Labor

Aufräumen

Gestern wäre ein schöner Tag gewesen um einen „Geschafft“ Beitrag zu schreiben. Und eigentlich hatte ich das auch vor. Aber ich hatte ein bisschen Freiheit wiedergwonnen und wollte das nutzen. Das bedeutet ich hab einen Abend damit verbracht, mit meinem neuen Tablet zu daddeln. Aber der Reihe nach.

Samstag morgens war wie immer Rudern. Das war wirklich angenehm weil wir nicht so viele waren. Dann habe ich mir meinen Traditions-Samstags-Döner geholt, bin auf die Arbeit gefahren, habe ihn dort gefuttert und dann meinen Platz aufgeräumt. Ich habe ja bereits geschrieben wie wichtig so eine Bench im Alltag ist. Sie ist auch sehr personalisiert. Meistens hängen da Comics, auch mal Fotos oder kleine Helferlein. Von diversen Lösungen die man immer wieder braucht hat man eine kleine Abfüllung (ein Aliquot) rumstehen.

Genau diese Lösungen habe ich gestern aussortiert. Was unwichtig und billig war habe ich entsorgt (Wasser, Blot- und SDS-Puffer). Was unwichtig und teurer war habe ich meinen Kolleginnen hingestellt, immer jenen von denen ich meinte sie könnten es am ehesten gebrauchen. Was wichtig und wirklich teuer war kam wieder zurück an den Ursprungsort – das sind meistens Antikörper, Inhibitoren und andere Chemikalien die wir für unsere Versuche brauchen. Das alleine hat eine Stunde gedauert. Dann habe ich grob einige Proben weggeworfen, die ich gewiss nicht mehr brauchen werde. Ein paar Antibiotikatests zum Beispiel.

Ich habe auch die Comics und Fotos entfernt. Alle. Und meine Helferlein habe ich vererbt.

Die Postdoc hat die Antikörper-Tabelle bekommen (von welchem Tier, wieviel, in welcher Lösung…) auf die sie eh häufiger als ich geschaut hat,

Die neue Kollegin bekam meine Gel-Tabelle. Wie man verschieden-prozentige Gele gießt. Denn sie war die einzige die mein System verstand. Meine Codonsonne bekam sie ebenfalls.

Die Azubi bekommt die Markertabelle. Weil sie sich einfach den Marker nicht merken kann.

Eine weitere Kollegin bekommt meine Kristallviolett-Lösungen.

Die Herren gingen derweil leer aus, ich habe einfach nichts was die gebrauchen könnten.

Außerdem habe ich endlich alle meine Aktenordner ins Office gebracht. Da werde ich im neuen Jahr noch aussortieren müssen.

Aber an meiner Bench habe ich die meisten meiner Spuren beseitigt.

Ich habe sie verteilt.

Es fühlt sich gut an.

Zu hause bin ich dann mit Tablet, The Cave und Whisky versackt.

T=0

Was mir fehlen wird

Morgen ist der letzte reguläre Tag, den ich im Labor verbringen werde. Ich muss Samstag nochmal rein, wahrscheinlich werde ich doch nochmal etwas arbeiten müssen, aber das ist okay, denn am abend werde ich dann meinen Platz aufräumen, alles was ich ganz sicher nicht mehr braucht wegschmeißen, dann die Tür schließen und gehen.

Es führt leider kein Weg daran vorbei, dass ich nächstes Jahr noch ein paar Dinge machen muss, aber ich mache keine neuen Versuche, ich werte sie nur (nochmal) aus.

Und dann war es das. Und viele Sachen werde ich ganz glücklich hinter mir lassen. Den Druck, die Kommentare meines Chefs, die schwergängigen Pipetten, die lauten Geräte, die furchtbaren Farben der neunziger Jahr, den chronischen Platzmangel, das Kantinenessen mit der Extraportion Öl, die 7 Jahre alten Computer…

Aber ich werde auch Dinge vermissen.

