Kindheit

Weil jedes Leben zählt

Mit den neuen Tests ist es einfacher, genetische Krankheiten bereits vor der Geburt zu diagnostizieren. Das stand so heute im Internet.

Wir reden von Töten, wir reden von ungewollten Kindern. Während wir aber verächtlich auf jene blicken, die einen Embryo oder einen Fötus mit Behinderung haben abtreiben lassen schauen wir genauso verächtlich auf jene Kinder, die blieben. Und auf ihre Eltern.

Wir haben keine Inklusion. Wir schieben Menschen mit Behinderung ab, wir sondern sie aus. Überall wird ihnen das Leben schwer gemacht. Ob das nun nicht Behinderten-gerechte Straßenbahnen sind oder Touchscreenautomaten die Blinde nicht bedienen können. Gerade erst haben wir bemerkt dass das falsch ist und gerade erst haben wir begonnen etwas zu ändern.

Ich saß in einer Klasse mit einem Mädchen im Rollstuhl. Sie war/ist sehr nett. Ich habe als ihre Banknachbarin und lange auch Freundin viel von ihrem Leben mitbekommen. Ich weiß, dass sie Tena Lady benutzt hat, wenn der Schultag lang war. Dass sie ihre Hüft-OP auf die Klassenfahrt gelegt hat. Dass sie in Freistunden nicht „mal eben“ dahin konnte wohin sie wollte, weil überall Treppen, Türen, $Hürden waren. Wir hatten keinen Aufzug zu den Fachräumen und mussten sie dort hochtragen. Das sollte ja wohl kein Problem sein? Versetzt euch da einmal in ihre Lage, bitte.

Mein Cousin hat das Down-Syndrom. Er ist ein liebenswerter, toller Mensch. Ich habe ihn sehr gern. Als seine Mutter ihn gebar, hetzte ihr Schwiegervater gegen sie, es sei ihre Schuld. Ihr Mann sagte zu mir mal – in einem anderen Zusammenhang – „Wo kommen wir denn hin, wenn wir unsere eigenen Kinder töten?“. Ja, wo kommen wir dann hin? Und das sagt er, nach über 30 Jahren mit einem Kind mit Behinderung. Während seine jüngeren Geschwister aus dem Haus sind, studieren, die Welt bereisen, braucht mein Cousin dieselbe Zuwendung wie als er fünf war. Und die wird er weiterhin brauchen. Jeden. Einzelnen. Tag.

Denkt da jemand dran? Wer hilft da? Was ist mit dem Leben der Eltern? Was mit dem der Geschwister? Ja, das ist eine provokante Frage. Jeder muss sie für sich selbst beantworten. Mein Onkel und meine Tante haben das bereits.

Vor ca 35 Jahren las meine Mutter eine Anzeige in der Zeitung. „Mutter mit behindertem Kind sucht Freundin.“ Oder so. Sie schrieb die Anzeige, weil sie 24 Stunden am Tag mit der Pflege des Kindes beschäftigt war und keine Zeit hatte andere Mütter kennenzulernen. Meine Mutter beantwortete die Anfrage. Sie sind bis heute gut befreundet. Der Sohn dieser Freundin liegt nur da. Und schreit. Ich weiß nicht genau was er hat. Und nachdem sich diese Freundin endlich von ihrem schlagenden Mann getrennt hat ist sie nun alleinerziehend. Mit drei Söhnen, zwei aus dem Haus, einer wird für immer bleiben. Wer hilft ihr denn?

Ich finde es heuchlerisch, auf Eltern zu hetzen die ein Kind mit Behinderung abgetrieben haben, wenn wir keine Gesellschaft sind die Menschen mit Behinderungen und deren Eltern willkommen heißt.

Kinder mit Behinderungen sind nicht nur die drolligen kleinen Knubbel. Sie brauchen Liebe, sie brauchen Pflege. Sie brauchen Aufopferung. Sie werden mehr als andere Kinder im Krankenhaus sein, mehr als andere Kinder der Missgunst anderer ausgesetzt sein, mehr Probleme haben in allen Bereichen.

