Kollegen

Aufräumen

Gestern wäre ein schöner Tag gewesen um einen „Geschafft“ Beitrag zu schreiben. Und eigentlich hatte ich das auch vor. Aber ich hatte ein bisschen Freiheit wiedergwonnen und wollte das nutzen. Das bedeutet ich hab einen Abend damit verbracht, mit meinem neuen Tablet zu daddeln. Aber der Reihe nach.

Samstag morgens war wie immer Rudern. Das war wirklich angenehm weil wir nicht so viele waren. Dann habe ich mir meinen Traditions-Samstags-Döner geholt, bin auf die Arbeit gefahren, habe ihn dort gefuttert und dann meinen Platz aufgeräumt. Ich habe ja bereits geschrieben wie wichtig so eine Bench im Alltag ist. Sie ist auch sehr personalisiert. Meistens hängen da Comics, auch mal Fotos oder kleine Helferlein. Von diversen Lösungen die man immer wieder braucht hat man eine kleine Abfüllung (ein Aliquot) rumstehen.

Genau diese Lösungen habe ich gestern aussortiert. Was unwichtig und billig war habe ich entsorgt (Wasser, Blot- und SDS-Puffer). Was unwichtig und teurer war habe ich meinen Kolleginnen hingestellt, immer jenen von denen ich meinte sie könnten es am ehesten gebrauchen. Was wichtig und wirklich teuer war kam wieder zurück an den Ursprungsort – das sind meistens Antikörper, Inhibitoren und andere Chemikalien die wir für unsere Versuche brauchen. Das alleine hat eine Stunde gedauert. Dann habe ich grob einige Proben weggeworfen, die ich gewiss nicht mehr brauchen werde. Ein paar Antibiotikatests zum Beispiel.

Ich habe auch die Comics und Fotos entfernt. Alle. Und meine Helferlein habe ich vererbt.

Die Postdoc hat die Antikörper-Tabelle bekommen (von welchem Tier, wieviel, in welcher Lösung…) auf die sie eh häufiger als ich geschaut hat,

Die neue Kollegin bekam meine Gel-Tabelle. Wie man verschieden-prozentige Gele gießt. Denn sie war die einzige die mein System verstand. Meine Codonsonne bekam sie ebenfalls.

Die Azubi bekommt die Markertabelle. Weil sie sich einfach den Marker nicht merken kann.

Eine weitere Kollegin bekommt meine Kristallviolett-Lösungen.

Die Herren gingen derweil leer aus, ich habe einfach nichts was die gebrauchen könnten.

Außerdem habe ich endlich alle meine Aktenordner ins Office gebracht. Da werde ich im neuen Jahr noch aussortieren müssen.

Aber an meiner Bench habe ich die meisten meiner Spuren beseitigt.

Ich habe sie verteilt.

Es fühlt sich gut an.

Zu hause bin ich dann mit Tablet, The Cave und Whisky versackt.

T=0

Weihnachtschreit und Nächstenhiebe

Hui, der Beitrag gestern ging ab wie eine Rakete. Das freut mich. Da scheint Bedarf an medizinisch-ethischen Fragen zu sein, bzw die Zerlegung eben derer. Das freut mich um so mehr (und ich werde das in Erwägung ziehen wenn die heiße Schreiphase rum ist).

Ich komme zu Unerfreulicherem, nämlich der Situation im Labor.

Der Vertrag des gerade promovierten Doktoranden läuft Ende des Jahres aus. Der Chef möchte ihn eigentlich gerne behalten, denn da ist noch eine Revision zu machen. Der Gute hat sich aber auch zu spät arbeitssuchend gemeldet, das beduetet wenn es keine Verlängerung gibt muss er einen Monat mit verkürzten Mitteln rechnen. Und so von heute auf morgen (und kurz vor Weihnachten) arbeitslos zu werden ist ja nun auch nicht gerade nett. Und ich glaube er hat mehr Schiss davor als er zugeben will. Aber er ist der sogenannte Golden Boy. Während sich Kolleginnen zuvor Urlaub zum Lernen nehmen mussten (und von 20 Tagen Urlaub 10 fürs Lernen zu opfern ist schon happig) bekam er einen Monat Zeit dafür, einfach so, als Home Office.