Meinen Laborarbeitsplatz zum Beispiel. Meine Bench. Eine Bench ist immer ein bisschen individuell. Als ich not Platz unter der Bench hatte für die Beine war sie noch cooler, jetzt sitze ich fast im Spagat auf meinem Hocker vor der Bench, wenn ich mal länger was arbeiten muss. Ich hatte den Kühlschrank mit den wichtigsten Materialien direkt unter der Bench, das war praktisch. Ich habe aus Heftklemmen Haltungen für Dispenserspitzen und Pinzetten gebaut und aus Kabeln eine für die Scheren. Ich habe erst Anfang diesen Jahres endlich eine eigene Absaugpumpe bekommen und eine Minizentrifuge. Überhaupt sind Zentrifugen direkt am Platz das Geilste.

Parafilm werde ich vermissen. Parafilm ist eine bessere Art von Frischhaltefolie, isr aber dehnbar und passt sich an die Oberflächen an. So ist es wirklich dicht. Ich frage mich, weshalb wir sowas nicht in der Küche haben. Hmm..

Die Aloe Vera Handschuhe. Seitdem sie jetzt die Handschuhe gewechselt haben muss ich meine Hände öfter eincremen. Durch die vielen Desinfizierungen sind die natürlich immer angegriffen. Wir hatten ehemals Handschuhe die die Hände gepflegt haben, aber die haben angeblich zu viel Latex.

Den Laborkittel. Ich muss sagen es ist eine Hassliebe. Der Laborkittel schränkt einen in der Kleidungsauswahl schnell ein. Pullis oder gar Sweatshirts darunter sind ganz unangenehm. Röcke können sich hinten am Laborkittel hochschieben. Genau so ist es mit T-Shirts. Wenn man mal ein etwas kürzeres anhat und nicht aufpasst steht man plötzlich bauchfrei da. Und häufig kommen Kittel löchriger und bunter zurück aus der Wäsche als vorher. Dafür habe ich Taschen für alles. Ich habe immer ein paar Handschuhe dabei, Stifte, Zettel, Taschenrechner…

Zellkultur. Zellen hegen und pflegen macht Spaß. Es ist ein bisschen wie ein Haustier was man bei Bedarf wegfrieren kann.

Nukularzeug. Ich habe nicht so viel radioaktiv gearbeitet. Ich habe in Amerika mal ein bisschen mit Tritium rumgespielt und jetzt durfte ich halt meine Zellen bestrahlen. Aber es ist irgendwie cool.

Immunfluoreszenzen. Genau damit werde ich noch eine Weile spielen dürfen. Aber es ist einfach unglaublich cool, direkt zu sehen was in einer Zelle passiert. Wir Biologen messen ja meistens eher abstrakt. Immunfluoreszenzen sind und Farbe und leuchten bunt.

T-2

Weihnachtschreit und Nächstenhiebe

Hui, der Beitrag gestern ging ab wie eine Rakete. Das freut mich. Da scheint Bedarf an medizinisch-ethischen Fragen zu sein, bzw die Zerlegung eben derer. Das freut mich um so mehr (und ich werde das in Erwägung ziehen wenn die heiße Schreiphase rum ist).

Ich komme zu Unerfreulicherem, nämlich der Situation im Labor.

Der Vertrag des gerade promovierten Doktoranden läuft Ende des Jahres aus. Der Chef möchte ihn eigentlich gerne behalten, denn da ist noch eine Revision zu machen. Der Gute hat sich aber auch zu spät arbeitssuchend gemeldet, das beduetet wenn es keine Verlängerung gibt muss er einen Monat mit verkürzten Mitteln rechnen. Und so von heute auf morgen (und kurz vor Weihnachten) arbeitslos zu werden ist ja nun auch nicht gerade nett. Und ich glaube er hat mehr Schiss davor als er zugeben will. Aber er ist der sogenannte Golden Boy. Während sich Kolleginnen zuvor Urlaub zum Lernen nehmen mussten (und von 20 Tagen Urlaub 10 fürs Lernen zu opfern ist schon happig) bekam er einen Monat Zeit dafür, einfach so, als Home Office.