Wir könnten da sehr einfach viel ändern.

Wir sollten damit anfangen, nicht zu urteilen.

Schweizer Taschenmesser-Fähigkeiten

Als ich noch sehr klein war wollte ich ein Schnitzmesser haben so wie Michel aus Lönneberga. Ich bekam ein schweizer Taschenmesser. Ein richtiges. Ich glaube, ich war noch nicht mal in der Schule. Ich hab es direkt verloren, bekam aber irgendwann ein neues geschenkt. Ich schnitzte damit an Stöcken herum, bohrte und sägte.

Ich besitze immer noch ein Schweizer Taschenmesser. Es ist in meiner Handtasche. Handtaschen nehme ich allerdings nur außerhalb der Arbeit mit, daher habe ich es nicht immer dabei. Außerdem brauche ich jetzt andere Dinge davon. Die Schere, um mir mal kurz vorm Bouldern die Nägel zu schneiden. Den Korkenzieher und den kleinen Einsatz darin, um Schrauben an meiner Brille festzuziehen. Den Flaschen- und den Dosenöffner. Die Schraubenzieher um mal eben unterwegs etwas am Rad zu richten.

Auch wenn ich mein Taschenmesser für viele Dinge benutzen kann, benötige ich doch Werkzeug. Ich hab den wichtigsten Kram da und für anderen Kram frag ich meinen Mitbewohner, weil ich das nicht so oft brauche. Ich habe aber diverses Spezialwerkzeug: Fahrradwerkzeug zum Beispiel. Und Minischraubenzieher für Laptops und andere Technik. Und den Kram der mit der Nähmaschine mitgeliefert wurde.

Ich kam heute in einer Konversation auf den Terminus „Schweizer Taschenmesser-Fähigkeiten“. Das sind Universalfähigkeiten, die man gebrauchen kann, egal was man macht.

Sprachen gehören zum Beispiel dazu. Sprachen sind wichtig. Je mehr man kann, desto besser.

Anpassungsfähigkeit. War man mal im Ausland? Bei einem Austausch? Ist man mal alleine ins kalte Wasser gesprungen?

Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Organisationsfähigkeit.

Die Art wie wir diese Fähigkeiten anweden, ist unterschiedlich. Wir können unsere Anpassungsfähigkeit brauchen, weil wir uns als Berater immer auf individuelle Kunden einstellen müssen oder weil wir als Vertreter viel reisen.

Das Spezialwerkzeug ist ebenso wichtig. Aber es erfüllt eben nur einen Zweck. Bei mir ist das nunmal Biowissenschaft, bei anderen ist es was anderes. Manchmal lässt sich das zweckentfremden, so wie ich mit meinen Minischraubenziehern auch schon Koffer repariert  und mit meinem Fahrradwerkzeug Ikea-Möbel auseinander genommen habe. Aber man braucht da wieder andere, neue Werkzeuge, die dazukommen müssen.

Das Taschenmesser hat man immer dabei.

Muttivation

Disclaimer: Wer den Rollen „Mutter“ und „Vater“ biologische Geschlechter zuschreibt, der könnte diesen Text als sexistisch empfinden. Ehrlich gesagt ist mir das ziemlich schnuppe. 🙂

Es gibt da eine Person, die hat sich von Anfang an um dein leibliches Wohl gekümmert. Sie bot dir die ersten neun Monate deines Lebens Kost und Logie, dann musstest du zwar ausziehen, aber schön warme Milch und Haferbrei bis zum Abwinken gab es weiterhin. Sie erfüllte die meisten der grundlegenden Maslow’schen Bedürfnisse – außer Sex und W-LAN. Und wenn man Glück hat, ist sie noch sehr lange diejenige, die dich daran erinnert, auf diese grundlegenden Bedürfnisse selbst zu achten.

In meinem Fall hat meine Mutter die Erziehung übernommen.

