Yoga

LoslasZen

In: 9:30

Zum ersten Mal seit über einem Jahr war ich wieder beim Yoga. Ich bin abolut kein Freund von Eso-Kram – und Yoga ist da wirklich sehr, sehr nah dran – aber es ist super. Ich meine damit natürlich auch nur die Meditations-, Kraft- und Dehnungsübungen. Denn im Gegensatz zu dem wie es aussieht ist Yoga keine Beckenbodengymnastik für Frauen in der Menopause sondern wirklich und tatsächlich Sport. Mit lustigen Lebensweisheiten dazwischen.

Als ich vor 4 Jahren nach lange Verletzungspause wieder begann, Sport zu machen, begann ich mit Pilates. Weil eine Kollegin das machte. Aber dämlich auf der Stelle hin und her irgendwelche Übungen machen wurde mir schnell zu langweilig. Gleichzeitig zog ich mir aber erneut eine Verletzung zu. In meinem Chor erzählte ich davon und mir wurde Yoga empfohlen, weil eine meiner Mitsängerinnen Yogalehrerin ist. Yoga ist natürlich noch langweiliger, aber es ist nicht so sinnfrei. Weil man die Veränderungen im eigenen Körper spüren soll und tatsächlich spürt. Weil es um Achtsamkeit auf sich selbst geht.

Diese erste Yogastunde war tatsächlich eine Erleuchtung. Ich kam in diesen Raum, mit dickem Flokati ausgelegt. Jeder bekam eine dicke, wollige Matte, ein Kissen und eine Decke. Es brannten Kerzen, Bilder von indischen Gottheiten hingen an den Wänden. Zum Beginn schlug die Yogalehrerin einen Gong. Wir begannen mit der „Anfangsentspannung“. Anfangsentspannung – ich wusste das war ein Sport für mich. Während dieser Sportstunde las die Lehrerin auch immer aus heiligen Texten vor, zum Schluss der Stunde sang sie dann auch noch. Das war alles irgendwie absurd, aber die Veränderungen die die 90 min in mir auslösten waren enorm.

Ich erwähnte schon das Wort „Achtsamkeit“. Es gibt auch Achtsamkeitsmeditation, die hat das gleiche Ziel. Es geht darum den eigenen Körper wahrzunehmen, zu erkennen wo Probleme sind. Und ihm Zeit zu geben. Es gibt Übungen in denen bin ich furchtbar schlecht. Wenn sie mit Balance zu tun haben zum Beispiel. Da merke ich auch sofort, dass die linke Seite schlechter ist als die rechte. Es geht aber nie darum, dass die Übung klappt. Sondern dass man sie versucht und schaut, wie weit man kommt. Das nimmt einem den Druck.

Ich bin schon lange nicht mehr in der Kuschelecke der Yogalehrerin aus dem Chor gewesen. Der Kurs ist zu teuer und von der Uni gibt es einen ähnlichen. Bei diesem habe ich aber zugunsten anderer Sportkurse für über ein Jahr pausiert. Er findet in einem Multifunktionsraum statt. Es brennen keine Kerzen, der Boden ist aus Laminat, die Matten sind dünn. Es ist irgendwie steril. Aber es geht genausogut. Denn man fokussiert sich ja auch sich selbst. Und wenn man sich auf das Außen fokussiert, dann fokussiert man immer auf sich selbst in diesem Außen.

Die Lehrerin kam nach der Stunde auf mich zu und meinte: „Du hast so toll wieder reingefunden. Hast du zu Hause auch Übungen gemacht?“

Hatte ich eigentlich nicht.

Aber man kommt halt wieder ein bisschen bei sich selbst an.

Out: 16:30

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