Jetzt regte er sich zurecht über die Situation auf, dass er nicht weiß wie es weiter geht. Und er meinte, wenn er bis Montag nichts von einem Vertrag gehört habe, würde er Urlaub nehmen. Und es sei ja wohl fies, denn er habe noch recht viel Resturlaub. Ich sagte zu ihm, er habe ja 20 Tage „Urlaub“ zum Lernen gehabt. Da wurde er schon schnippisch, er habe ja auch an Revisions gearbeitet. Was überhaupt kein Argument für oder gegen irgendwas ist, ich habe es mehr als Seitenhieb „Du hast ja kein Paper“ verstanden.

Ich habe übrigens 13 Tage Resturlaub in diesem Jahr. Von 20. Ich werde davon natürlich keinen einzigen mehr nehmen Und nein, wir kriegen ihn nicht ausgezahlt. Und nein, es is nicht meine Schuld dass ich kein Paper habe.

Ich weiß nicht was mich daran gerade mehr ärgert: Dass er seinen Frust an mir auslässt, oder dass er, als privilegierter -denn er ist ja bereits promoviert- bei mir rumjammert.

Und die Tatsache dass Leute über ihre Zukunft so im Unklaren gelassen werden regt mich auch auf.

Dann ist da noch die Azubi, die zwischen de ganzen niedlichen Tierbabyvideos und den Whatsapp-Chats wirklich gut arbeitet. Nun möchte sie das auch um die Feiertage herum tun. Bei uns können die Tage um die Feiertage mit Überstunden ausgeglichen werden. Das ist auch das einzige Mal im Jahr dass das geht. Sie möchte aber weder Urlaub nehmen noch Überstunden machen. Als Azubi darf sie aber nicht alleine arbeiten. Sie zwingt also meine Kollegin (im oberen Comic übrigens #2) auch zu kommen, weil diese ihre Betreuerin ist.

Die Krönung des Ganzen ist, dass eben diese Kollegin nicht nur im Labor sondern auch privat mit Arbeit zugemüllt wird. Während ihre Mutter im Krankenhaus liegt und ihr Bruder ja „keine Zeit hat“ ist sie also diejenige die sich kümmert. Der Vater ist anfang des Jahres gestorben, ihre Cousine ist auch schwer krank. Nein, tauschen möchte ich mir ihr nicht.

Ich werde schauen dass ich sie zumindest Montags morgens vertrete oder so.

Beide, der Kollege und die Azubi, sind einfach blind für die Probleme anderer. Hat der Kollege in all dieser Zeit Verständnis für meine Situation gezeigt? Nein, er findet es derzeit sogar lustig weiter zu sticheln. Er kann froh sein, dass es mir gerade am Arsch vorbei geht.

Hat die Azubi auch nur minimalst in Erwägung gezogen, dass die Welt nicht immer so ist, wie sie sie gerne hätte? Nein, sie beschwert sich auch noch wenn sie für ihre Prüfung lernen muss. Sie kann froh sein, dass wir das auf der Arbeit zulassen.

Und wer mich sonst noch aufregt muss ich ja nicht extra sagen. Heute hat er über einen ehemaligen Kollegen hergezogen, als glaube er, wir würden nicht mehr mit dem reden.

T-8

Mein kleiner Kommentar zu @Glaubenssache

Die Laborarbeit ist eine gute Gelegenheit, um Podcasts zu hören. Ich höre zwar schon seit ca 7 Jahren Podcasts, aber seitdem es mit den iPodTouch Geäten (oder den Smartphones) möglich ist, Podcasts on the Go herunterzuladen hat es wirklich stark zugenommen.