Jetzt regte er sich zurecht über die Situation auf, dass er nicht weiß wie es weiter geht. Und er meinte, wenn er bis Montag nichts von einem Vertrag gehört habe, würde er Urlaub nehmen. Und es sei ja wohl fies, denn er habe noch recht viel Resturlaub. Ich sagte zu ihm, er habe ja 20 Tage „Urlaub“ zum Lernen gehabt. Da wurde er schon schnippisch, er habe ja auch an Revisions gearbeitet. Was überhaupt kein Argument für oder gegen irgendwas ist, ich habe es mehr als Seitenhieb „Du hast ja kein Paper“ verstanden.

Ich habe übrigens 13 Tage Resturlaub in diesem Jahr. Von 20. Ich werde davon natürlich keinen einzigen mehr nehmen Und nein, wir kriegen ihn nicht ausgezahlt. Und nein, es is nicht meine Schuld dass ich kein Paper habe.

Ich weiß nicht was mich daran gerade mehr ärgert: Dass er seinen Frust an mir auslässt, oder dass er, als privilegierter -denn er ist ja bereits promoviert- bei mir rumjammert.

Und die Tatsache dass Leute über ihre Zukunft so im Unklaren gelassen werden regt mich auch auf.

Dann ist da noch die Azubi, die zwischen de ganzen niedlichen Tierbabyvideos und den Whatsapp-Chats wirklich gut arbeitet. Nun möchte sie das auch um die Feiertage herum tun. Bei uns können die Tage um die Feiertage mit Überstunden ausgeglichen werden. Das ist auch das einzige Mal im Jahr dass das geht. Sie möchte aber weder Urlaub nehmen noch Überstunden machen. Als Azubi darf sie aber nicht alleine arbeiten. Sie zwingt also meine Kollegin (im oberen Comic übrigens #2) auch zu kommen, weil diese ihre Betreuerin ist.

Die Krönung des Ganzen ist, dass eben diese Kollegin nicht nur im Labor sondern auch privat mit Arbeit zugemüllt wird. Während ihre Mutter im Krankenhaus liegt und ihr Bruder ja „keine Zeit hat“ ist sie also diejenige die sich kümmert. Der Vater ist anfang des Jahres gestorben, ihre Cousine ist auch schwer krank. Nein, tauschen möchte ich mir ihr nicht.

Ich werde schauen dass ich sie zumindest Montags morgens vertrete oder so.

Beide, der Kollege und die Azubi, sind einfach blind für die Probleme anderer. Hat der Kollege in all dieser Zeit Verständnis für meine Situation gezeigt? Nein, er findet es derzeit sogar lustig weiter zu sticheln. Er kann froh sein, dass es mir gerade am Arsch vorbei geht.

Hat die Azubi auch nur minimalst in Erwägung gezogen, dass die Welt nicht immer so ist, wie sie sie gerne hätte? Nein, sie beschwert sich auch noch wenn sie für ihre Prüfung lernen muss. Sie kann froh sein, dass wir das auf der Arbeit zulassen.

Und wer mich sonst noch aufregt muss ich ja nicht extra sagen. Heute hat er über einen ehemaligen Kollegen hergezogen, als glaube er, wir würden nicht mehr mit dem reden.

T-8

Nekromanten sterben nie

Als ich heute an einem Gerät Messungen gemacht habe, hatte ich nebenher etwas Langeweile. Auf dem dazugehörigen PC läuft noch Windows XP, das bedeutet, dort ist noch ein altes Roaming Profil von mir gespeichert, dass sich mit dem neueren Windows 7 Profil nicht synchronisiert. Ich ging in meine Profildaten und löschte alles was da noch so war, weil ich es ja eh nicht brauchen würde.

