Vergangenes

Nachfolgedegeneration

Dieser Begriff huschte heute dank eines Verlesers der lieben Frau @moepern durch meine Timeline.

Ich hatte sofort Assoziationen damit.

Als ich damals meine Bachelorarbeit schrieb, war ich in Schottland. Ich hatte die Arbeit dort schon verteidigt und musste sie nun noch auf das deutsche System umformatieren. Viele Vorgaben gab es dort nicht, aber die Bachelormutter die ich mir aufgrund des Themas ausgesucht hatte war besonders streng. Ich holte mir bei einem Kommilitonen der auch seine Arbeit bei ihr schrieb ein paar Infos wie sie die Arbeit denn gerne hätte und er bekam wohl Anschiss dass er mir das sagte.

Ich versuchte mich so gut es ging an die Regeln zu halten und musste schließlich die Arbeit zur Korrektur per Post zu ihr schicken. Per Post. Ich bekam zwischendrin noch einen Nervenzusammenbruch, weil sie schrieb ich solle die Arbeit mit einer Büroklammer tackern. Man kann mit Büroklammern aber nicht tackern. Und 100 Seiten kann man sowieso nicht tackern. Ich ging also extra nochmal los um eine Heftklemme zu kaufen. Und dann schickte ich die Arbeit per Einschreiben für ca 10 Pfund nach Deutschland.

Ich hörte zwei Monate lang gar nichts. Ich wurde schon richtig verrückt. Der Abgabetermin rückte näher und sie hatte mir die Arbeit noch nicht wiedergegeben. Als ich nachhakte sagte sie, ich könnte die Arbeit wahrscheinlich am Freitag, 11 Tage vor Abgabe, abholen. Ich sagte einen Termin ab, auf den ich mich wahnsinnig gefreut hatte, für den ich schon Zugtickets hatte und wartete. Sie meldete sich erst Mittwoch ich könne am nächsten Tag bei ihr vorbeikommen und die Arbeit abholen und sie würde erhebliche Mängel aufweisen und wie mir überhaupt einfiele so etwas einzureichen. Und es hätte überhaupt nur so lange gedauert weil sie ja so viel korrigieren musste.

Ich sollte dazu sagen, dass ich nach meinem Auslandsaufenthalt nicht mehr in meiner eigentlichen Studienstadt sondern 2 Zugstunden entfernt wohnte. Ich fuhr also morgens um 7 los um einen Termin um 10 wahrzunehmen bei dem sie mich erstmal eine halbe Stunde anschrie. An. Schrie.

„IST DAS BLOCKSATZ? DAS IST KEIN BLOCKSATZ!!!!“

„RECHTSBÜNDIG! DAS SOLL RECHTSBÜNDIG SEIN!!!!“

„NUR 40 REFERNZEN??? SIE BRAUCHEN MINDESTENS 100!“

Der Geübte merkt schnell: Ich bekam keine fachliche Kritik. Ich wurde niedergemetzelt und meine Arbeit zerrissen – wegen Kleinscheiß. Nicht ein einziges Mal sagte sie etwas gegen die Ergebnisse, gegen meine Diskussion, gegen meine Ausarbeitung. Aber sie strich mir über 10 Seiten hinweg an, dass meine Kopfzeilenüberschriften nicht rechtsbündig waren. Als würde man dies auf jeder Seite neu einstellen. Als hätte ich dies jedes Mal neu für einen persönlichen Affront gegen sie so eingestellt. Sie ging die Referenzen auf Tipp- und Formatierungsfehler durch, die durch die Umwandlung vom schottischen zum deutschen Format passiert waren. Und jeder einzelne wurde angeprangert wie der Mord ihres Lieblingshaustiers.

Nach der Tirade puren Hasses sagte sie. „So, dann halten Sie jetzt ihren Probevortrag.“

Ihr könnt es euch vorstellen. Das Häuflein Elend das ich war, begann ich meine Powerpoint Präsentation zu öffnen und kläglich die ersten Sätze zu formulieren. Zum Glück hatte ich diese Präsentation bestimmt 50 mal geübt. In Schottland stand ich vor meinem Laptop, und hielt diesen Vortrag. Immer wieder. Ich hatte meine Kuscheltiere und das Familienfoto in Reihe davor gestellt um Publikum zu haben. Der Vortrag saß.

