Weihnachten

Ist das Leben nicht schön?

Die Weihnachtszeit ist noch nicht um. Sie endet – traditionell – erst an Lichtmess, am 1.2.. Daher kommt hier noch ein Weihnachtspost. So.

Seit ca 5 Jahren gehen wir an Weihnachten wieder in die Kirche. Während ich die einzige bin, die mit der Kirche an sich irgendetwas anfangen kann, sind es eigentlich meine beiden stockatheistischen Schwestern die es wieder eingeführt haben. Als (theoretisch) katholische Familie besuchen wir aber den evangelischen Gottesdienst, weil die Kirche näher liegt, die musikalische Gestaltung und die Atmosphäre angenehmer sind als die in der Gemeinde der wir zugehörig sind. Das ist eher was lokales als was konfessionelles.

Es gibt danach Würstchen mit Kartoffelsalat. Ich steh da total drauf und will es nicht anders, aber meine Schwester rebellieren: Die eine will keinen Kartoffelsalat, die andere weder Kartoffelsalat noch Würstchen. Wir werden sehen ob es nächstes Jahr nicht was anderes gibt.

Wir singen dann gemeinsam Weihnachtslieder, bei denen meine Mutter gerne die falsche Strophe erwischt und meine große Schwester uralte, unbekannte Strophen von Weihnachtsliedern ausgräbt. Danach kommt die Bescherung bei Sekt und Kerzenschein.

Und irgendwann läuft dann auf irgendeinem dritten Programm „Ist das Leben nicht schön“ mit James Stewart. Mittlerweile haben wir aber auch die DVD, weil es einmal nicht kam und wir alle enttäuscht waren (wer nicht gespoilert werden will überspringt die nächsten zwei Abschnitte).

Die Story kann man nur schwer kurz zusammenfassen. Ich versuche es mal. George Bailey hat sein Leben lang alles für andere getan. Er hat immer zurückgesteckt um anderen zu helfen, ist immer selbstlos  gewesen. Er hat auf seine Weltreise und das College verzichtet um die Firma seinen Vaters, die Building and Loan nach dessen Tod zu retten. Diese Firma verhilft Menschen zu einem Eigenheim. Doch durch ein Unglück geht, gerade als der Bankrevisor da ist, ein riesiger Haufen Geld verloren. Die Firma ist bankrott. Und George Bailey weiß sich nicht zu helfen. Schließlich steht er an einer Brücke und… da schreitet Gott ein. Vielmehr ein Engel, Clarence, der Bailey von der größten Sünde abhalten soll, das Geschenk des Lebens wegzuwerfen.

Doch Bailey ist überzeugt dass die Welt ohne ihn besser dran sei. Da zeigt ihm Clarence diese Welt: Seine Heimatstadt ist ein Sündenpfuhl, sein Bruder tot, seine Frau eine alte Jungfer, sein alter Boss ein Penner… Und er versteht wie wichtig sein Leben war.

Vor ein paar Jahren als wir den Film sahen entdeckte ich eine Schild unterhalb eines Portaits von George Baileys Vater im Hintergrund einer Szene. Dort stand: „The only thing we can truely take with us is what we have given away.“ Das einzige was wir wirklich mitnehmen können ist dass, was wir weggegeben haben.

Dieser Satz hat mich mehr berührt als der gesamte Film. Denn egal was wir in unserem Leben erreichen: Wir werden es aus diesem Leben nicht mitnehmen können. Es ist nur eine Leihgabe für unsere Zeit hier. Aber was wir geben das lebt weiter. Das ist dieser berüchtigte Schmetterling – oder auch mal ein Albatross – der Wirbelstürme erzeugt.

Wir haben selten die Möglichkeit, ein Leben direkt und willentlich zu beeinflussen. Wenn ich darüber nachdenke wer mein Leben wirklich in andere Bahnen gelenkt hat ,dann hat dies wohl kaum jemand absichtlich getan. Vieles bleibt sicher auch komplett unentdeckt, denn selten ist es so konkret wie in dem Film.