Da für jeden Computer beim ersten Login eine lokale Kopie des Roaming Profiles gespeichert wird, also für jeden ein Ordner mit seinem Login-Namen erstellt wird, konnte ich sehen, wer so alles an diesem PC gewesen war. Der ist nun mindestens 10 Jahr alt. Und es hat wohl nie jemand mal diese alten Profile gelöscht. Bei den PCs für die ich verantwortlich bin mache ich das regelmäßig, es ist ja sowieso nur eine Kopie und die Leute werden sich nie wieder dort einloggen.

Und da las ich all die Namen. Leute die ich kannte. Leute, deren Namen ich kannte. Leute, die ich gar nicht mehr kannte.

Und bald gehört mein Name dazu.

T-14

http://www.lastfm.de/music/Nosoyo/_/%28You+Were%29+The+Closest+To+Death

Mit Scharf

Ich esse nicht gerne scharf, aber man sagt ein anständiges Chili muss zweimal brennen.

Ob man das nun glaubt oder nicht und ob man das mag oder nicht seo einem jedem freigestellt. Es gibt aber auch andere Dinge, die zweimal brennen.

Worte zum Beispiel.

Ich vergreife mich derzeit immer häufiger im Ton. Das ist man außerhalb der Familie nicht von mir gewöhnt. In der Familie zofft man sich und man verträgt sich in der Regel wieder. Man sagt mir das sei normal.

Unter Kollegen ist das anders. Man sitzt zwar im selben Boot, aber nicht immer heißt das auch, das alle an einem Strang ziehen. Es heißt auch nicht, dass man immer die Unterstützung erhält, die man gerade braucht.

Während ich heute das Labormeeting verpennt habe – was allerdings auch für mich irrelevant war, das war nur für das Paper wo alle draufstehen außer mir – kamen die Lieferungen an.

Es kam jede Menge auf einmal. Die neuen Handschuhe, ein paar Sachen die man halt so auf Lager hat und eine siRNA für einen Kollegen. Moment, die siRNA war gar nicht da. Ich stellte den Karton in der sie zusammen mit anderen Lieferungen hätte sein müssen ab und suchte noch einmal. Dann sortierte ich noch andere Sachen ein.

Als der Rest der Meute wiederkam, sagte ich zu dem Kollegen, dass zwar das Lipofectamin, nicht aber de siRNA angekommen war.

„Und was ist in dem Karton?!“

„Der ist leer.“

„Und warum steht dann er dann noch auf meinem Platz?!?!“, sagte er schnippisch.

„Weil ich vielleich mit Verräumen noch nicht fertig war?“, erwiderte ich ebenso gereizt und ging.

Es ist Unsinn, lange darüber nachzudenken. Ich tue es aber.

Und so brennt das eben noch lange nach.

T-18

(K)ein Rant

Ich hatte eigentlich gedacht ich würde heute über die Weihnachtsfeier ranten. Wir gehen zur Weihnachtsfeier halt meistens Essen und die ersten beiden Male war das finanziell ein „jeder für sich“. Letztes Mal gab es dann die Getränke spendiert. Dieses Jahr auch. Ich möchte darauf hinweisen, dass es dafür spezielle Mittel gibt.

Diejenigen, die nicht kurz vor knapp zum Restaurant kamen, bekamen sogar noch einen Glühwein ausgegeben, mussten aber der neuen Heidelberg Wahnmache lauschen, die Lieder in ein schlecht eingestelltes Mikrophon gröhlten.

Diese sozialen Events sind meistens komisch. Private Situationen mit jemanden, der nicht zur Privatssphäre gehört. Die Themenwahl kann anstrengend sein. Das Verhalten anderer ist mitunter befremdlich.

Letztes Jahr gab es von unserem Stockwerk eine gemeinsame Feier, zu der mein Chef den Schnaps spendierte, den wir ihm vor Jahren zum Geburtstag geschenkt hatten.