Erziehung ist soviel mehr als aufziehen. Es gibt eine gewisse Richtung vor. Ich habe es gehasst. Ich wollte schon immer unabhängig sein, ich wollte alles selbst können und selbst herausfinden. Erziehung war mir dabei im Weg. Aber meine Mutter war streng. Wenn ich etwas geholt hatte, sollte ich es auch wieder wegstellen. Wenn ich in den Keller ging, sollte ich auch gleich noch Mehl mitbringen. Wenn etwas dreckig war musste man es sofort sauber machen.

Das sind sehr simple Konzepte, ich habe aber gemerkt, dass eben dies für viele Menschen gar nicht so einfach ist. Ich habe es von der Pieke auf gelernt. Selbst im Labor gestalte ich Arbeitsschritte in meinem Kopf möglichst günstig, zeitsparend und praktisch. Ich habe durch meine Erziehung einen Sinn für Details bekommen, ich sehe schnell Dinge die nicht in Muster passen.

Heute waren wir in einer Theatervorstellung. Dem Vorführenden stand etwas unglücklich ein Haar ab. Meine Schwestern und ich unterhielten uns in der Pause darüber und es war lustig dass uns allen dreien dieses Detail aufgefallen war. Eine „Schuldige“ hatten wir schnell ausgemacht, deren Erziehung uns zu diesen pedantischen kleinen Perfektionisten gemacht hatte.

„Ach“, sagte die, etwas beledigt. „Erzieht euch doch selber.“

Die Geschichte vom Dachs

Zum Tode des Mauszeichners Friedrich Streich gab es heute in der Maus sehr offensichtlich eine Planänderung. Zum einen wurde der Mauszeichner selbst – in feschen Schlaghosen der 70er – gezeigt, zum anderen zeigten sie die „Geschichte vom Dachs“, die sonst oft am Totensonntag gezeigt wird.

In der Geschichte ist der Dachs schon sehr alt und schwach. Eines abends schläft er ein und geht „den langen Tunnel“ mit einem hellen Licht am Ende. Als die Tiere des Waldes vom Tod des Dachs erfahren trauern sie den ganzen Winter über. Doch als sie Geschichten über den Dachs auszutauschen wird er für sie auf eine gewisse Art und Weise doch wieder lebendig. Er hat ihnen alles entwas beigebracht und wird so immer in ihrer Erinnerung bleiben.

Ich finde diese Geschichte, wie sie mit dem Thema Tod umgeht, sehr angenehm und liebevoll. Sie lässt viele Fragen offen, aber der Tod lässt nunmal viele Fragen offen. Und sie nimmt nicht die Angst vor dem Tod – wie soll sie auch? Aber sie weist einen Weg auf, mit dem Tod geliebter Menschen umzugehen.

Als ich noch sehr klein war, gerade mal 3, starb mein Opa. Das war meine erste Erfahrung mit dem Tod, danach folgte lange keine weitere. Bevor er starb habe ich ihn noch besucht, aber ich verbinde diesen Besuch nur noch mit großer Angst. Angst vor einem Menschen, der sehr, sehr krank war. Bei dem jeder wusste, dass es bald vorbei sein würde. Auch als Kleinkind habe ich das gespürt. Ich weiß noch, dass ich mich zwischen den Beinen meines Vaters verstecken wollte. Dass ich den Kuschelhasen fest umklammerte. Und dass er die Hand nach mir ausstreckte. „Du brauchst doch keine Angst haben“, sagte er,

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern wie man mir erklärte, dass mein Opa nun tot war. Ich weiß aber, dass ich nicht auf der Beerdigung war. Und dass ich der festen Überzeugung war, dass die Engel ihn „geholt“ hätten. Ich fasste den Entschluss, dass ich, wenn die Engel mich einmal holen sollten, mich an der Dachrinne festhalten würde damit ich hier bleiben muss. Und ich fragte mich, wieso ein kluger Mann wie mein Opa das nicht getan hatte.

Heute ist diese Idee natürlich albern.

