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In: 9:10

Ich habe mich heute arbeitssuchend gemeldet. Am 31.12. läuft mein Vertrag aus, wie genau es dann weiter geht weiß ich noch nicht, daher muss ich mich frühzeitig darum kümmern, dass alles hübsch deutsch-bürokratisch funktioniert. Ich habe ein paar Minuten am Telefon einer launigen Musik gelauscht. Sie sagen einem am Telefon, dass man sich auch online arbeitssuchend melden kann. Während ich also der launigen Musik lauschte, suchte ich online nach der Arbeitssuchendmeldung. Ich fand sie nicht. Mag sein dass es Montag war, mag sein, dass ich mich zu doof anstellte, aber ich konnte sie nicht finden.

Die Frau am Telefon war dann aber auch sehr nett. Sie erwähnte mit keinem Wort, dass ich mich auch online darum hätte kümmern können. Sie fluchte nur ein bisschen über ihr Programm, das zu langsam war. Sie fragte mich ein paar grundsätzliche Dinge. Beruf und derzeitige Arbeit. Ich sagte ich sei „Doktorandin in der Biologie“. Sie suchte ein bisschen. „Doktorandin kann ich hier nicht finden.“ Wir blieben bei Biologin. Eigentlich bin ich ja Zellbiologin – oder so. Man könnte mich auch mit Biomedizinerin rufen, da hätte ich nichts gegen. Molekularbiologin mag ich nicht so gerne. Ich verwende Molbio nur als Tool. Biochemikerin könnte ich auch sein, so ein bisschen, aber ich habe seit fünf Jahren keine Enzymaktivität mehr gemessen. Vielleicht bin ich auch Biotechnologin, das ist mein letzter Abschluss. Wenn Leute die Straße blockieren, weil sie nach einem Auffahrunfall auf die Spurensicherung warten, berufe ich mich auch gerne auf meine Forensikkurse um sie gerechtfertigter Weise zu beschimpfen.

Aber egal was ich bin, ich bin nun arbeitssuchend. Ich bin damit klüger als drei meiner Kollegen, die sich zu spät arbeitssuchend gemeldet haben. Weil sie glaubten – oder glauben sollten – dass es noch weiter geht. Auch ich habe das geglaubt. Mir geht es damit besser als den Doktoranden, die die letzten Jahre auf einem Stipendium gesessen haben. Die dürfen gleich Hartz IV beantragen. Da kenne ich so einige. Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, plötzlich auf der Suche zu sein. Bis gestern war man noch zielstrebig, jetzt weiß man nicht mehr, wohin man gehört.

Ach Scheiß drauf! Ich werde Wombatdompteur!

Out: Gleich…

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