Das Jahr davor brachte er die Kekse mit, die er wohl nach einem tränenreichen Kampf mit seinem Sohn ergattern konnte.

Das Jahr davor gab es Glühwein in der lauschigen Lobby, an einem Tag wo schon die Hälfte aller Kollegen im Urlaub waren.

Aber die Weihnachtsessen sind stimmungsmäßig nett. Dieses heute auch.

Und so langsam setzt das Fresskoma ein.

T-19

Giving Thanks

Heute ist in Amerika Thanksgiving. Ich habe zwei Mal Thankgiving in den Staaten gefeiert und seit Jahren will ich das mal hier in Deutschland feiern. Letztes Jahr habe ich es immerhin geschafft, jemanden zum Truthahnessen einzulagen, auch wenn es nur eine Keule war.

An Thanksgiving feiert man in Amerika relativ unreflektiert die Ankunft der Founding Fathers feiert, die eigentlich eine komplette Katastrophe war und eiiiiniges über die amerikanische Mentalität erklärt. Doch einige nutzen den Tag auch zur Besinnung. Es ist ein Familienfest und es geht darum, dankbar zu sein.

Für was bin ich eigentlich dankbar?

  •  Meine Eltern, die mich von Anfang an unterstützt haben. Die Maxime war immer, wenn man investieren kann, dann in die Köpfe. Daher war es nie eine Frage ob ich studieren würde oder ob sich ein Auslandsaufenthalt lohnen würde.
  • Und meine Schwestern. Die einfach toll sind.
  • Meinen Freunden, die es nicht übel nehmen, dass ich mich mal Ewigkeiten nicht melde. Die aber mit mir leiden und sich mit mir freuen.
  • Die paar Menschen, die ich gerade dauerhaft ertrage, die mir zuhören, auch wenn sie es satt haben.
  • Meine Kollegen, die mir in den letzten Jahren einiges erleichtert haben.
  • Die vielen inspirierenden Gesprächspartner der letzten Wochen. Gerade heute oder letztes Wochenende.
  • Diese komische Twitter- und weitere Internetcommunityrasselbande, die da meinen ein oder anderen Rant erträgt. Und der eine, der mir sogar Durchhaltegeschenke geschickt hat. 🙂
  • Meine Wohnung, zusammen mit meinen nicht immer einfachen aber doch lieben Mitbewohnern
  • mein treues Fahrrad und seine Hydraulikbremen, denen ich und andere ihr Leben verdanken
  • Meine vielen Erfahrungen im Ausland
  • Diversen Buchautoren wie Erich Kästner, Terry Pratchett und Sergej Lukianenko
  • Diversen Musikern, die es schaffen mich aufzumuntern
  • Den Podcastern, die Zeit und Muße investieren damit das pipettieren nicht so langweilig ist
  • Und schließlich allen die das hier lesen. Dass es jemanden interessiert was ich hier schreibe, das ist echt toll.

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T-23

Heute wieder ein Lied, diesmal eins was noch nicht lange auf meinem iPod ist. Aber es ist toll.

Wie das Leben so läuft.

In: 8:15

Ich hatte heute einen Kurs in dem es darum ging, richtige CVs zu schreiben. Jeder musste einen CV und einen Cover Letter schreiben. Wir bekamen 10 Minuten um durch einen Stapel aller unserer CV und noch ein paar Extra-CV durchzuschauen. Das waren so etwa 15 Stück. Danach sollten wir eine Person aussuchen, die wir zu einem Interview einladen würden. Das ganze war anonoymisiert und ohne Foto.

Zunächst war ich erschüttert. All die Leute hatten so viele Publikationen. Vier, fünf Stück, als PhD-Student! Und ich habe nur einen kläglichen Review aus Mastertagen. Und tausende Awards und Stipends und wasweißich. Dann sah ich genauer hin.