Gerade begann ein neuer Podcast, in dem sich Alex Hoaxmaster Waschkau und Eduard Habsburg über Religion und Ethik unterladen.

Ich mag das. Ich mag Philosophie, Ethik und ja, auch Religion. Gerade Biologie stößt heute immer wieder an ethische Grenzen. Und um die Ethik zu verstehen braucht man auch ein biologisches Wissen.

Wann zum Beispiel ist ein Mensch tot? Diese Frage war vor 100 Jahren sehr einfach. Keine Atmung, kein Herzschlag. Heute haben wir den Hirntote: Atmende Menschen, mit Herzschlag – aber sie sind tot und wir hätten gerne ihre Organe um andere Menschen zu retten. Und so operieren Ärzten an lebenden Körpern, nehmen ihnen das Herz aus der Brust und geben es anderen. Wir wissen, das hirntote Menschen tot sind. Doch für die Ärzte die operieren und nicht zuletzt die Familien ist das etwas ganz anderes.

Noch viel schwieriger ist es zu entscheiden wann ein Mensch lebt. In der ersten Folge Glaubenssache sagt Alex, dass für Eduard Stammzellen Leben seien. Mir juckte es da furchtbar in den Fingern. Es geht mir hier um die Terminologie, die aber wichtig ist zum Verständnis der Sache an sich. Es geht nicht darum ob embryonale Stammzellen Leben sind. Natürlich leben sie! Meine Hela-Zellen, meine Brustkrebszellen, meine embryonalen Nierenzellen: Sie tun es ebenso! Die Eizellen, die Spermien: Sie beide leben ebenso, wie das befruchtete Ei. Die wichtige Frage ist: Wann ist es ein Mensch?

Ich bin mir sehr sicher, dass Eduard das so meint. Ich muss es nur für mich irgendwo richtig gestellt haben und vielleicht liest er das hier und nickt. Die katholische Kirche hat in ihrem Konservativismus etwas begriffen das wir verdrängen weil wir es bereits haben: Menschliches Leben ist kostbar und schützenswert. Die Frage ist aber: Bis zu welchem Preis. Und wenn wir drohen es zu verlieren, wie weit gehen wir dann?

Nur eine von drei befruchteten Eizellen wird zu einem Kind heranwachsen, weil einfach noch so viel schief gehen kann – ganz ohne Zutun von Außen. Deshalb werden bei künstlicher Befruchtung einer Frau auch gleich mehrere Embryonen eingepflanzt. Es werden überhaupt schon mehere Embryonen „hergestellt“. Der Überschuss wird meines Wissens eingefroren. Und wohl nie wieder aufgetaut. Auch so eine ethische Frage.

Etwas anderes das Eduard erwähnt ist NFP, natürliche Familienplanung. Ich hielt das früher für bescheuert, ich weiß heute, dass es tatsächlich hochwissenschaftlich ist. Und nebenwirkungsfrei. Tatsächlich ist die Eizelle der Frau nach dem Eisprung nämlich sehr schnell nicht mehr befruchtungsfähig und wenn man diesen Zeitpunkt sehr genau bestimmen kann ist diese Methode so sicher wie andere Verhütungsmittel. Sich bei der Familienplanung auf den Zyklus der Frau zu verlassen verlangt unglaublich viel Respekt und Vertrauen. Ich kenne aber mittlerweile mehrere Paare die sich darauf verlassen, niemand davon ist streng katholisch.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass Sex eben schon lange nicht mehr hauptsächlich der Fortpflanzung dient. Er festigt viel mehr die Bindung zwischen den Partnern, die nunmal eine wichtige Grundlage für das gemeinsame Aufziehen -und eben nicht primär der Entstehung- von Kindern ist. (Ich meine das evolutionsbiologisch, Evolution erfordert Nachkommen, Paare ohne Kinder können sich aber sicherlich ebenso eine bessere Bindung für andere gemeinsame Projekte erhoffen.) Gerade erst waren katholische Ehepaare bei Bischöfen (ich weiß nicht genau welche Kongregation das nun schon wieder war) und erzählten ihnen etwas von Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Ich bin gespannt was da jetzt noch passiert.

