Meeting

A PhD is what happens while you’re busy making plans

Ich muss einen Project Plan erstellen. Um noch ein paar Monate Zeit rauszuschlagen muss ich überzeugen, dass das, was ich noch tun will, wichtig und sinnvoll ist. Dazu gehören Milestones. Meilensteine.

Ganz am Anfang habe ich einen Kurs gemacht: Project Management Tailored for phD Thesis. Wir sollten uns beibringen unsere Projekte zu koordinieren, zu planen, uns Ziele zu setzen. Für die nächste Woche, den nächsten Monat, die nächsten drei Monate und die gesamte phD-These. Dazu bekamen wir lustige Post-It-Zettelchen, bunte Stifte und Textmarker. Eine Bastelstunde für Große.

Ich glaube nicht, dass eine Doktorarbeit in die Grundform einer Projektplanung passt. Nicht in der Naturwissenschaft. Zeiträume sind sehr unabsehbar. Ich sitze an einer Methode, die mache ich schon seit fast einem Jahr. Hätte ich vorher darüber nachgedacht, wie lange es dauern würde hätte ich 2-3 Monate veranschlagt, noch einen zur Sicherheit drauf gerechnet… und gut ist. Hinzu kommt noch die Verfügbarkeit von Geräten. Wenn das Confocal kaputt ist, ist es kaputte. Dann weiß niemand wann es wieder funktioniert und an einem anderen Mikroskop sollte man tunlichst nicht arbeiten, denn nur winzige Abweichungen können das Ergebnis verändern. Manchmal geht auch einfach so etwas daneben. Da hat man 8 Tage lang an einem Versuch gearbeitet und wenn man die Proben zur Auswertungsmaschine bringt, stolpert man und sie sind unwiederbringlich verloren. Auch schon passiert.

Dann kommen plötzliche Ereignisse hinzu. Dann muss man plötzlich alles über den Haufen schmeißen. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel erst eine Woche vorher erfahren, dass ich zu einem Retreat fahren soll. Jetzt soll ich bitte noch ein neues Poster für eine Konferenz machen und Dienstag ist Seminar und Donnerstag ist ein Kurs und die Woche darauf auch. Uff.

Es ist nicht so als würde ich nicht planen. Ich habe einen Tischkalender, da steht alles drin. Genaue Uhrzeiten, wann was zu tun ist. Das plane ich wenn ich das Experiment plane, da sich meine Experimente über mehrere Wochen erstrecken. Allerdings neigt man dann dazu, Auswertungen aufzuschieben. Die macht man dann abends irgendwann oder am Wochenende, wenn Ruhe ist.

Das wichtigste wären eigentlich feste Punkte gewesen, an denen man die Ergebnisse reflektiert. Das muss ein richtiger Termin sein. Und von da ab muss man wieder neu entscheiden was man tut.

Naja, Learning by Doing.

Eine Frage des Blickwinkels

Als ich heute zur Koordinatorin der Graduate School ging, traf ich einen Kommilitonen vor der Tür. Er fragte mich, ob ich auch zu ihr wolle und ich sagte ja, ich hätte einiges zu klären, er könne ruhig vorgehen.

„Um was geht’s denn?“, fragte er.

„Naja, ich muss jetzt Knall auf Fall promovieren und ich möchte ein bisschen Zeit aushandeln.“

Er sah mich verwirrt an. „Aber das ist doch gut, oder nicht?“

Ja, man hat als Doktorand meistens die Wahl zwischen einem Ende mit Schrecken und einem Schrecken ohne Ende. Nach 2-3 Jahren Laborarbeit ist man so erfahren und routiniert wie so mancher PostDoc, kostet aber nur die Hälfte. Da wird man dann geködert, „das Paper muss noch fertig werden“, „mit dem tollen Experiment wird das eine ganz tolle Arbeit“ oder „du kannst ja nebenbei schon etwas schreiben“. Dann arbeitet man 4-5 Jahre für ein Doktorandengehalt mit den Doktorandenarbeitszeiten, nur damit man endlich, endlich schreiben darf.

Oder es ist halt ganz plötzlich vorbei.

Vorhin kam mir mein Mitbewohner, entgegen, Schal um den Hals, Teetasse in der Hand. „Ich bin seit 2 Tagen krankgeschrieben. Morgen bleib ich auch noch zu Hause.“ Mit dem berüchtigten  Männerschnupfen liegt er darnieder.

Ich habe die letzten 3,5 Jahre nur dann gefehlt, wenn ich Fieber hatte. Das ist nicht sonderlich klug, wenn sich PostDocs und phD-Studenten untereinander Erkältungen weitergeben. Aber Experimente laufen halt, man kann sie nicht einfach wegstellen und wann anders machen. Und man quält sich dann da durch.

Denken Doktoranden zu wenig an sich selbst? Und wer denkt denn dann an die Doktoranden? Ist das pure Loyalität, dem Chef, der Forschung gegenüber? Was treibt einen dazu? Ist es nur eine ritualisierte Feuertaufe? Und was um alles in der Welt bezwecken wir damit?

Vielleicht weiß ich es ja, wenn ich das Ziel erreicht habe. Vielleicht ergibt dass dann alles Sinn. So im Rückblick.

Passierschein A38

In: 8:30

Promovieren ist an zig Formulalitäten gebunden. Neben der Graduate School muss man sich auch an der Uni registrieren – was den Vorteil haben kann dass man den Studentstatus behält wenn man möchte – man muss sich zwei weitere „Advisors“ neben den eigentlichen Betreuern suchen und diese in regelmäßigen Abständen von den Fortschritten der Arbeit berichten. Das wird gerne mal vertagt. Die Organisation, die Vorbereitung, sie entsprechen nicht dem normalen Laboralltag sind daher nicht sonderlich angenehm. Sie rauben auch unglaublich viel Zeit, vor allem wenn man keinen beruhigten Arbeitsplatz hat kommen eigentlich nur die Abendstunden in Frage, wenn alle schon gegangen sind. Und zu Guter letzt hat man auch einen gewissen Stolz, etwas präsentieren zu wollen dass auch präsentabel ist. Einfach ein paar tolle Daten zeigen. DAS wär’s.

Ich sage manchmal, dass man sich in einer Doktorarbeit manchmal wie in einem Hamsterrad fühlt. Man tritt und tritt und kommt nicht weiter. Und wenn die Daten auf sich warten lassen, wenn alles was man anfasst schief geht, dann tritt man nur noch schneller. Klüger wäre es, auszusteigen, zu erkennen: Ja, das ist ein Hamsterrad, ich werde da nicht vorwärts kommen. Das ist vielleicht auch die Kunst. Das ist die Einsicht, die man in der Doktorarbeit, ja, im ganzen Leben, haben sollte.

Irgendwann wirst du bekloppt. Irgendwann willst du nur noch Schaukeln, am Daumen lutschen. Eigentlich brauchst du jemanden, der dich aus diesem Laufrad zerrt bist du lernst, es alleine zu schaffen.

Ich habe dieser Tage so ein Meeting gehabt. Ich habe das, was ich bislang so erforscht hatte in einem Report zusammengefasst, dann habe ich eine Präsentation gegeben. Wie eine kleine Doktorarbeit mit Verteidigung. Was das Schreiben von wissenschaftlichen Texten und auch Präsentationen angeht macht mir niemand so schnell was vor. Das KANN ich. Souverän aus einem Meeting gehen, bei dem du offenbaren musstest, dass alles was du in den letzten zwei Jahren getan hast für die Katz war – darauf bin ich ein bisschen stolz.

Out: 16:00