Eine Person hatte jegliches Kellnern in verschiedenen Restaurants im Lebenslauf. Die Awards waren teilweise Reisestipendien zu Konferenzen, so etwas habe ich auch mal gemacht. Das ist ein Award? Öhm, okay. Manche CVs hatten fast Fließtext. Ganze Paragraphen über Forschungsprojekte! Andere hatten „Interests“ gelistet: Hobbys wie Skifahren.

Als ich zum dritten Mal durch den Stapel ging, wählte ich den kürzesten, am klarsten strukturiertesten CV aus.

Ich war ein bisschen stolz dass mein CV zusammen mit dem, den ich gewählt hatte, am häufigsten gewählt wurde. Gefallen hatte den Kursteilnehmern die Einfachheit und die Struktur. Nicht minder begeistert kam ich zurück zu meiner Arbeitsgruppe. Unser frischgebackener PostDoc versucht sich da momentan zu bewerben und machte einen Selbsteinschätzungsfragebogen an dem er ziemlich verzweifelte. Schließlich fragte er mich: „Das mir doch mal was du über mich denkst.“

Nachdem wir ein bisschen herumgeblödelt hatten sagte ich relativ klar, welchen Eindruck ich von ihm hatte. Positives, Negatives, Eindrücke die nicht der Realität entsprachen – ohne anzugreifen, ohne zu loben. Erst während ich ihm das so erzählte, fiel mir auf, welches Vertrauen er mir da eigentlich erwies. Er wollte meine Meinung. Nachdem ich das begriffen hatte, zog ich ihn damit natürlich auf.

Ich schlug vor, das wir das mal in größerer Runde anonym zu machen. Zettelchen mit Adjektiven vorbereiten und den Leuten in einen Becher werfen.

Ich sagte ja schon: Deine Kollegen kennen dich am Besten.

Out: 19:15

Freiwilligendienst

In: 10:00

Und weil ich mich nunmal gerne aufrege…

Wir hatten bei uns auf dem Stockwerk immer einen Zivi, mittlerweile haben wir eine(n) Bufdi. An die erste Bufdi erinnere ich mich kaum, aber sie machte soweit ich weiß ihre Arbeit gut. Die zweite hinterließ einen bleibenden Eindruck. Sie war wissbegierig, klug, selbstständig, fleißig und sympathisch. Daher war es „schade“ dass sie ihr Jahr als Bufdi abbrach und studieren ging, aber natürlich haben wir uns alle für sie gefreut. Sie wurde auch für die restlichen Monate von einem jungen Mann ersetzt der ebenso fleißig und selbstständig war, allerdings nicht so sehr and unserer Arbeit interessiert. Dann kam ER.

Wir mögen es, unseren Bufdis etwas beizubringen. Die meisten kommen ja direkt von der Schule und überbrücken hier Wartesemester oder wollen schauen ob der Beruf zu ihnen passt. Allerdings müssen dann die Pflichten erledigt sein. Die sind auch eigentlich nicht viel. Dazu gehört aber zum Beispiel die Labormülleimer zu leeren (nicht den Giftmüll), die Pipettenständer auszutauschen, Bestellungen zu machen und Pakete auszuhändigen und uns bei anderen Aufgaben unter die Arme zu greifen, wie zum Beispiel das zurechtschneiden von Filterpapier für Western Blots, das Stecken von Pipettenspitzen, das Auffüllen von Wasser und – wenn er/sie soweit ist – das Ansetzen von Puffern und Lösungen und was man ihr/ihm sonst noch so zutraut. Meiner Schätzung nach sind das pro Tag allerhöchstens vier Stunden Arbeit.

Wenn diese Arbeiten nicht gemacht werden, machen wir sie. Ich verbringe alles in allem etwa drei Stunden meiner Arbeitswoche damit, Dinge aufzufüllen, auszuleeren oder zu bestellen. Nur für unser Labor und meine/unsere Zwecke. Das ist Zeit, in der ich eigentlich für Forschung bezahlt werde. Aber es muss gemacht werden. Dann bleibe ich um das auszugleichen meistens länger. Also mache ich das eigentlich unbezahlt in meiner Freizeit.