Lächeln

In 9:15

Ich weiß nicht wieso ich in letzter Zeit so viel an meine Kindheit denke. Aber irgendwie tue ich das. Meine Religionlehrerin in der Grundschule ermutigte uns damals, fremden Menschen Lächeln zu schenken. Ob den Kassierern an der Kasse oder den Passanten oder wem auch immer. Ich habe mir das dann wirklich antrainiert. So sehr bis ich ein freundliches, offenes, ansteckendes Lächeln hatte. Es wurde zur Routine, irgendwann merkte ich es nicht mehr, es gehörte einfach dazu.

Bei einem Praktikum begrüßte mich meine Betreuerin irgendwann einmal mit „Na du Sonnenscheinchen?“. Ich war verdutzt und fragte sie, weshalb sie mich so nannte. Sie sagte: „Naja, du bist doch immer gut gelaunt und lächelst immer. Ich finde das passt zu dir.“ Gut gelaunt? Nein, eigentlich bin ich eher ein grummeliger Mensch, sarkastisch, zynisch, morbide. Oder?

Man hat mal herausgefunden, der Vorgang des Lächelns an sich erzeugt in einem selbst genau so positive Stimmung wie wenn man angelächelt wird. Macht man sich da nicht aber selbst was vor?

Irgendwann in den letzten Wochen wurde es mir zu anstrengend. Ich fand es psychisch anstrengend, Menschen anzulächeln und freundlich zu sein. Es kam mir nicht mehr so leicht über die Lippen. Sozusagen. Und dann sitzt da heute im Wartezimmer beim Arzt ein kleines Mädchen mir gegenüber. Ein Jahr alt vielleicht. Und sie schaut mich mit großen Augen an. Ich schaue sie an und sie legt nachdenklich den Kopf schief. Ich lächle sie an. Sie schaut skeptisch zu mir. Und dann beugt sie sich vor und lächelt zurück. Strahlt über beide Ohren zu mir herüber. Aus glücklichen, großen braunen schaut sie mir minutenlang ins Gesicht. Und wir lächeln uns einfach gegenseitig an. Einfach so. Weil es sich gut anfühlt.

Weil es glücklich macht.

Out: 22:00

Wunschpunsch

In 9:15

Heute ging ein Hashtag rum, #1satz1buch. Dann starb auch noch ein Autor der wohl als einer der wichtigsten Nachkriegsautoren galt. Wir diskutierten beim Mittagessen darüber. Ich fand, wahre Literatur findet man häufig an unverhofften Orten, vor allem aber in der Kinder- und Jugendliteratur. Ich sinnierte ein wenig darüber nach. Was habe ich aus Frau Jenny Treibel mitgenommen? Das ein Satz mehr als eine Seite lang sein kann. Was hat mich Iphigenie auf Tauris gelehrt? Ein wenig griechische Mythologie. Homo Faber hat mir immerhin beigebracht, aus Andeutungen Schlüsse zu ziehen (was ich als Wissenschaftlerin aber niemals tun würde). Schillers Räuber wagen zumindest noch Tabus zu brechen. Shakespeare ist lyrisch und dramaturgisch genial… Aber beeinflusst hat mich nichts davon. Selten haben mich Sätze daraus begleitet, die Themen haben in mir nichts bewegt.

Mein Vater sagt häufig, wir seien Opfer der Schundliteratur. Er meint das scherzhaft, denn er meint genau die Bücher, die er uns damals vorgelesen hat. Ich habe abends vorm Einschlafen Grimms Märchen vorgelesen bekommen. Oder Anstrid Lindgren, Erich Kästner, Max Kruse, Desi Ruge… Oder Michael Ende. Ich könnte zig weitere Beispiele nennen, aber an dem letztem blieb ich irgendwie hängen.