Und es war der linke Haken, den die Bachelormutter nicht erwartet hatte.

Sie machte noch ein paar Anmerkungen bezüglich Textgröße und meinte, nicht ohne noch einmal einen schneidenden Tonfall aufzulegen: „Diese Übersichtsfolie können Sie lassen. Sie halten den Vortrag nicht vor einem Kindergarten. Wir wissen, dass nach der Einleitung der Methodenteil kommt.“

Und dann schrieb ich von Donnerstag bis Montag durch. Ich stoppte nur um Kaffee zu trinken und ein oder zwei Stunden zu schlafen. Ich fügte relativ wahllos Referenzen ein, ich ging jede winzige Formatierung durch. Immer und immer wieder. Es war ein Szenario von Heulkrämpfen, Wutanfällen und apathischem ins Leere starren.

Und am Ende gab ich ab. Und ich hielt den Vortrag. Und ich beantwortete alle Fragen.

Ich glaube, in meiner gesamten Laufbahn habe ich, hm, genau einen Prof getroffen, denen die Studenten am Herzen lagen. Das merkt man am Unterricht, das merkt man am Verhalten. Mit diesem einen sind wir als Exkursion in ein Brauhaus und haben mit ihm Kölsch getrunken.

Für alle anderen war ich ein nerviges Gehirn am Stock. Wirklich Wissen vermittelt haben fast nur die Tutoren. Und auch die nicht immer.

Es geht mir dabei gar nicht um Samtpfoten. Es geht mir um Respekt. Und es geht mir um eine forschungsunabhägige Lehre.

Wissen vermitteln ist nicht einfach. Unsere Lehrer bilden wir 5 bis 6 Jahre dafür aus. Professoren machen das nebenher oder stellen unwillige Doktoranden dafür ab. Die das zusätzlich zu ihrer Arbeit machen.

Und so degenerieren diese Gehirne an Stöcken. Sie wollen nicht mehr in die Forschung.

Sie wollen Menschen sein.

Advertisements

Für alles andere gibt es MasterCard

Ich war gefragt worden, ob ich nicht Zeit hätte mit zwei Karriereberaterinnen eines schwedischen Instituts zu reden. Sie hätten vor einer Weile ein Blogging-Projekt dort gestartet. Von der Einladung her klang es so, als wollten sie meine Erfahrungen zum Bloggen hören. Aber eigentlich bewarben sie nur ihr Projekt damit wir es hier auch machen. Worüber ich natürliche keine Entscheidungsgewalt habe. Ich weiß nichtmal, ob man möchte dass ich das Projekt mit aufbaue.

Ja, aber wieso kam ich eigentlich zum Bloggen? Also, als Science Blogger, was nicht selbsttherapeutisch ist und daher vor sich hin schlummert?

Ich hatte mal einen Mitbewohnerin, deren Freund immer die neuesten Gadgets hatte. Er hatte als erstes den ich kannte das erste iPhone und das erste iPad, direkt nach dem Verkaufstart. Er war aber ebenso Student. Ich fragte ihn mal woher er den ganzen Kram hatte. Er sagte er blogge über Technikkram und die Hersteller würden ihm dann Sachen zum Testen zuschicken. Das war das erste mal, dass ich hörte, das Blogs für etwas anderes verwendet wurden als weinerliche Tagebücher.

Die Idee lag lange brach. Sehr lange. Bis meine Podcasthörgewohnheiten ein bisschen mehr in den Bereich Eso-Busting abschweiften und ich erkannte, welche Gefahr in diesen Falschinformationen lag. Ich erinnerte mich an einen Satz des werten Sir Terry Pratchett: „Eine Lüge geht um die Welt bevor die Wahrheit ihre Schuhe angzogen hat.“ Das ist unglaublich wahr. Und die einzige Chance ist es, die Menschen zu erreichen bevor die Lügen überhaupt erst aufkamen. Das ist natürlich ein sehr, sehr hohes Ziel und ich gehe nicht davon aus es zu erreichen. Ich möchte nur ein kleines Rädchen dabei sein.