Und wenn nun jemand jeden Tag mies gelaunt reinstapft, immer die selbe (!) Jogginghose, immer das selbe (!) fleckige, löchrige T-Shirt trägt und sich beschwert er würde für diese niedere Arbeit nicht gut genug bezahlt, dann kocht mir doch das Blut. Jemand der noch nicht mal „Hallo“ und „Tschüß“ sagt, kein „Bitte“ und „Danke“, der aufgefordert werden muss sich zu setzen weil er sonst stumm neben dem Tisch steht. Ein Mensch ohne jegliche Manieren.
Er hat hier als Schulabbrecher eine zweite Chance bekommen und hätte mit diesem Jahr hier (ich weiß nicht wie) ein Fachabi nachmachen können. Natürlich ist das nicht geil, hier den Kleinmist zu machen, aber wir haben ihm immer wieder Labormethoden gezeigt. Seine jetzige Kündigung empfinde ich als undankbar.  Für die letzten Bufdis haben wir jeweils für Abschiedsgeschenke gesammelt. Wir waren dankbar, dass uns jemand hilft. Wir waren dankbar für das Interesse, wir waren dankbar für große und kleine Gesten.

Jetzt bin ich schon fast wieder dankbar, dass er geht.

Out: 21:39

Gut Behütet

In: 11:59

Da es in Deutschland nicht mehr Tradition ist, die Erlangung eines Doktortitels zeremoniell zu feiern haben dies die Doktoranden selbst übernommen. Wenn einer der unseren seine Prüfung hat, dann basteln die Kollegen einen Hut. Dieser Hut wird dann von den Kollegen mehr oder weniger feierlich auf den frischgebackenen Doktor gesetzt.

Nächste Woche ist so eine Prüfung, der Tag an dem mein Kollege Doktor werden wird. Ich war den Großteil der viereinhalb Jahre seiner Promotion dabei.

Vor ein paar Wochen haben wir uns hingesetzt und angefangen den Hut zu basteln. Er ist aus Pappe, aber er besitzt eine Kordel die unsere PostDoc gehäkelt hat. Da bei uns im Labor jeder seine persönliche Klebeband-Farbe hat ist es intern Tradition, das Viereck des Doktorhutes damit zu umrahmen. Damit ist es eine Basis geschaffen. Dann wird der Hut personalisiert.

Als Doktorand in einem Labor rückst du mit deinen Kollegen eng zusammen. Man sitzt im gleichen Boot, man unternimmt etwas gemeinsam, es bilden sich Freundschaften. All das wird auf dem Hut verewigt. War der Prüfling Fan eines Fußballvereins wird man dies im Hut wiederfinden, ebenso wie Marotten oder die Herkunft. Auf diversen Feiern, Ausflügen und gemeinsamen Unternehmungen sind Fotos entstanden. Manche würde der Prüfling sicher gerne vergessen, doch sie werden auf dem Hut verewigt werden. Dann gibt es auch immer wieder gerne Anspielungen auf das Projekt. Hatte das Protein einen lustigen Namen findet sich dies auf dem Hut nieder. Hat man eine Methode besonders häufig verwendet wird auch diese humorvoll eingebaut. Der Hut ist mit viel Liebe gemacht, mit vielen Details bestückt, gebastelt gemeinsam von den Kollegen.

Doktor werden ist anstrengend. Aber die Kollegen sind in den schweren Zeiten für dich da, weil niemand das alles besser verstehen kann als sie. Und sie sind es, die dich dann zum lachen bringen können. Und am Ende geben sie dir diesen Hut mit. Denn du bist den Weg nicht allein gegangen. Und oft genug haben dich die anderen getragen.

Out: 17:43