T-9

Passend zu dem heutigen Thema und eine Brücke schlagend zur tickenden Uhr von schwierigen Projekten heute etwas was ich gestern zusammen mit meinem Chor gesungen habe. Eines des schönsten Adventslieder, wie ich finde.

Nekromanten sterben nie

Als ich heute an einem Gerät Messungen gemacht habe, hatte ich nebenher etwas Langeweile. Auf dem dazugehörigen PC läuft noch Windows XP, das bedeutet, dort ist noch ein altes Roaming Profil von mir gespeichert, dass sich mit dem neueren Windows 7 Profil nicht synchronisiert. Ich ging in meine Profildaten und löschte alles was da noch so war, weil ich es ja eh nicht brauchen würde.

Da für jeden Computer beim ersten Login eine lokale Kopie des Roaming Profiles gespeichert wird, also für jeden ein Ordner mit seinem Login-Namen erstellt wird, konnte ich sehen, wer so alles an diesem PC gewesen war. Der ist nun mindestens 10 Jahr alt. Und es hat wohl nie jemand mal diese alten Profile gelöscht. Bei den PCs für die ich verantwortlich bin mache ich das regelmäßig, es ist ja sowieso nur eine Kopie und die Leute werden sich nie wieder dort einloggen.

Und da las ich all die Namen. Leute die ich kannte. Leute, deren Namen ich kannte. Leute, die ich gar nicht mehr kannte.

Und bald gehört mein Name dazu.

T-14

http://www.lastfm.de/music/Nosoyo/_/%28You+Were%29+The+Closest+To+Death

Mit Scharf

Ich esse nicht gerne scharf, aber man sagt ein anständiges Chili muss zweimal brennen.

Ob man das nun glaubt oder nicht und ob man das mag oder nicht seo einem jedem freigestellt. Es gibt aber auch andere Dinge, die zweimal brennen.

Worte zum Beispiel.

Ich vergreife mich derzeit immer häufiger im Ton. Das ist man außerhalb der Familie nicht von mir gewöhnt. In der Familie zofft man sich und man verträgt sich in der Regel wieder. Man sagt mir das sei normal.

Unter Kollegen ist das anders. Man sitzt zwar im selben Boot, aber nicht immer heißt das auch, das alle an einem Strang ziehen. Es heißt auch nicht, dass man immer die Unterstützung erhält, die man gerade braucht.

Während ich heute das Labormeeting verpennt habe – was allerdings auch für mich irrelevant war, das war nur für das Paper wo alle draufstehen außer mir – kamen die Lieferungen an.

Es kam jede Menge auf einmal. Die neuen Handschuhe, ein paar Sachen die man halt so auf Lager hat und eine siRNA für einen Kollegen. Moment, die siRNA war gar nicht da. Ich stellte den Karton in der sie zusammen mit anderen Lieferungen hätte sein müssen ab und suchte noch einmal. Dann sortierte ich noch andere Sachen ein.

Als der Rest der Meute wiederkam, sagte ich zu dem Kollegen, dass zwar das Lipofectamin, nicht aber de siRNA angekommen war.

„Und was ist in dem Karton?!“

„Der ist leer.“

„Und warum steht dann er dann noch auf meinem Platz?!?!“, sagte er schnippisch.

„Weil ich vielleich mit Verräumen noch nicht fertig war?“, erwiderte ich ebenso gereizt und ging.

Es ist Unsinn, lange darüber nachzudenken. Ich tue es aber.

Und so brennt das eben noch lange nach.

