartet man bis man aufgerufen wird? Als die ersten paar Minuten nichts passierte und der Gang leer blieb, entschloss ich mich, doch anzuklopfen.

Das Gespräch verlief gut und nett. Es war sogar recht informativ und der werte Mann verstand etwas von meinem Fach. Allerdings hätte er besser Kindergärtner werden sollen. Er lächelte durchgehend und war so unglaublich geduldig dass ich nach einer Weile in Erwägung zog zu fragen, ob nun Zeit für den Mittagsschlaf war.

Das war ein sehr verkorkster Morgen für mich. Ich mag das nicht. Ich war noch den ganzen Tag durch den Wind, vor allem weil der Tag dann noch von einem Lab-Meeting zerrisschen wurde und ich eine halbe Stunde auf ein Gespräch mit dem Chef warten musste was an sich dann nur fünf Minuten dauerte. In der Zeit konnte ich natürlich nichts neues anfangen, geschweige denn zumindest entspannt irgendwo warten, weil ich nicht wusste wie lange das Vorgängermeeting dauern würde.

Ja. So. Ich bin inzwischen wieder ruhig, ein paar wichtige Dinge wurden da erledigt und ein paar weitere wichtige Dinge kommen die Woche noch.

Morgen wird besser.

Platzhirsche

In 10:00

In dem kleinen Büroräumchen in dem ich mir vor nichtmal 6 Wochen einen Schreibplatz ergattert habe, arbeiten 7 Leute. Es ist, arbeitshygienisch so unangenehm wie nur möglich gestaltet, mit den PCs an der Wand und dem Rücken zu den Kollegen. Gleichzeitig öffnet sich die Tür sehr geräuschvoll weil sie zu eng über dem Teppichboden liegt. Dann ist hier auch noch der Schrank, in dem alle ihre Wasserflaschen aufbewahren, das heißt, ca 20 Leute kommen hier in 10-20 Minuten Abständen rein um etwas zu trinken. Die Schreibplätze gehören den verschiedenen Abteilungen auf dem Stockwerk. 2 der Abteilung A, 2 der Abteilung B, 2 der Abteilung C und einer uns.

Der Chef von Abteilung A kommt jeden morgen herein und hängt seine Jacke über den Stuhl eines der beiden Arbeitsplätze, welcher derzeit unbelegt ist. Dann geht er wieder. Abends kommt er wieder herein, nimmt sich seine Jacke und geht.

Die neue Doktorandin von B wurde direkt an einen Computer gesetzt der aber A gehört. Weil das ja nicht geht wurde sie an den Computer des Bufdis gesetzt, weil der ja gekündigt hatte. Der Bufdi saß danach an dem nie-besetzten Computer von C, einem Mac, den nur Leute mit Mac-Account verwenden können. Er sagte dazu nie etwas und mittlerweile ist er ja auch schon wieder weg.

Dieser Mac war lange Zeit Ablageplatz aller anderen. Er ist direkt neben meinem Platz mit unserem Computer. Heute früh fand ich den gesamten Müll von diesem Mac-Platz auf meinem Platz wieder. Außerdem kam der Chef von Abteilung C direkt an und echauffierte sich, ich würde an einem Platz von Abteilung C sitzen. Ich erklärte, dass ich eh nicht mehr lange da sein würde und doch eh nie jemand am Mac sitzen würde. Aber anscheinend hat Chef C nun mehr Praktikanten eingestellt als es Arbeitsplätze gibt.

Es kam schließlich heraus, dass mein Computer am falschen Platz steht und ich eigentlich an den Platz des Bufdis gehen müsste. Demnächst wird in der Besprechung der Laborleiter besprochen, wer wo sitzen darf.

Ich nehme dann mal demnächst mein Handtuch mit.

Out: 23:00