Es folgten viele weitere Gedanken dazu. Und es folgten schwere Zeiten. Es lief weder privat gut noch auf der Arbeit. Obwohl ich mir bei beidem je ein Bein ausriss, in etwa so Stunden schob wie jetzt, trat ich auf der Stelle.

Irgendwann fiel ich vom Pferd. Ich ging zu dieser Zeit noch Reiten. Das Pferd stolperte, wir legten uns beide in den Dreck. Ich entging nur um Haaresbreite den Hufen, hatte geprellte Rippen und mal wieder einen kaputten Fuß.

Das war der Moment an dem ich von meinem Leben ein Stück Abstand nahm, es überdachte, analysierte. Das sollte man sowieso immer mal wieder tun. Ich sprach mit ein paar Menschen wie das so mit Webhosting geht. Und klickte mir eine Domain. Und begann einfach. Das sollte man auch ab und an einfach tun.

All das tolle Feedback, das Interesse… das ist Gold wert. Das gibt meine Arbeit nicht her.

Und die tollen Menschen erst, die ich dadurch kennenlernen durfte, die sind unbezahlbar.

T-17

9.11.

Ich habe keine Erinnerungen an den Mauerfall. Kein „Ich saß damals vor dem Fernsehr und war baff“ oder „Ich konnte es kaum glauben als ich die Tagesschau sah“. Ich war noch ein Kleinkind. Ich habe auch in der Schule erst sehr spät etwas darüber gelernt. Erst in der Oberstufe. Ich las dann Originaldokumente von Condoleezza Rice, ja, DER Condoleezza Rice. Ich weiß nicht mehr genau ob sie nun bei Schabowski direkt dabei war oder es nur kommentierte. Es war auch nur eine kleine Randnotiz in 2 Jahren Geschichte Leistungskurs. Man könnte es auch: „Europa – Von Ludwig XIV bis Hitler“ nennen.

Hitler, Drittes Reich und Judenverfolgung war überhaupt immer Thema. Jedes Jahr. Mal im Deutschunterricht: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, „Und im Fenster der Himmel“. Oder im Religionsunterricht. Oder im Politikunterricht. Oder eben Geschichte.

Jetzt ist es so, dass es in Deutschland zwei Gedenktage gibt. Der eine Tag ist die Reichspogromnacht, als die Synagogen in Deutschland in Flammen aufgingen. Der Auftakt zu den furchtbaren Verbrechen der Nazizeit.

Der andere Tag ist ein Tag der Freude. Der Mauerfall. Die Überwindung eines Regimes mit friedlichen Mitteln. Die Vereinigung von Ost- und West-Deutschland.

Vielleicht ist es gut so. Vielleicht ist es gut, dass ein Tag der grenzenlosen Trauer auch so ein bisschen ein Tag der Freude ist. Und es ist vielleicht auch gut, dass ein Tag der Vereinigung auch ein Tag des Gedenkens ist. Wenn wir uns über Freiheit und Einheit freuen wollen, dann müssen wir uns immer daran erinnern, dass es Menschen gab und gibt, die nicht frei waren oder sind. Dann müssen wir daran denken, dass Menschen für ihre Überzeugungen, für ihren Glauben, gestorben sind. Und immer noch dafür sterben. Wenn wir gedenken, dass Menschen ihr Leben lassen mussten, weil sie anders waren, dann sollten wir uns auch freuen, dass es heute bei uns nicht mehr so ist.

Und alles dafür tun dass es so bleibt.

Wunschpunsch

In 9:15

Heute ging ein Hashtag rum, #1satz1buch. Dann starb auch noch ein Autor der wohl als einer der wichtigsten Nachkriegsautoren galt. Wir diskutierten beim Mittagessen darüber. Ich fand, wahre Literatur findet man häufig an unverhofften Orten, vor allem aber in der Kinder- und Jugendliteratur. Ich sinnierte ein wenig darüber nach. Was habe ich aus Frau Jenny Treibel mitgenommen? Das ein Satz mehr als eine Seite lang sein kann. Was hat mich Iphigenie auf Tauris gelehrt? Ein wenig griechische Mythologie. Homo Faber hat mir immerhin beigebracht, aus Andeutungen Schlüsse zu ziehen (was ich als Wissenschaftlerin aber niemals tun würde). Schillers Räuber wagen zumindest noch Tabus zu brechen. Shakespeare ist lyrisch und dramaturgisch genial… Aber beeinflusst hat mich nichts davon. Selten haben mich Sätze daraus begleitet, die Themen haben in mir nichts bewegt.