T-18

(K)ein Rant

Ich hatte eigentlich gedacht ich würde heute über die Weihnachtsfeier ranten. Wir gehen zur Weihnachtsfeier halt meistens Essen und die ersten beiden Male war das finanziell ein „jeder für sich“. Letztes Mal gab es dann die Getränke spendiert. Dieses Jahr auch. Ich möchte darauf hinweisen, dass es dafür spezielle Mittel gibt.

Diejenigen, die nicht kurz vor knapp zum Restaurant kamen, bekamen sogar noch einen Glühwein ausgegeben, mussten aber der neuen Heidelberg Wahnmache lauschen, die Lieder in ein schlecht eingestelltes Mikrophon gröhlten.

Diese sozialen Events sind meistens komisch. Private Situationen mit jemanden, der nicht zur Privatssphäre gehört. Die Themenwahl kann anstrengend sein. Das Verhalten anderer ist mitunter befremdlich.

Letztes Jahr gab es von unserem Stockwerk eine gemeinsame Feier, zu der mein Chef den Schnaps spendierte, den wir ihm vor Jahren zum Geburtstag geschenkt hatten.

Das Jahr davor brachte er die Kekse mit, die er wohl nach einem tränenreichen Kampf mit seinem Sohn ergattern konnte.

Das Jahr davor gab es Glühwein in der lauschigen Lobby, an einem Tag wo schon die Hälfte aller Kollegen im Urlaub waren.

Aber die Weihnachtsessen sind stimmungsmäßig nett. Dieses heute auch.

Und so langsam setzt das Fresskoma ein.

T-19

Giving Thanks

Heute ist in Amerika Thanksgiving. Ich habe zwei Mal Thankgiving in den Staaten gefeiert und seit Jahren will ich das mal hier in Deutschland feiern. Letztes Jahr habe ich es immerhin geschafft, jemanden zum Truthahnessen einzulagen, auch wenn es nur eine Keule war.

An Thanksgiving feiert man in Amerika relativ unreflektiert die Ankunft der Founding Fathers feiert, die eigentlich eine komplette Katastrophe war und eiiiiniges über die amerikanische Mentalität erklärt. Doch einige nutzen den Tag auch zur Besinnung. Es ist ein Familienfest und es geht darum, dankbar zu sein.

Für was bin ich eigentlich dankbar?