Ende erzählt zum Beispiel die Geschichte von Jim Knopf, auf der Insel Lummerland. Auf der Insel Lummerland gibt es einen Einwohner, der heißt Herr Ärmel. Er wird so beschrieben: „Herr Ärmel war einfach da und wurde regiert.“ Sieht Ende da schon den politikverdrossenen Kleinbürger voraus? Im Gegensatz dazu treffen Lukas und Jim auf einen chinesischen Wächter. Dieser sagt: „Gehorchen ist mein Beruf!“

Lukas entgegnet unbeeindruckt: „Meiner leider nicht.“

Oder nehmen wir Momo. Eine Geschichte, in der es, aus der Ferne betrachtet, um eine Konsumgesellschaft geht in der die Leute vergessen dass sie das Wertvollste im Leben schon längst besitzen: Zeit. Und sie werden zur Eile gedrängt, sie sollen Zeit sparen! Doch die Zeit löst sich in Rauch auf, in den Zigarren der grauen Herren.

Dann wäre da noch Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. Ein Zaubertrank, mit dem man die Welt ins Unglück stürzen kann. Ein Rabe und ein Kater sollen das verhindern, müssen aber erst ihre eigenen Fehler eingestehen. Mir fiel eine „Zutat“ ein, die wichtig für den Zaubertrank ist:

Keine Fragen zu stellen.

Out: 19:40

Einheit

In: 15:39

Anmerkung: Dieses Gespräch fand so ähnlich tatsächlich statt.

Ich erinnere mich kaum an die Wiedervereinigung, ich war damals noch klein und noch nicht mal in der Schule. Aber irgendwann bekam ich bei der Post einen lustigen Sticker mit einem Handschuh drauf geschenkt, der die neuen, fünfstelligen Postleitzahlen bewarb. Wegen der ‘neuen Bundesländer’. Ich hatte von diesen Bundesländern gehört, also so generell, was ein Bundesland ist. Wieso hatte man denn neue gemacht? Verwirrt ging ich zu meinem Vater.

“Papa, was sind denn die neuen Bundesländer?”

“Das sind Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.”

“Und wieso sind die denn neu? Wo kommen die denn her?”

“Die waren eigentlich schon immer da, nur war Deutschland ganz lange geteilt. In West-Deutschland und Ost-Deutschland. Wir wohnen in Westdeutschland. Die neuen Bundesländer sind im Osten.”

“Wieso hat man Deutschland denn geteilt?”

“Ich hab dir ja mal von dem großen Krieg erzählt. Naja und nach dem Krieg wollten die Gewinner alle etwas von der Hauptstadt Berlin abhaben, weil sie glaubten, ohne ein bisschen von der Hauptstadt hätte man nicht richtig gewonnen. In Berlin saßen aber die Russen. Da haben die Amerikaner den Russen ein bisschen Land abgegeben was sie erobert hatten und bekamen dafür ein bisschen Berlin. Aber als man dann nach dem Krieg wieder ein einzelnes Deutschland machen wollte, aus dem amerikanischen, dem britischen, dem französischen und dem russischen Teil, da wollten die Russen das nicht. Sie wollten ein eigenes Deutschland unter ihrer Kontrolle haben. Die DDR. “

“Und dann?”

“Dann gab es ganz lange zwei Deutschlands. Unsere Bundesrepublik, wo wir frei sind überall hin zu fahren, wählen dürfen wer uns regiert und so weiter. Das war in der DDR nicht so. Die Leute durften in viele Länder nicht reisen und es gab nur eine Partei die man wählen konnte.”

“Und wieso sind die Leute nicht abgehauen?”

“Das wollten ganz viele, aber man hat eine große Mauer gebaut und dann ging das nicht mehr.”

“Also war das wie ein Gefängnis? Das muss ja ganz furchtbar gewesen sein.”

“Nicht ganz so. Die Leute haben ja trotzdem noch geheiratet. Und Kinder bekommen. Die Kinder sind zur Schule gegangen und die Eltern waren arbeiten, so wie hier auch.”

“Aber sie durften nicht selbst bestimmen. Hat sich denn niemand dagegen gewehrt?”

“Das war sehr schwierig. Der Staat hat seine Bürger ganz streng überwacht. Und sie konnten sich nicht einfach so versammeln und einen Protest organisieren. Auch die Zeitungen wurden kontrolliert, man wusste also nie so genau was gerade passierte.”

“Also war es doch ein Gefängnis…”