Mein Vater sagt häufig, wir seien Opfer der Schundliteratur. Er meint das scherzhaft, denn er meint genau die Bücher, die er uns damals vorgelesen hat. Ich habe abends vorm Einschlafen Grimms Märchen vorgelesen bekommen. Oder Anstrid Lindgren, Erich Kästner, Max Kruse, Desi Ruge… Oder Michael Ende. Ich könnte zig weitere Beispiele nennen, aber an dem letztem blieb ich irgendwie hängen.

Ende erzählt zum Beispiel die Geschichte von Jim Knopf, auf der Insel Lummerland. Auf der Insel Lummerland gibt es einen Einwohner, der heißt Herr Ärmel. Er wird so beschrieben: „Herr Ärmel war einfach da und wurde regiert.“ Sieht Ende da schon den politikverdrossenen Kleinbürger voraus? Im Gegensatz dazu treffen Lukas und Jim auf einen chinesischen Wächter. Dieser sagt: „Gehorchen ist mein Beruf!“

Lukas entgegnet unbeeindruckt: „Meiner leider nicht.“

Oder nehmen wir Momo. Eine Geschichte, in der es, aus der Ferne betrachtet, um eine Konsumgesellschaft geht in der die Leute vergessen dass sie das Wertvollste im Leben schon längst besitzen: Zeit. Und sie werden zur Eile gedrängt, sie sollen Zeit sparen! Doch die Zeit löst sich in Rauch auf, in den Zigarren der grauen Herren.

Dann wäre da noch Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. Ein Zaubertrank, mit dem man die Welt ins Unglück stürzen kann. Ein Rabe und ein Kater sollen das verhindern, müssen aber erst ihre eigenen Fehler eingestehen. Mir fiel eine „Zutat“ ein, die wichtig für den Zaubertrank ist:

Keine Fragen zu stellen.

Out: 19:40

Einheit

In: 15:39

Anmerkung: Dieses Gespräch fand so ähnlich tatsächlich statt.

Ich erinnere mich kaum an die Wiedervereinigung, ich war damals noch klein und noch nicht mal in der Schule. Aber irgendwann bekam ich bei der Post einen lustigen Sticker mit einem Handschuh drauf geschenkt, der die neuen, fünfstelligen Postleitzahlen bewarb. Wegen der ‘neuen Bundesländer’. Ich hatte von diesen Bundesländern gehört, also so generell, was ein Bundesland ist. Wieso hatte man denn neue gemacht? Verwirrt ging ich zu meinem Vater.

“Papa, was sind denn die neuen Bundesländer?”

“Das sind Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.”

“Und wieso sind die denn neu? Wo kommen die denn her?”

“Die waren eigentlich schon immer da, nur war Deutschland ganz lange geteilt. In West-Deutschland und Ost-Deutschland. Wir wohnen in Westdeutschland. Die neuen Bundesländer sind im Osten.”

“Wieso hat man Deutschland denn geteilt?”

“Ich hab dir ja mal von dem großen Krieg erzählt. Naja und nach dem Krieg wollten die Gewinner alle etwas von der Hauptstadt Berlin abhaben, weil sie glaubten, ohne ein bisschen von der Hauptstadt hätte man nicht richtig gewonnen. In Berlin saßen aber die Russen. Da haben die Amerikaner den Russen ein bisschen Land abgegeben was sie erobert hatten und bekamen dafür ein bisschen Berlin. Aber als man dann nach dem Krieg wieder ein einzelnes Deutschland machen wollte, aus dem amerikanischen, dem britischen, dem französischen und dem russischen Teil, da wollten die Russen das nicht. Sie wollten ein eigenes Deutschland unter ihrer Kontrolle haben. Die DDR. “

“Und dann?”

“Dann gab es ganz lange zwei Deutschlands. Unsere Bundesrepublik, wo wir frei sind überall hin zu fahren, wählen dürfen wer uns regiert und so weiter. Das war in der DDR nicht so. Die Leute durften in viele Länder nicht reisen und es gab nur eine Partei die man wählen konnte.”