  •  Meine Eltern, die mich von Anfang an unterstützt haben. Die Maxime war immer, wenn man investieren kann, dann in die Köpfe. Daher war es nie eine Frage ob ich studieren würde oder ob sich ein Auslandsaufenthalt lohnen würde.
  • Und meine Schwestern. Die einfach toll sind.
  • Meinen Freunden, die es nicht übel nehmen, dass ich mich mal Ewigkeiten nicht melde. Die aber mit mir leiden und sich mit mir freuen.
  • Die paar Menschen, die ich gerade dauerhaft ertrage, die mir zuhören, auch wenn sie es satt haben.
  • Meine Kollegen, die mir in den letzten Jahren einiges erleichtert haben.
  • Die vielen inspirierenden Gesprächspartner der letzten Wochen. Gerade heute oder letztes Wochenende.
  • Diese komische Twitter- und weitere Internetcommunityrasselbande, die da meinen ein oder anderen Rant erträgt. Und der eine, der mir sogar Durchhaltegeschenke geschickt hat. 🙂
  • Meine Wohnung, zusammen mit meinen nicht immer einfachen aber doch lieben Mitbewohnern
  • mein treues Fahrrad und seine Hydraulikbremen, denen ich und andere ihr Leben verdanken
  • Meine vielen Erfahrungen im Ausland
  • Diversen Buchautoren wie Erich Kästner, Terry Pratchett und Sergej Lukianenko
  • Diversen Musikern, die es schaffen mich aufzumuntern
  • Den Podcastern, die Zeit und Muße investieren damit das pipettieren nicht so langweilig ist
  • Und schließlich allen die das hier lesen. Dass es jemanden interessiert was ich hier schreibe, das ist echt toll.

~~~

T-23

Heute wieder ein Lied, diesmal eins was noch nicht lange auf meinem iPod ist. Aber es ist toll.

Sischer dat!

Es ist glaube ich schon ein Jahr, da wurden die Schutzkittel im Lager ersetzt durch neue Modelle. Früher gab es Herren- und Damenkittel getrennt. Die Damenkittel waren tailliert, hatten kürzere Ärmel und waren aus irgendeinem Grund auch etwas länger. Beide Kittel hatten normale Plastikknöpfe, bei denen sich zuerst der Knopf auf Hüfthöhe, dann der am Bauchnabel verabschiedete. Nach der ersten Wäsche hatte man Farbflecken und auch gerne mal ein paar Löcher. Es geht so weit, dass der rechte Ärmel einer meiner Kittel am Ellenbogen fast komplett gerissen ist.

Jetzt gibt es Unisex-Kittel. Sie haben Druckknöpfe statt normaler Knöpfe. Was eventuell als Zuwachs von Sicherheit gemeint war ist jetzt eigentlich ein neues Risiko. Vielleicht hat man es sich so vorgestellt, dass man den Kittel im Falle des Falles wie Superman vom Leib reißen könne (was bei den alten Kitteln auch möglich gewesen wäre, nur sind dann eben die Knöpfe ab). Leider springt der Kittel auch von alleine auf. Zusätzlich sind die Ärmel für Frauen zu lang und zu weit. Sie schlackern so sehr, dass einige sie sich mit Tape festkleben müssen, damit er nicht sofort überall drin hängt. Sowieso ist der Kittel an der Brust zu weit und hängt einfach nur wie ein Sack. Bei Männern wie Frauen.

Ich mag ja eigentlich Kittel. Ich muss im S2 Bereich einen tragen. In der S1- Forschung muss der Kittel nur „griffbereit“ sein. Der Kittel hat viele Taschen – auch wenn die Brusttasche bei der großbusigen Fraktion nicht für Stifte geeinget sind, denn sie ist dann beim Vornüberbeugen eine Rutschbahn. Aber Taschen sind gut. Ich habe immer ein paar frische Handschuhe einstecken, Stifte, manchmal Taschenrechner, Zettel. Auch Schlüssel, Handy und iPod wollen verstaut werden.

Jetzt kam eine weitere Neuerung dazu. Weil Latexhandschuhe zu unsicher sind – sie lassen einige Chemikalien durch – wird jetzt auf Nitril umgestellt. Ich mag Nitrilhandschuhe, sie geben ein angenehmeres Gefühl. Aber sie sind weniger elastisch und viel teurer. Meine Lieblingshandschuhe wurden abgeschafft. Die sind mit Aloe Vera und Vitamin E versehen und haben meine Hände immer so unglaublich gepflegt dass ich weder beim Klettern noch beim Rudern ordentlich Hornhaut ansetzen konnte. Meine Hände sind dafür wirklich sehr weich. Stattdessen gibt es nur noch ein Latexhandschuhmodell. Auf das jetzt alle zurückgreifen werden. Denn in den meisten Fällen der biologischen Arbeit schützt man eher die Proben vor den eigenen Pfoten als die Pfoten vor bösen Chemikalien. Diese Handschuhe sind so glatt, dass mir beinhae die Pipette aus der Hand gefallen wäre. Ich konnte keine Eppis mehr schließen, weil ich abrutschte.

Ich werde dann halt jetzt für die verbleibenden Tage Nitrilhandschuhe tragen. Die sind wenigstens schön blau.

~~~

T-24

Im Rahmen meines Adventkalender gibt es von nun an – wenn ich es nicht vergesse – ihr einen musikalischen Countdown mit Liedern die auf meinem iPod sind. Es bezieht nicht unbedingt auf den Text, noch unbedingt auf aktuelle Ereignisse.