Aber am Ende ist es so. Wir kommen nicht umhin, mit unseren Leben andere zu berühren. Wir sollten dafür Sorge tragen, dass es zum Besseren ist.

Schenken und Beschenkt werden

Weihnachten ist die Zeit des Schenkens. Ich schenke gerne. Ich mach mir Gedanken über etwas, was meine Familie oder auch mal gute Freunde, gerne hätten. Ich denke mir eigentlich immer was dabei und ich mag es, dass man mit Weihnachten eine Gelegenheit hat, zu schenken. Ja, man könnte immer mal wieder was schenken. Aber tut man es? Ich kann auch immer wieder mal joggen gehen oder putzen, aber beides mache ich doch lieber wenn ich einen Grund dazu habe.

Jetzt ist das bei meiner Familie nicht so einfach. Meine Eltern haben alles was sie brauchen. Ein Haus, hübsch eingerichtet, mit allem was man so braucht. Es hat genug Dekoartikel und Bilder im Wohnzimmer, genug Gadgets im Arbeitszimmer und genug Verbrauchsartikel in Bad und Küche. Was also schenkt man?

Erfahrungen und Zeit. Letztes Jahr wünschte mein Vater sich Zeit mit seinen Töchtern und dieses Jahr sind wir mit ihm nach Augsburg gefahren und haben dort ein Wochenende verbracht. Dieses Jahr hat sich meine Mutter das gewünscht. Mein Plan war, meinem Vater zu Weihnachten ein Fotobuch von Augsburg zu schenken, aber meine Schwestern waren schneller und planten mich in ihr Geschenk mit ein. Es wird dann wohl ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Ein kluger Mensch sagte mir mal: „Was am Ende bleibt, sind die Erinnerungen.“ Und diesen Satz halte ich mir oft immer wieder vor Augen. Erinnerungen zu schenken ist mehr wert als andere.

Beschenkt werden ist eine andere Sache. Beschenkt werden ist… komisch. Ich saß eines Weihnachtens unter dem Baum mit einer Geflügelschere, einer Hornhautfeile und einem Sparschäler, zusammen mit einem riesigen, quietschorangen Schlafsack. Ich hätte heulen können. Und ich fragte mich, ob das undankbar war. Ich mache nie Geflügel, ich besitze einen Sparschäler und ich hatte mir sehr explizit einen raumsparenden Schlafsack gewünscht, für meine vielen Reisen.

Ja, war ich undankbar? Wenn ja, was sollte ich nun mit den Geschenken tun, die ich nicht brauchte? Meine Schwester, die den Schlafsack im Auftrag meiner Eltern bestellt hatte, gab eben jenen unter Protest zurück und ich ging in ein bekanntes Outdoorgeschäft in Köln und kaufte binnen 20 min einen neuen. Sie hatte beteuert, die Packmaße und Temperaturen die ich wollte gäbe es nicht. Die Geflügelschere bekam meine Oma, den Hornhauthobel durfte meine Mutter behalten, den Sparschäler behielt ich dann doch, auch wenn ich bereits drei besaß.

Ich habe aber begriffen welche Wünsche meine Eltern von mir wollten. Ein großes Geschenk (~70-100€) und mehrere kleine (5-20€) zum „Auspacken“. Und jetzt bekommen sie jedes Jahr eine Liste mit 2-3 großen Geschenken zur Auswahl und ein paar Büchern und ähnlichen Kleinigkeiten.Das ist ekelhaft pragmatisch für Geschenke. Aber so denken nunmal meine Eltern und ich möchte es ihnen leichter machen.

Jetzt höre ich häufig „Wozu brauchst du das denn?!“ und muss mich rechtfertigen. Ich muss sowieso oft beantworten, weswegen ich nun etwas kaufe oder nicht.

Aber das sind halt Eltern.

Achso, ja, das ist natürlich unglaublich hohes Niveau auf dem ich da jammere. Verzeiht, aber das tue ich ja meistens. Den größten Wunsch erfülle ich mir ja selbst. Der zweitgrößte – mal ein paar Tage Ruhe mit der Familie – der steht noch aus.

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