“Und wieso sind die Leute nicht abgehauen?”

“Das wollten ganz viele, aber man hat eine große Mauer gebaut und dann ging das nicht mehr.”

“Also war das wie ein Gefängnis? Das muss ja ganz furchtbar gewesen sein.”

“Nicht ganz so. Die Leute haben ja trotzdem noch geheiratet. Und Kinder bekommen. Die Kinder sind zur Schule gegangen und die Eltern waren arbeiten, so wie hier auch.”

“Aber sie durften nicht selbst bestimmen. Hat sich denn niemand dagegen gewehrt?”

“Das war sehr schwierig. Der Staat hat seine Bürger ganz streng überwacht. Und sie konnten sich nicht einfach so versammeln und einen Protest organisieren. Auch die Zeitungen wurden kontrolliert, man wusste also nie so genau was gerade passierte.”

“Also war es doch ein Gefängnis…”

Ohne Konditionen

In: 9:30

Die Tochter einer Freundin von mir wird in der Schule gemobbt, weil sie gute Noten hat. Das war heute der Auslöser für mich, während ich in der Zellkultur etwa 80 Platten verschiedener Zellen aussäte zu überlegen, was ich heute meinem Ich vor 15 Jahren sagen würde.

Ich habe meine eigenen Erfahrungen mit Mobbing gemacht, hab Prügel eingesteckt, Schikanierungen erlebt bis dahin, dass die halbe Stufe ziemlich genau wusste wie ich nackt aussehe. Meine Schulsachen wurden unter Wasser gesetzt, mein Heimweg war manchmal die Hölle. Was würde ich mir selbst sagen, wenn ich mit mir reden könnte?

„Ertrag es einfach. Du wirst irgendwann man zu den höchstgebildetsten Menschen der Gesellschaft gehören!“

Nö, bringt nix.

„Lern Karate und verhau sie doch einfach!“

Nein, Gewalt führt nur zu Gegengewalt. Und SIE werden immer einer mehr sein als du.

„Geh doch zum Lehrer!“

Originalzitat: „Ihr macht das in Zukunft nicht mehr, okay? Dann ist ja gut.“ Dass es gar nichts geändert hat muss ich nicht extra erwähnen, oder?

Was würde ich mir also sagen?

Du bist anders. Du bist einfach anders als sie. Und das merken sie, aber sie verstehen es nicht. Menschen die anders sind schließt man aus, um sich selbst abzugrenzen. Sich selbst zu erhöhen indem man andere kleiner macht ist immer einfacher als selbst etwas dafür zu tun. Wenn du dazugehören willst, dann musst du so sein wie sie. Finde etwas, bei dem sie dich auf einer Augenhöhe betrachten müssen. Ein Sport zum Beispiel, ein Fußballverein, eine Fernsehserie. Irgendwas. Aber willst du das? Du wirst später mal in Urlaub fahren und mit dem Mountainbike durch die Berge radeln und dich mit dem Guide unterhalten. Den du nicht kennst und nie wiedersehen wirst. Und der sagt: „Du kannst dich in deinem Leben nur auf deine Familie verlassen.“ Was du daraus machen wirst ist: Nur Menschen die dich ohne Konditionen lieben, nur weil du da bist, sind für dich wichtig.
Wenn du dich verbiegen musst, weil du anders bist und dazugehören willst, dann mach das nur um dir Menschen vom Leib zu halten die es nicht besser wissen. Diese armen Menschen, die nicht verstehen, dass man so wie man ist gut ist. Mit ihnen kann man nur Mitleid haben.Es kann einfacher sein, sich anzupassen. Es hat dazu geführt, dass das Mädchen was dir in der neunten Klasse in den Bauch getreten hat in der zehnten mit dir Tischtennis spielte. Der Junge, der jede Busfahrt zur Hölle hat werden lassen, hat ein paar Jahre später erfolglos versucht dich ins Bett zu kriegen. Denn du warst nie so wie sie. Sie haben das irgendwann vergessen, aber dir ging das sowieso am Arsch vorbei. Sie waren nie wichtig.

Out: Dauert noch…